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Die BTU in Cottbus richtet ein Zentrum zur Erforschung hybrid-elektrischer Antriebe und Systeme ein BTU

Center for Hybrid Electric Systems Cottbus wird aufgebaut

BTU erhält knapp 39 Millionen Euro für CHESCO Center for Hybrid Electric Systems Cottbus

An der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg hat der Aufbau eines Zentrums zur Erforschung hybrid-elektrischer Antriebe und Systeme begonnen.

 

Den Startschuss für das CHESCO-Projekt (Center for Hybrid Electric Systems Cottbus) im Rahmen der Strukturentwicklung Lausitz gab Brandenburgs Wissenschafts- und Forschungsministerin Dr. Manja Schüle die am Mittwoch in Cottbus einen Zuwendungsbescheid der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) über rund 38,56 Millionen Euro an die Präsidentin der BTU (Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg), Prof. Dr. Gesine Grande, übergab.

In den kommenden fünf Jahren sollen insgesamt 238 Millionen Euro in den Aufbau und die Ausstattung des Forschungszentrums fließen. In dem Forschungs- und Kooperationszentrum sollen künftig klimafreundliche Flugantriebe für Kurz- und Mittelstrecken geplant, getestet und umgesetzt werden. Das Zentrum soll zu einem Knotenpunkt für Kooperationsprojekte werden mit regionalen Wirtschaftspartnern, Forschern und Wissenschaftlerinnen.

Einer der Kooperationspartner ist Rolls-Royce. Dr. Jörg Au, Geschäftsführer Engineering, Rolls-Royce Deutschland: "Wir freuen uns darauf, hier in Brandenburg gemeinsam mit anderen Partnern ein weltweit einzigartiges industrielles Ökosystem für emissionsarme, hybrid-elektrische Luftfahrtantriebe aufzubauen. Dass wir dabei auf die anhaltende Unterstützung durch die deutsche Regierung und das Land Brandenburg zählen können, trägt entscheidend dazu bei, dass wir unsere Ziele für eine nachhaltige und CO2-neutrale Zukunft bis 2050 erfüllen können. Aufbauend auf den hervorragenden Fähigkeiten unserer Electrical Teams in Bayern und Brandenburg wird uns die Einrichtung von Entwicklungs-, Test- und Produktionseinrichtungen in Dahlewitz und in der Lausitz in die Lage versetzen, hybrid-elektrische Antriebssysteme für die nächste Ära der Luftfahrt zu liefern."

Hybrid-elektrische Antriebe – und damit die Kombination von Gasturbine mit Generator oder Brennstoffzelle, Batterie und Elektromotor – ermöglichen eine Vielzahl an unterschiedlichen Antriebssystemen. Durch die neuen Flugzeugkonstruktionen im Kurz- und Mittelstreckenverkehr könnte sich der Ausstoß an klimaschädlichen Gasen künftig signifikant reduzieren. Die Wissenschaftler*innen rechnen mit 20 bis 30 Prozent Einsparungen. Aber Entwicklungen in der Luftfahrt sind langwierig und technologische Änderungen sind hohen Sicherheitsstandards unterworfen. CHESCO soll die Entwicklungszeit innovativer Antriebstechnologien durch die zentrale Bündelung der Forschungs- und Fertigungskompetenzen beschleunigen.

"Elektrische Motoren sind sehr effizient und leistungsstark. Rein elektrisch werden in absehbarer Zeit nur kleinere Flugzeuge mit bis zu vier Passagieren unter einer Reichweite von 200 Kilometern fliegen können. Im Vergleich zu Kerosin ist die Energiedichte von heute verfügbaren Batterien noch zu gering, um damit größere Verkehrsflugzeuge während eines Mittelstreckenfluges zu versorgen. Zusätzlich verringern wir mit diesen Konstruktionen den Lärm für die Menschen am Boden. Sie werden die Maschinen in der Luft kaum noch hören," erläuterte Prof. Dr.-Ing. Georg Möhlenkamp, Leiter des BTU-Fachgebiets Leistungselektronik und Antriebssysteme.

"Bisher sorgten Gasturbinentriebwerke in herkömmlichen Flugzeugen sowohl für die Energieerzeugung als auch für den Schub. Mit hybrid-elektrischen Antrieben kann man diese Prozesse entkoppeln. Daraus ergeben sich innovative Möglichkeiten im Design. Die Turbinen hängen nicht mehr unter den Tragflächen, sondern können im Inneren der Flugzeuge untergebracht werden, der Schub wird mittels elektrisch angetriebener Propeller erzeugt. Für den zusätzlichen Antrieb, beispielsweise beim Start, können batteriegespeiste Elektromotoren mit Propellern zugeschaltet werden, die beim Sinkflug auch elektrische Energie rekuperieren können," führte Prof. Dr.-Ing. Klaus Höschler, Leiter des BTU-Fachgebietes Flug-Triebwerksdesign, aus.