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Bomber-Sammlung

Historische Flugzeuge im russischen Engels

Auf dem Fliegerhorst Engels bei Saratow haben die russischen Streitkräfte eine einmalige Sammlung militärischer Flugzeuge zusammengetragen.

Eine besser bewachte Luftfahrtsammlung dürfte wohl schwer zu finden sein: Auf dem russischen Fliegerhorst Engels, rund 900 Kilometer südöstlich von Moskau, sind nicht nur die strategischen Tu-160-„Blackjack“-Bomber des Landes stationiert, sondern auch die dazugehörigen Nuklearwaffen gelagert. Eigentlich schade, denn ebenfalls auf dem Gelände befindet sich kurz vor der kilometerlangen Flightline eine hochinteressante Sammlung ausgedienter Flugzeuge. Das Museum der Fernfliegerkräfte hätte viele Besucher verdient, aber der Zugang ist äußerst schwer und für die breite Öffentlichkeit so gut wie unmöglich.

Besonders beeindruckend ist das Quartett der ungewöhnlichen Tupolew Tu-22 „Blinder“. Bei diesem Typ sind die Triebwerke auf dem Rumpf am Seitenleitwerk montiert. Insgesamt wurden 311 Exemplare gebaut. Mitte der 90er Jahre kam das Aus für den ersten Überschallbomber der Sowjetunion. Insgesamt 92 Exemplare wurden nach Engels geflogen und bis auf die vier Museumsstücke nach und nach verschrottet.

Marschflugkörper und ihre Träger

Die Tu-95K-22 trägt den Flugkörper Kh-22, der eine Reichweite von bis zu 400 Kilometern hatte. Foto und Copyright: Patrick Hoeveler

Neben einer Tu-22UD als Trainer mit aufgesetztem, zweitem Cockpit ist eine Tu-22RDM zu sehen. Der Aufklärer war in Weißrussland stationiert und wurde nach dem Ende der Sowjetunion zurückgegeben. Das „D“ in der Typenbezeichnung steht übrigens für „Dalniy“ (weit, lang) und wurde allen mit einer Luftbetankungssonde am Bug ausgestatteten Maschinen zugewiesen. Die ausgestellte Tu-22PD diente der elektronischen Kriegsführung, und die Tu-22KD war für den Einsatz des Marschflugkörpers Kh-22 vorgesehen. Die mehr als elf Meter lange Waffe konnte auch von der Tupolew Tu-95 „Bear“ mitgeführt werden. Die entsprechende Version Tu-95K-22 samt Kh-22 unter der Tragfläche fehlt auch heute in Engels nicht.

Eine der letzten vier M-4 Bison der Welt

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Der Luftbetankung dienten damals entsprechend umgerüstete „Bison“-Bomber von Mjasischtschew. Von der M-4-Familie existieren heute nur noch wenige Exemplare - je eines in Engels, Monino, Ryazan und Ukrainka sowie die zwei Atlant-Transporter in Shukowski und Ryazan. Die 3MS-2 in Engels wird von einigen Flugkörpern flankiert wie der riesigen, in der Größenklasse einer MiG-19 angesiedelten Kh-20. Sie verfügte über einen nuklearen Sprengkopf und sollte von der Tu-95 eingesetzt werden.

Neben den Bombern sind auch andere Flugzeuge vorhanden. Eine Tupolew Tu-134UBL erinnert an die Ausbildung von Bomber-Besatzungen. Die Tu-134Sh diente der Navigatorausbildung und verfügt sogar über Abwurfstationen für Übungs-bomben. Näheres zur Geschichte der Fernflieger und Garderegimenter findet sich in einer Art Traditionsraum, der zahlreiche Ausrüstungsgegenstände sowie einen Kh-55- und Kh-15-Abstandsflugkörper beherbergt.

Außerdem sind im Freigelände einige weitere Muster zu sehen, die nicht zwingend mit der Geschichte der Fernfliegerkräfte zusammenhängen: Aero L-29 und L-39, Antonow An-2, An-12 und An-24, Iljuschin Il-62, Jakowlew Jak-38 sowie Mikojan MiG-15 UTI. Obwohl alle Flugzeuge im Freien abgestellt sind, ist ihr Zustand relativ gut. Beschädigungen durch Vandalismus sind jedenfalls nicht zu befürchten!

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 01/2013

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