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Militärische Schubgiganten

Top 10: Die stärksten Kampfflugzeugtriebwerke

Seit den 40er Jahren sind die Konstrukteure von Kampfflugzeugen immer auf der Suche nach möglichst leistungsstarken Strahltriebwerken. Schließlich wurden die Jäger und Bomber immer größer und komplexer. Besonders bei den Mach-3-schnellen Jets betraten die Ingenieure auch bei den Antrieben Neuland. Viele technische Innovationen fanden später auch ihren Weg in zivile Turbofans.

Während die ersten Strahltriebwerke noch bescheidende Leistungen aufwiesen, sorgen moderne Kampfflugzeugantriebe für damals undenkbare Schub-Gewichts-Verhältnisse. Das EJ200 des Eurofighters leistet beispielsweise 90 Kilonewton mit Nachbrenner. Das Junkers Jumo 004 der Messerschmitt Me 262 bot in den 40er Jahren gerade einmal ein Zehntel davon. Gravierende Leistungssprünge gab es besonders bei den Überschallbombern. Überraschenderweise haben es dennoch zwei Kandidaten von General Electric/GE Aviation nicht in unsere Top-10-Liste geschafft: das General Electric YJ93 der North American XB-70 (133 kN mit Nachbrenner) und das F101 der Rockwell B-1 (136,9 kN mit Nachbrenner). Ebenfalls knapp aus der Liste der stärksten zehn Kampfflugzeugtriebwerke sind gefallen: Sojuz R15-300 (110 kN mit Nachbrenner/Mikojan MiG-25), Volvo RM8 (128,65 kN mit Nachbrenner/Saab Viggen), Pratt & Whitney F100-PW-232 (142 kN mit Nachbrenner/Lockheed Martin F-16) und Saturn AL-31F-M3 (142,2 kN mit Nachbrenner/Suchoi Su-27). Die Triebwerke F120 (GE-Kandidat für die F-22) und F136 (Alternativtriebwerk für die F-35) sowie der Antrieb der Suchoi T-50 sind nicht vertreten, da bis heute keine genauen Leistungsdaten veröffentlicht sind. Welche Kraftpakete es dagegen in unsere Top-10 geschafft haben lesen Sie auf den folgenden Seiten.

Platz 10: 142,95 kN mit Nachbrenner

Das F110-GE-132 ist das stärkste Mitglied der F110-Familie. Foto: © GE Aviation

GE Aviation F110-GE132/Lockheed F-16

Die aktuelle Version des GE-Bestsellers wurde aufgrund einer Bestellung der Vereinten Arabischen Emirate für die F-16 Block 60 entwickelt. Die ersten Exemplare wurden Anfang 2003 an Lockheed Martin ausgeliefert. Das Triebwerk erhielt unter anderem einen neuen Nachbrenner und kann auch in der F-16 Block 50 und der F-15 eingesetzt werden.

Platz 9: 152 kN mit Nachbrenner

Senkrechtstarter Jakowlew Jak-141. Foto: FR-Dokumentation

Sojuz R79/Jakowlew Jak-141

Das R79 wurde komplett neu für den Überschall-Senkrechtstarter Jak-141 entwickelt. Bis zum Jahr 1993 hatten zwölf Triebwerke insgesamt 3500 Stunden auf Prüfständen und in der Luft absolviert. Wie die F-35B verfügte die Jak-141 um eine nach unten schwenkbare Schubdüse. Mit dem Ende der Jak-141 wurde auch der Turbofan aufgegeben.

Platz 8: 152,1 kN mit Nachbrenner

Das D-30F6 der Mikojan MiG-31. Foto: Sammlung Butowski

Awiadwigajtel D-30F6/Mikojan MiG-31

Die Entwicklung des Turbofans begann 1972 für den Abfangjäger Mikojan MiG-31. Die Produktion lief im Jahr 1980 an. In Perm wurden rund 2000 Exemplare gebaut. Das Triebwerk kommt auch in der M-55 und der Suchoi Su-47 Berkut zum Einsatz.

Platz 7: 153,5 kN mit Nachbrenner

Das J58 - hier bei Bodentests - erzeugte im Nachbrennerbetrieb besondere Schockwellen. Foto und Copyright: NASA

Pratt & Whitney J58/Lockheed SR-71A Blackbird

Unter größter Geheimhaltung begann in den 50er Jahren die Entwicklung dieses einwelligen Turbojets für ein neues Spionageflugzeug. Das J58 sollte Flüge mit einer Geschwindigkeit von Mach 3,2 für einen längeren Zeitraum ermöglichen und lief ausschließlich mit dem Spezialtreibstoff JP-7.

