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Piloten am Boden: Keine Gelegenheit zum Üben

Piloten am Boden Keine Gelegenheit zum Üben

Zu Beginn der Pandemie sorgten sich Piloten um ihre Lizenzen. Acht Monate später haben sie diese zwar nicht verloren, obwohl viele kaum geflogen sind. Behörden fürchten aber um die Sicherheit, wenn Piloten mit wenig Training und Flugpraxis in den Dienst zurückkehren.

"Die EASA empfiehlt, die Gültigkeit von Lizenz-Kenntnisnachweisen, ärztlichen Bescheinigungen und Elementen der theoretischen Weiterbildung und Kontrolle um nicht mehr als acht Monate in Bezug auf jeden einzelnen Piloten zu verlängern", heißt es in einem Leitfaden der europäischen Flugsicherheitsbehörde vom 19. November. Wegen der weltweiten Reisebeschränkungen sind einige Piloten in den vergangenen Monaten zum einen kaum geflogen, zum anderen hatten sie teils nur sehr begrenzten Zugang zu Simulatoren – etwa dann, wenn ihre Airline zum Training die Simulatoren anderer Anbieter nutzt, die sich im Ausland befinden.

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Das Cockpit: Ein Arbeitsplatz, den viele Airline-Piloten im Jahr 2020 nicht sehr oft von innen gesehen haben.

Sorge um die Sicherheit

Eine Verlängerung der Ausnahmeregelung für die weitere Gültigkeit der Lizenzen soll nun nach dem Willen der EASA Einzelfall für Einzelfall genau geprüft werden. Zugleich zeichnet sich für den Winter nicht ab, dass der Flugverkehr bedeutend zunehmen wird. Piloten werden also auch in den kommenden Monaten das Cockpit bestenfalls ab und zu von innen sehen. Tausende sind freigestellt oder haben ihren Job verloren. Bei Experten der EASA schürt das die Sorge um die Flugsicherheit – und einzelne Unfälle und Zwischenfälle scheinen sie darin zu bestätigen. Darunter der Absturz des Pakistan International Airlines Airbus A320 über einem Wohngebiet in Karatschi im Mai, bei dem 99 Menschen ums Leben gekommen sind. "Die Piloten schienen die Flüge nicht so flüssig durchzuführen, wie sie es hätten tun sollen", kommentierte EASA-Chef Patrick Ky das Unglück im September. "Wenn sie drei oder sechs Monate lang nicht geflogen sind, müssen sie trainiert werden, um wieder zurückzufinden."

Hohes Stresslevel in der Krise

Andere Experten teilen seine Meinung. "Regelmäßiges Fliegen sorgt dafür, dass du mit dem Kopf im Cockpit bleibst", zitiert die Nachrichtenagentur "Bloomberg" einen Berater der indischen Flugsicherheitsbehörde. "So lange nicht zu fliegen führt dazu, dass Fähigkeiten einrosten. Einkommensverluste, Sorge um den Airbeitsplatz und die Zukunft der Airline sorgen zusätzlich für Stress. Steigt das Stresslevel, sinkt die Leistungsfähigkeit." Läuft der Flugverkehr in den kommenden Monaten wieder an, stehen Airlines vor der Herausforderung, ihre Crews wieder für den Liniendienst fit zu machen. Einen Vorteil könnten dabei kurioserweise Boeing 737 MAX-Betreiber haben: zum einen sehen Sicherheitsbehörden bei ihnen ganz genau hin, zum anderen arbeitet Boeing gemeinsam mit den Airlines seit Monaten daran, eine umfassende Trainingsinfrastruktur aufzubauen.