Warum die Fw 190 Deutschlands Top-Jäger war KL-Dokumentation
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Warum die Focke-Wuld Fw 190 Deutschlands Top-Jäger war

Focke-Wulfs großer Wurf Warum die Fw 190 Deutschlands Top-Jäger war

Die Focke-Wulf Fw 190 spielt neben der berühmten Bf 109 in der Öffentlichkeit oft nur eine Nebenrolle. Dabei galt der wendige Jäger und Jagdbomber seit seinem Erscheinen über Frankreich bei den Gegnern bis zum Einsatz der Spitfire IX als bester Jäger des Zweiten Weltkriegs.

Diese Spitzenstellung verteidigte die vielseitige Fw 190 durch immer neue Varianten und Einsatzaufgaben. Die wendige Fw 190 entstand als Entwurf von Oberingenieur Rudolf Blaser unter Chefkonstrukteur Kurt Tank bei Focke-Wulf Flugzeugbau in Bremen. Der gebürtige Schweizer und 1934 eingebürgerte Blaser entwickelte das Flugzeug vom ersten Versuchsmuster bis zur bei Kriegsende erscheinenden Ta 152. In nur zehn Monaten hatte Blaser den auf Anforderung des Reichsluftfahrtministeriums als Ergänzung zur Messerschmitt Bf 109 in Auftrag gegebenen Ganzmetall-Jäger Fw 190 am 1. Juni 1939 mit Cheftestpilot Hans Sander zum Erstflug gebracht.

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Die 190 war im Vergleich zur Messerschmitt Bf 109 weniger anfällig für Beschuss, da ihr Motor luftgekühlt war und nicht von einem einzelnen Treffer außer Gefecht gesetzt werden konnte.

Bis 1942 wurden bereits 102 Exemplare an die Luftwaffe ausgeliefert

Doch der bei der unbewaffneten Fw 190 V1 unter einer voluminösen Verkleidung, der sogenannten Doppelhaube, untergebrachte BMW-139-Doppelsternmotor neigte zur Überhitzung. Deswegen wurde ab PrototypV5 ein 160 Kilogramm schwererer BMW 801 eingebaut, was mit einer größeren Spannweite einherging, um die guten Flugeigenschaften des Tiefdeckers zu erhalten. Während dieser luftgekühlte Motor als besonders robust und beschussfest galt, litt seine Steuerung aufgrund des sogenannten Kommandogeräts für Gemisch, Zündzeitpunkt, Ladedruck, Ladergetriebe und Luftschraubenverstellung am Anfang an Kinderkrankheiten. Dafür verwöhnte die Fw 190 ihre Piloten mit einer komfortablen Einhebelbedienung des Motors. Die Ruder wurden über leichtgängige Stangen statt Seilzügen bedient. Die Sicht war durch eine damals neuartige Vollsichthaube besonders gut. Ein stark modifizierter Bug mit nun wieder konventioneller NACA-Haube ermöglichte die Unterbringung zweier Maschinengewehre vor dem Piloten. Auch die Zellen- und Flügelstruktur wurden geändert. Weitere vier MG befanden sich nun in den Flügeln (Version A-0). Bis Anfang 1942 lieferte Focke-Wulf 102 Flugzeuge der Version A-1 an die Luftwaffe. Darauf folgte die Großserienversion A-2 mit erhöhter Spannweite und dem verbesserten BMW 801 C-1, später C-2 und schließlich dem 801 D. Die Fw 190 der Version A-3 erhielt einen um 15,2 Zentimeter vorverlegten Motor und Waffenstationen, auch 300-Liter-Zusatztanks fanden unter den Flügeln Platz. Der Jäger wurde auch bei Fieseler, AGO und Arado produziert. Mit immer stärkeren Motoren und Bewaffnungen wurde er auch als Aufklärer und sogar als Torpedobomber eingesetzt.

Bei Kriegsende gab es Erprobungsprogramme mit dem Jumo 213 und dem Daimler-Benz DB 603. Mit über 20000 gebauten Exemplaren zählt die Fw 190 zu den meistproduzierten deutschen Jägern des Zweiten Weltkriegs. Als Exportkunde erhielt Ende 1942 die Türkei 72 Exemplare der Version A-3.

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Als Jäger und Jagdbomber war die Fw 190 eines der besten Flugzeuge ihrer Zeit. Rund 21 450 Exemplare wurden gebaut.

Alleskönner "Dora"

Als absolute Spitzen-190 wurde die letzte Version bezeichnet. Die als Dora bekannt gewordene Version D-9 konnte es mit jedem gegnerischen Muster aufnehmen und legte auch den Grundstein für die Konstruktion der Ta 152. Der Grund für die Entwicklung der D-9 war die in großen Höhen unzureichende Leistung der BMW-Sternmotoren der Fw-190-A-Serien. Da der favorisierte DB 603 noch nicht verfügbar war, fiel die Wahl auf den Junkers Jumo 213 A. Anfängliche Skepsis, der Jumo basiere auf einem Bombermotor und könne im Jägereinsatz nicht ideal sein, zerstreuten schon die ersten guten Erfahrungen mit dieser Antriebsvariante bei den Prototypen. Der geistige Vater des Motors, Dr.-Ing. August Lichte, lieferte mit seinem Team ein Spitzenprodukt ab. Laut dem Flughandbuch der Fw 190 D-9 bot der Jumo 213 A gute 1750 PS Startleistung in Meereshöhe. Bei Einsatz der optionalen Methanol-Wasser-Einspritzung MW-50 mobilisierte der Motor kurzzeitig sogar rund 2100 PS. Dank seines einstufigen Zweigangladers konnte der Pilot auch noch in großen Höhen hohe Leistungen abrufen. Dabei regelte das von Junkers entwickelte Motorbediengerät (MBG) automatisch Gemischbildung, Drehzahl und Laderschaltung. Auch die Verstellhydraulik des Dreiblatt-Holzpropellers VS 111 wurde von dem MBG automatisch gesteuert. Alles in allem musste sich keine Version der Focke-Wulf hinter der 109 verstecken, doch bis heute steht der bullige Jäger in deren Schatten.

Technische Daten

Focke-Wulf Fw 190 A-8

Allgemeine Angaben:
Besatzung: 1
Motor: BMW 801 D-2
Startleistung: 1700 PS (1270 kW)

Abmessungen:
Länge: 9,00 m
Spannweite: 10,51 m
Höhe: 3,95 m
Flügelfläche: 18,3 m²

Massen:
Leermasse: 3170 kg
Startmasse: 4900 kg

Flugleistungen:
Höchstgeschwindigkeit: 607 km/h in 6000 m Höhe bei höchstzulässiger Dauerleistung, 628 km/h in 5750 m Höhe bei Steig- und Kampfleistung, 655 km/h in 6250 m Höhe bei Start- u. Notleistung
Gipfelhöhe: 10 350 m
Reichweite: 805 km

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