Platz 6: 161,8 kN mit Nachbrenner

Die Tupolew Tu-22 "Blinder" erhielt zwei RD-7-Triebwerke am Leitwerk. Foto: FR-Dokumentation

Saturn RD-7M2/Tupolew Tu-22

In den 60er Jahren galt das RD-7 als stärkster Turbojet der Welt. Es verhalf dem zweistrahligen Bomber Tupolew Tu-22 „Blinder“ zu Überschallgeschwindigkeit. Varianten ohne Nachbrenner kamen auch bei dem strategischen Bomber M-4 „Bison“ zum Einsatz.

Platz 5: 166,7 kN mit Nachbrenner

Die Suchoi T-4 ist heute im Museum von Monino ausgestellt. Foto und Copyright: Patrick Hoeveler

Saturn RD-36-41/Suchoi T-4

Der leistungsstarke Turbojet sollte die Mach-3-schnelle Suchoi T-4 antreiben. Zu Zwecken der Tarnung erhielt er eine Bezeichnung innerhalb der RD-36-Familie, bei der es sich um eine Reihe von Hubtriebwerken für Senkrechtstarter handelte. Der Erstlauf fand im Jahr 1965 statt. Er Erstflug der T-4 erfolgte am 22. August 1972. Das Programm wurde aber im März 1974 aufgegeben.

Platz 4: 168 kN mit Nachbrenner

Das F119 liefert den Schub für die F-22 Raptor. Foto: © Pratt & Whitney

Pratt & Whitney F119/Lockheed F-22

Das F119 setzte sich im Wettbewerb für den Antrieb des neuen US-Jägers im April 1991 gegen das F120 von GE durch. Es verfügt über eine Schubvektorsteuerung und lief erstmals im Dezember 1988. Im September 1996 erfolgte die Lieferung für die erste Lockheed Martin F-22A. Die Produktion des F119 endete am 17. Januar 2013 nach 507 Exemplaren.

Platz 3: 191,35 kN mit Nachbrenner

Das F135 bei Tests in West Palm Beach. Foto: © Pratt & Whitney

Pratt & Whitney F135/Lockheed F-35

Wie schon beim F119 gewann auch beim zweiten großen Wettbewerb Pratt & Whitney vor GE. Allerdings tat sich GE Aviation mit Rolls-Royce zusammen, um das F136 als Alternativantrieb für die Lockheed Martin F-35 zu entwickeln. Das F136 wurde ab endgültig aufgegeben, so dass das F135 nun alleine alle drei Versionen des Joint Strike Fighters antreibt. Im September 2003 absolvierte das erste F135 des Serienstandards seinen Erstlauf.

Platz 2: 245 kN mit Nachbrenner

Vier NK-321 kommen in der Tu-160 "Blackjack" zum Einsatz. Foto und Copyright: Patrick Hoeveler

Kuszetzow NK-321/Tupolew Tu-160

Das schwerste Kampfflugzeug der Welt braucht natürlich auch einen entsprechenden Antrieb. Die Entwicklung war in den 70er Jahren eines der größten Projekte in der Sowjetunion. Das NK-32 lief erstmals 1980, wurde aber vom verbesserten NK-321 mit einer modifizierten Bläserstufe abgelöst. Beim NK-321 handelt es sich um einen dreiwelligen Turbofan. Das Nebenstromverhältnis beträgt 1,36:1, das Gesamtdruckverhältnis 28,2:1. Eine Variante wurde auch in die Tu-144D eingebaut, mit der die NASA einige Versuche durchführte.

Platz 1: 245,2 kN mit Nachbrenner

Die Tupolew Tu-22M3 wird von zwei NK-25 angetrieben. Foto und Copyright: Patrick Hoeveler

Kuszetzow NK-25/Tupolew Tu-22M3

Nur minimal leistungsstärker ist das NK-25, das aus demselben Haus wie das NK-321 stammt. Auch das NK-25 verfügt über drei Wellen. Die Entwicklung begann 1972, der Erstlauf folgte bereits 1974. Der grundlegende Aufbau ist ähnlich dem des NK-321, nur der Hochdruckverdichter besitzt sechs statt sieben Stufen.

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