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Zeitweiliges Aus könnte endgültig werden

Tegel-Gesellschafter geben Schließung frei

Die drei Gesellschafter der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg haben den Flughafen Tegel von seiner Betriebspflicht befreit, falls sich das corona-bedingt geschwächte Verkehrsaufkommen nicht bald wieder erholt.

Der heutige Beschluss der drei Gesellschafter Bund, Berlin und Brandenburg "mache eine temporäre Tegelschließung möglich", teilte die Flughafengesellschaft am Mittwoch mit. Die Gesellschafterversammlung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) habe am Morgen getagt und einstimmig den Beschluss gefasst, unter bestimmten Voraussetzungen den Flughafen Tegel zum 15. Juni temporär von dessen Betriebspflicht zu befreien. Alle Verkehrsflughäfen haben normalerweise diese Betriebspflicht. Über deren Aufhebung entscheidet im Fall von Tegel die Oberste Luftfahrtbehörde des Landes Berlin.

Die FBB will durch die Schließung Tegels ihre Verluste vermindern und den corona-bedingt eingebrochenen Verkehr an einem Standort, dem alten Flughafen Schönefeld, bündeln. Angeblich macht Tegel, eigentlich ist es der Dukatenesel unter den Berliner Flughäfen, während der Corona-Flaute sieben Millionen Euro Verlust im Monat.

Voraussetzung für die tatsächliche Tegel-Schließung ist, dass sich das Aufkommen jetzt nicht noch sehr stark erholt. Der gesamte Bedarf muss abgefertigt werden können, so die Bedingung der Gesellschafter. Außerdem dürfen die Nutzerinteressen des Bundes am Regierungsflugbetrieb in Berlin nicht beeinträchtigt werden. Der Bund behält in Tegel-Nord, auf dem fortbestehenden Stützpunkt der Bundeswehr, drei Cougar-Hubschrauber für VIP-Flüge.

Die Flächenflugzeuge der Flugbereitschaft sollen dagegen aus Tegel-Nord in ein neues Regierungsterminal am Flughafen Schönefeld umziehen. Dieses bereits fertige Gebäude war bislang zur Betriebsaufnahme Ende Juli vorgesehen und muss nun für einen vorgezogenen Betriebsbeginn schon bis Mitte Juni ertüchtigt werden.

Engelbert Lütke Daldrup, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, sagte: "Es geht darum, den Flugbetrieb in den kommenden Monaten bis zur Inbetriebnahme des BER am 31. Oktober stabil, effizient und verlässlich organisieren zu können. Möglichst guter Flugbetrieb unter Corona-Bedingungen – das ist unsere Aufgabe. Wir begrüßen die Bereitschaft des Bundes den Regierungsflugbetrieb zeitnah in Schönefeld aufzunehmen. Das ist ein klares Bekenntnis zum BER. Auf der Grundlage der weiteren verkehrlichen Entwicklung werden wir nach Vorlage der behördlichen Genehmigung die notwendigen Maßnahmen treffen. Der Bedarf der Airlines und die Auswirkung der Hygiene- und Abstandsvorschriften auf den Flugbetrieb sind dabei die wesentlichen Einflussfaktoren."

Ob die jetzt geplante "temporäre" Schließung Tegels angesichts der bevorstehenden Betriebsaufnahme am Flughafen BER im Herbst noch einmal für wenige Wochen aufgehoben wird, erscheint mehr als fraglich. Damit dürfte Tegel endgültig die Rolle als Verkehrsflughafen verlieren. Der Bund will Tegel-Nord allerdings, bis vermutlich 2029, noch als Hubschrauberstützpunkt seiner VIP-Hubschrauber nutzen.

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