Patrick Zwerger
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Himmelsräuber Douglas A-1 Skyraider

Douglas A-1 Skyraider Himmelsräuber mit Kultfaktor

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Als letztes trägertaugliches US-Großserienflugzeug mit Kolbenmotor genießt die Douglas Skyraider heute Kultstatus. Anders als ihre schlankeren Schwestern aus dem Zweiten Weltkrieg wurde sie jahrzehntelang als echter Warbird eingesetzt. Manche fliegen noch heute.

Der Sturzkampfbomber und Erdkämpfer Douglas AD Skyraider war das stärkste in Großserie gebaute einmotorige Trägerflugzeug der US Navy. Der aus der Boeing B-29 bekannte, mächtige 18-Zylinder-Sternmotor Wright R-3350-26B als Antrieb verhalf dem voluminösen Einsitzer zu enormer Waffenzuladung und Ausdauer.

Damit war die noch auf eine Ausschreibung aus dem Zweiten Weltkrieg zurückgehende Skyraider der Gipfel des Trägerflugzeugbaus mit Sternmotoren. Mit 3.180 gebauten Flugzeugen bis 1957 und bei erfolgreichen Einsätzen im Korea-, Algerien- und Vietnamkrieg bewies der zunächst einsitzige Tiefdecker seine erstaunlichen Fähigkeiten und seine Vielseitigkeit. Es gab acht Versionen und 37 Unterbauarten, darunter sogar ein Träger-Atombomber AD-4B.

Eine besondere Nacht

In nur einer Nacht hatten Douglas-Chefingenieur Ed Heinemann, Chefkonstrukteur Leo Devlin und Chefaerodynamiker Gene Root Anfang 1944 die Skyraider als Sturzkampfbomber konzipiert, nachdem sie mit der älteren Douglas BTD-1 gegen härteste Konkurrenz bei einem Navy-Großauftrag zu scheitern drohten. Die erste XBT2D-1 (Seriennummer 1913, Navy BuNo 09085) startete am 18. März 1945 mit LaVerne Brown am Steuer. Nach nur fünf Wochen konnte die Flugerprobung, ohne größere Schwächen aufzudecken, abgeschlossen werden. Im November 1946 flog das erste Serienflugzeug.

Patrick Zwerger
Flugfähige Skyraider trifft man auch in Europa. Dieses Exemplar aus Frankreich begeisterte 2016 auf der Hahnweide.

Feuertaufe in Korea

Ihre Feuertaufe erlebte die Skyraider im Koreakrieg als zweisitzige und gestreckte AD-5. Hauptsächlich diente sie als Erdkämpfer, konnte aber nach schneller Umrüstung auch vier liegende Verwundete im Rumpf, vier sitzende Reisende oder zwölf Soldaten auf Stoffbänken befördern. Bis zu 6,7 Tonnen Waffenlast passten unter die Flügel. Damit stellte die Skyraider 1953 in Dallas sogar einen Weltrekord auf.

Trotz oder gerade wegen ihrer geringen Reisegeschwindigkeit bildete die sehr wendige und kraftvolle Skyraider eine gute Ergänzung zu den frühen Düsenjägern mit ihrer oft nur kurzen Reichweite und Flugdauer. Auch bot die Skyraider viel Platz für klobige und schwere Ausrüstung, wie Radar-, Stör- und Aufklärungsgeräte.

Einsatz in Vietnam

Im Vietnamkrieg nahm die Skyraider mit den Spitznamen "Sandy" oder "Spad" (nach dem französischen Jagdflugzeug aus dem Ersten Weltkrieg) auch an zahlreichen Rettungseinsätzen für abgeschossene Piloten teil. Dabei hielten Skyraider den einschwebenden Rettungshubschraubern über der Absturzstelle den Rücken frei und bekämpften Angreifer am Boden. Zu den auswärtigen Betreibern der Skyraider gehörten Großbritannien (Skyraider AEW), Frankreich, Kambodscha, Südvietnam, Schweden (als Zielschlepper), Gabun, Tschad und die Zentralafrikanische Republik.

Die Skyraider auf der Hahnweide

Weltweit existieren heute noch rund 20 flugfähige Exemplare der A-1 in diversen Varianten. Hierzulande sieht man die Silhouette des wuchtigen Flugzeugs jedoch selten. Eine Skyraider aus Frankreich avancierte im September 2016 zum Star beim Oldtimer-Flugtag auf der Hahnweide in Kirchheim/Teck. Dabei handelte es sich um die Maschine der Jean-Baptiste Salis Association aus La Ferte-Alais in Frankreich mit dem zivilen Kennzeichen F-AZDP.

Diese Skyraider, eine AD-4N, besitzt eine bewegte jüngere Vergangenheit. 2011 kollidierte sie während der Flying Legends Airshow über Duxford in der Luft mit der P-51D Mustang "Big Beautiful Doll" (D-FBBD) aus Deutschland. Der Mustang-Pilot war gezwungen, sein Flugzeug aufzugeben und rettete sich mit dem Fallschirm. Die Skyraider konnte, schwer beschädigt aber sicher, in Duxford landen. Der Unfall ereignete sich, nachdem der Skyraider-Pilot die Mustang als Führungsflugzeug einer Formation aus den Augen verloren hatte und in einer gemeinsam eingeleiteten Linkskurve die Flugbahn der P-51D kreuzte. Nach dem Unfall wurde die Skyraider jedoch wieder aufgebaut – und zeigte sich 2016 auf der Hahnweide in voller Pracht.

Technische Daten

Douglas Skyraider

Einsatzgebiet: trägergestützter Sturzkampfbomber und U-Boot-Jäger
Besatzung: ein Pilot (spätere Versionen oft mit zusätzlichen Besatzungsmitgliedern, z. B. Radarbeobachtern und Elektronikoffizieren)
Antrieb: ein luftgekühlter 18-Zylinder-Sternmotor Wright R-3350-26B Cyclone mit 2088 kW/2840 PS
Länge: 12,22 m
Höhe: 4,83 m
Spannweite: 15,47 m
Leermasse: 5581 kg
max. Startmasse: 11 340 kg
Höchstgeschwindigkeit: 501 km/h in 5485 m Höhe
Reisegeschwindigkeit: 322 km/h
Steigrate: 11,6 m/s
Dienstgipfelhöhe: 7925 m
Reichweite: 1935 km mit Torpedo
Bewaffnung: MG-Behälter, Bomben und ungelenkte Raketen unter den Flügeln
(Angaben für die Version AD-5

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