Die neue Softwareplattform arbeite unter dem Projektnamen "Boeing Fabric" (Gewebe), teilte Boeing mit. Sie verändere die Art, wie das Unternehmen entwickle, teste und produziere. Künftig nutze man eine Software-Plattform als gemeinsame Basis, um schneller, geordneter und in engerer Zusammenarbeit die Ingenieur-Arbeitsumgebungen zu bedienen. Die Aufgabenfelder bei Boeing umfassten die Entwicklungsumgebung, so genannte Middleware (eine Kommunikationssoftware die Betriebssysteme, Werkzeuge und Anwendungen verknüpft), das Betriebssystem und das Simulations- und Testnetzwerk.
Farbic beendet früheren Wildwuchs von Software
Im Laufe vieler Jahrzehnte hätten Boeing-Ingenieure zahlreiche Softwarelösungen entwickelt, von Flugsteuerungssoftware bis zu Simulationssoftware, die oft für einzelne Flugzeugprogramme maßgeschneidert gewesen sei. Dieser Ansatz funktoniere zwar, führe aber oft auch zu sich wiederholender Arbeit, Kompatibilitätsproblemen und längerer Entwicklungsdauer. Oft sei dieser Programmcode auch nicht wiederverwendbar gewesen und habe zu einer zersplitterten Entwicklungs-Infrastruktur geführt, bemängelte Matt Kelly, Boeing Chefingenieur für Enterprise Software Products & Capabilities. "Das hat Kosten erzeugt und die Entwicklungszeitpläne unerträglich verlängert."
Software kommt künftig von einer Stelle
Mit der Vereinheitlichung durch Fabric will Boeing nun die Sicherheit, Schnelligkeit und Genauigkeit verbessern, indem alle Ingenieure unternehmensweit eine einheitliche Entwicklungsplattform erhalten. Das neue Konzept reicht über die Grenzen der Unternehmenssparten Verkehrsflugzeuge, Verteidigung/Weltraum und Services hinweg. Praktisch gesehen soll damit auch der Bedarf entfallen, Software-Werkzeuge immer wieder erst mal neu anzupassen, maßgeschneiderte Middleware auf "Bugs" zu überprüfen und relevante Zulassungsvorschriften zeitaufwändig rauszusuchen. Stattdessen sollen wiederverwendbare Software-"Blöcke" genutzt werden, die den Teams mehr Zeit für die eigentliche Arbeit geben, etwa die Flugsicherheit zu verbessern, die Reichweite zu erhöhen oder die vorausschauende Fehlererkennung für die Wartung zu verbessern.
Kreativität soll möglich bleiben
Unser Foto zeigt Boeing-Software-Ingenieurin Kelly Zimmermann im Cockpitsimulator eines Entwicklungslabors. Zimmermann erwartet durch Fabric auch eine Verbesserung der Zuverlässigkeit von Simulationen über unterschiedliche Geräteebenen hinweg, etwa Desktop-Rechner, Teststationen, Integrations-Teststände und Trainingssimulatoren, die kritische Flugdaten mit der von den Zulassungsbehörden geforderten Güte abbilden können. Boeing modernisiere die Simulationsprodukte derzeit, ohne die programmkritischen Zeitpläne zu behindern. Durch wiederholte Überprüfungen stelle man sicher, dass dauerhaft zuverlässige Ergebnisse herauskämen, während die noch anstehenden Aufgaben abnähmen. Diese zunehmende Standardisierung hemme die Kreativität der Ingenieure nicht, sie ermögliche sie.
Frühe Vorbereitung für den 737-Nachfolger?
Für Boeing dürfte innerhalb der nächsten zehn Jahre der Entwicklungsbeginn einer 737-Nachfolgerfamilie anstehen. Die Vereinheitlichung der Software und die spartenübergreifende Nutzung von Entwicklungswerkzeugen, dürfte ein Teil der langfristigen Vorbereitungen für diesen epochalen Schritt sein. Die nächsten Flugzeuggenerationen werden von grundauf digital entwickelt, wobei neben der Entwicklung auch die automatisierte Fertigung und digitale "Zwillinge" jedes einzelnen Flugzeugs über dessen gesamten Lebenslauf elektronisch erfasst werden.





