in Kooperation mit
DLR

Erneuerbare Luftfahrt-Treibstoffquelle

Kerosin aus Sonnenkraft, CO2 und Wasser

DLR-Forscher und Wissenschaftler aus der Schweiz haben eine neuartige Solaranlage entwickelt, die aus konzentrierter Sonnenenergie, CO2 und Wasser nach einem chemischen Umwandlungsprozess Kerosin produziert. Das Verfahren ist bereits auf die industrielle Anwendung ausgelegt.

Die neuartige Solaranlage steht im spanischen Móstoles und bündelt das Sonnenlicht durch ein Spiegelsystem auf das 2500-Fache seiner normalen Kraft oder auf das Dreifache der üblichen Temperatur in Sonnenergiekraftwerken, so dass der Reaktor auf die enorme Temperatur von 1500 Grad kommt. Der vom Projektpartner ETH Zürich entwickelte Reaktor produziert aus Wasser und CO2 durch eine thermochemische Redoxreaktion ein sogenanntes Synthesegas, eine Mischung aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid. Eine spezielle Fischer-Tropsch-Anlage, die vom Projektpartner HyGear entwickelt wurde, wandelt dieses Synthesegas vor Ort in Kerosin um.

SUN-to-LIQUID ist ein Vier-Jahres-Projekt, das im Rahmen von „Horizont 2020“, einem Förderprogramms der Europäischen Kommission und des Schweizer Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI), gefördert wird. Projektstart war im Januar 2016, im Dezember 2019 wird das Projekt enden. SUN-to-LIQUID vereint führende europäische Forschungsinstitutionen und Firmen im Bereich thermochemische Solarforschung: ETH Zürich, IMDEA Energy, DLR, Abengoa Energía und HyGear Technology & Services B.V. Der Koordinator Bauhaus Luftfahrt e.V. ist verantwortlich für die Technologie- und Systemanalyse. ARTTIC unterstützt das Forschungskonsortium mit Projektmanagement und Kommunikation.

„Die SUN-to-LIQUID-Reaktortechnologie und die integrierte chemische Anlage wurden unter den typischen Bedingungen für eine industrielle Kraftstoffproduktion validiert“, sagte Prof. Aldo Steinfeld von der ETH Zürich, der die Entwicklung des solarthermochemischen Reaktors leitet. „Die Demonstration dieser Technologie könnte große Auswirkung auf den Transportsektor haben, speziell für die Luftfahrt und die Schifffahrt, die auf langen Strecken weiterhin auf flüssige Kraftstoffe angewiesen bleiben“, ergänzte Projektkoordinator Dr. Andreas Sizmann von Bauhaus Luftfahrt. „Wir sind dem Ziel, von einem Energie-Einkommen nachhaltig zu leben, anstatt unser fossiles Energie-Erbe zu verbrennen, einen Schritt nähergekommen. Das ist ein notwendiger Schritt, um unsere Umwelt zu schützen.“

Im Vergleich zu fossilem Kraftstoff reduziert SUN-to-LIQUID die CO2-Emissionen um mehr als 90 Prozent. Da sich die solare Kraftstoffproduktion am besten für Wüstenstandorte eignet, besteht keine Konkurrenz um landwirtschaftliche Nutzfläche. Den Rohstoff CO2 soll die Anlage langfristig aus der Atmosphäre gewinnen. Die zukünftige globale Kerosinnachfrage kann somit durch regenerative solare Kraftstoffe gedeckt werden, die mit der bestehenden Kraftstoffinfrastruktur kompatibel sind.

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