TU Dresden forscht mit eigener DA62 an SAF und Wasserstoff

Testflugzeug für SAF und Wasserstoffantriebe
TU Dresden erforscht Luftfahrtantriebe mit DA62

ArtikeldatumVeröffentlicht am 27.03.2026
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TU Dresden erforscht Luftfahrtantriebe mit DA62
Foto: TU Dresden

Das Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik (ILK) und das Institut für Luft- und Raumfahrttechnik (ILR) der Technischen Universität Dresden (TUD) stellten ihr neues Forschungsflugzeug am Donnerstag, in Anwesenheit von Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow, am Flugplatz Kamenz in Dienst. Das Flugzeug dient als fliegendes Testlabor zur Erforschung fossilfreier Luftfahrtantriebe.

Fossilfreie Antriebssysteme

Im Fokus der Forschung stehen neue klimafreundliche Antriebssysteme, etwa elektrische, wasserstoffbasierte oder hybride Konzepte. Diese können künftig unter realen Flugbedingungen getestet und miteinander verglichen werden. Gleichzeitig lassen sich Energiesysteme, Sensorik und Strukturkomponenten im Zusammenspiel analysieren. Die gewonnenen Betriebs- und Leistungsdaten sollen helfen, Technologien aus dem Labor für die praktische Anwendung weiterzuentwickeln.

Praxistest und fliegende Bewertung im Verbund

"Mit dem Forschungsflugzeug schließen wir die entscheidende Lücke zwischen Theorie und praktischer Anwendung. Denn bei der nachhaltigen Luftfahrt geht es nicht nur um das Triebwerk, sondern um die ganzheitliche Integration von Antriebssystemen in das Flugzeug," sagte Prof. Maik Gude, ILK-Institutsdirektor für Systemleichtbau und Mischbauweisen. "Wir erhalten nun die einmalige Gelegenheit zu zeigen, wie sich etwa leichte Tanksysteme und komplexe Strukturkomponenten unter den dynamischen Belastungen des realen Flugbetriebs bewähren."

Luftfahrtforschung hilft Strukturwandel in der Lausitz

"Das neue Forschungsflugzeug ist für uns weit mehr als eine Testplattform. Es ist der entscheidende Schlüssel, um das enorme Potenzial fossilfreier Antriebe zu erschließen und die Vision einer klimaneutralen Luftfahrt Realität werden zu lassen," sagte Johannes Markmiller, Professor für Luftfahrzeugtechnik an der TUD. Das Flugzeug wird in Kamenz in der Lausitz stationiert und soll den dortigen Forschungsstandort stärken. Es wird, überwiegend aus europäischen Mitteln finanziert, durch den sogenannten Just Transition Fonds.

Wandlungsfähige und sparsame Testplattform

Die Testplattform basiert auf einer Diamond Aircraft DA62 MPP, einem zweimotorigen Spezialflugzeug für Forschungs- und Vermessungsmissionen. Dieses Flugzeug zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Effizienz und Modularität aus. Dank seiner sparsamen Jet-A1-Kolbentriebwerke erreicht es eine Flugdauer von bis zu zehn Stunden bei gleichzeitig minimalen Betriebs- und Wartungskosten. Seine besondere Stärke liegt in der flexiblen Konfiguration. In modular austauschbaren Gehäusen (Pods) an der Flugzeugnase, im Rumpf und unter den Flügeln lassen sich unterschiedlichste Hightech-Sensoren und Kamerasysteme integrieren, berichtete die TU Dresden.

Tankstellen für SAF und Wasserstoff in Kamenz

Der Standort Kamenz in der Lausitz entwickelt sich dabei zu einem Knotenpunkt einer wachsenden Luftfahrtregion in Ostdeutschland. Das Forschungsflugzeug ist fester Bestandteil der neu gegründeten Wissenschafts- und Wirtschaftsplattform OST4Aviation, die den Aufbau einer leistungsfähigen Luftfahrtforschungsregion in Ostdeutschland vorantreibt, um Kompetenzen aus Wissenschaft und Industrie enger zu verzahnen. Künftig wird am Standort Kamenz eine eigene Tankstelle für nachhaltige Flugkraftstoffe (SAF) und Wasserstoff zur Verfügung stehen. Damit wird die notwendige logistische Basis geschaffen, um fossilfreie Antriebstechnologien direkt vor Ort unter Realbedingungen zu erproben und wegweisende Innovationsimpulse für eine klimaneutrale Luftfahrt zu setzen.

EU und Sachsen geben Fördermittel

Das Forschungsflugzeug wird im Rahmen des EU-geförderten Projekts FoFlu (Modulares Forschungsflugzeug als Experimentalplattform zur Erforschung zukünftiger fossilfreier Antriebssysteme im realen Flugbetrieb) betrieben. Die Kosten des Flugzeuges belaufen sich auf rund drei Mio. EUR. Weitere Investitionen in Wasserstoff-Flugmotoren, Infrastruktur und Sensorik erfolgen bis zum Ende des Projektzeitraumes. Das Vorhaben wird aus Mitteln der Europäischen Union und des Freistaates Sachsen im Programm JTF InfraProNet mit einem Gesamtfördervolumen in Höhe von 4,6 Mio. EUR im Förderzeitraum 08/24 bis 06/27 gefördert.