Alte deutsche "Air Force One" kommt ins Museum - teilweise zumindest

Airbus A340 der Flugbereitschaft
Alte deutsche „Air Force One“ kommt ins Museum - teilweise

ArtikeldatumVeröffentlicht am 15.10.2026
Als Favorit speichern
Ehemaliger deutscher Regierungsflieger A340-300 wird zerlegt.
Foto: Michael Lagemann (Lufthansa Technik)

Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Berlin-Gatow freu sich auf ein besonderes aviatisches Exponat – wenn es auch kein vollständiges Flugzeug mehr ist. Für eine Dauerausstellung übernimmt das Museum ein Rumpfsegment samt Cockpit und vollwertiger Regierungskabine von jenem Airbus A340-300, der bis 2023 mit der taktischen Kennung 16+01 bei der Flugbereitschaft des Bundesverteidigungsministeriums flog und insgesamt zwölf Jahre lang als deutsche "Air Force One" weltweit aktiv war.

Zur Verfügung gestellt wird das Rumpfteil von Lufthansa Technik aus Hamburg. Dort hatte der einst gebraucht von der Lufthansa in den Regierungsdienst übernommene Vierstrahler zwischen 2009 und 2011 sein Upgrade zum VIP-Flaggschiff für Bundeskanzlerin Merkel und Co. erhalten. In den Folgejahren erhielt die A340, in Anspielung auf die als "Air Force One" bezeichneten Flugzeuge des US-Präsidenten, den inoffiziellen Spitznamen "Merkel One".

Der offizielle Taufname des Großraumjets bei der Flugbereitschaft lautete "Konrad Adenauer". Eine zweite A340-300 – ebenfalls von der Lufthansa übernommen – trug den Namen "Theodor Heuss".

Luftwaffe/Volker Mais

"Merkel One" längst in Rente

Die nach der Ausmusterung bei Lufthansa in 21 Monaten auf Vordermann gebrachte 16+01 ging im März 2011 bei der Flugbereitschaft in Dienst.

Inzwischen nutzt die Bundesregierung jedoch drei A350-900 als VIP-Flugzeuge, von denen zwei ebenfalls nach den beiden Politgrößen der frühen Bundesrepublik benannt sind. Im Unterschied zu den beiden A340 kamen die drei hochmodernen Zweistrahler, die dritte fliegt mit dem Taufnamen "Kurt Schumacher" am Bug, fabrikneu von Airbus und erhielten vor der Indienststellung ebenfalls ihre Kabinenausstattung bei Lufthansa Technik.

Bundeswehr

Nonstop auch an entfernte Ziele

Der Innenraum der ehemaligen "Konrad Adenauer" umfasst laut Lufthansa Technik einen Reise- und Konferenzraum sowie einen Rückzugsbereich für die politischen Würdenträger. Der hintere Delegationsbereich ist mit 24 Business- und 92 Economy-Sitzen belegt. Insgesamt konnten mit dem Airbus A340-300 der Flugbereitschaft 143 Passagiere reisen.

Dank einer Reichweite von rund 15.200 Kilometern erreichte der Jet auf Regierungsflügen nahezu alle wichtigen Ziele auf dem Globus nonstop. Allerdings sorgten die beiden Vierstrahler in der Spätphase ihrer VIP-Karriere vermehrt mit technischen Pannen für Schlagzeilen, weswegen sie schlussendlich den Stab an die drei A350-900 übergeben mussten.

Ehemaliger deutscher Regierungsflieger A340-300 wird zerlegt.
Michael Lagemann (Lufthansa Technik)

Zerlegung in Teruel

Im Frühjahr 2024 erwarb Lufthansa Technik das einstmals von ihr modifizierte und von der Luftwaffe mittlerweile demilitarisierte Luftfahrzeug zurück und überführte die Maschine zur Ersatzteilgewinnung auf den Flugzeugfriedhof Teruel in Zentral-Spanien. Anschließend erfolgte durch das örtliche Partnerunternehmen TARMAC Aerosave ein umfassendes Recycling des Großraum-Verkehrsflugzeuges.

Angesichts der luftfahrthistorischen Bedeutung der einstigen "Merkel One" übergibt Lufthansa Technik nach eigenen Angaben die vordere obere Hälfte des Flugzeugrumpfes mitsamt der darin erhaltenen Regierungskabine und dem Cockpit als Leihgabe an das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Gatow. Dabei handle es sich "um ein Bauteil von etwa 30 Metern Länge, knapp sechs Metern Breite und rund 3,5 Metern Höhe bei einem Gewicht von etwa 25 Tonnen."

Eine Kaufoption habe man ebenfalls vereinbart, so Lufthansa Technik weiter.

Ehemaliger deutscher Regierungsflieger A340-300 wird zerlegt.
Michael Lagemann (Lufthansa Technik)

A340-Segment ist schon unterwegs

Das A340-Segment soll Teil der inhaltlichen Neukonzeption des Berliner Museums werden. "Im Rahmen der zukünftigen Dauerausstellung soll es als greifbares Stück deutscher Außen- und Sicherheitspolitik präsentiert werden und Luftstreitkräfte als politisches Instrument im Epochenvergleich erklären", heißt es dazu aus Hamburg.

Vor einigen Tagen hat das große Flugzeugteil seine Reise in das fast 2500 Kilometer entfernte Berlin angetreten. Zunächst auf dem Seeweg nach Hamburg, wird der Koloss dann über Binnenwasserstraßen und auf dem Landweg in das Militärhistorische Museum der Bundeswehr befördert. Ende Oktober oder Anfang November soll es laut bisheriger Planung sein Ziel erreichen.