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Lebendige Schatzkiste

Mid Atlantic Air Museum

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In den USA gibt es einige kleine und sehr sehenswerte Luftfahrtmuseen, die einen Abstecher wert sind. In Reading, Pennsylvania, rund 150 Kilometer westlich von New York City, haben wir ein solches Schatzkästchen entdeckt.

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Reading im US-Bundesstaat Pennsylvania kommt einem nicht in den Sinn, wenn man bedeutende Stätten der Luftfahrtgeschichte sucht. Der rund 90 000 Einwohner zählende Ort verfügt zwar über einen Flugplatz, aber dort starten schon lange keine Linienflüge mehr. Dafür beherbergt der Airport, der nach dem ersten Stabschef der US Air Force, Carl A. Spaatz, benannt wurde, ein Luftfahrtmuseum mit einer Reihe einmaliger Ausstellungsstücke. Das Mid Atlantic Air Museum wurde Mitte der achtziger Jahre gegründet und wird von einer privaten Stiftung getragen. Es versteht sich als lebendiges Museum, das Flugzeuge nicht nur im Hangar oder auf dem Vorfeld, sondern auch in der Luft zeigen will. Dem Museum sind deshalb mehrere fliegende Luftfahrtveteranen angegliedert, in denen man an bestimmten Tagen gegen Voranmeldung und Bezahlung mitfliegen kann. Eine North American T-6 Texan oder der unverwüstliche Trainings-Doppeldecker Boeing Stearman gehören dazu. Zu den fliegenden Schätzen des Mid Atlantic Air Museum zählt auch eine B-25J Mitchell. Allerdings sind gerade die flugfähigen Veteranen im Sommer nicht immer in Reading, sondern besuchen Airshows.

Noch nicht in der Luft, sondern nur in der Restaurierungswerkstatt können Besucher das absolute Highlight der Museumssammlung bewundern: eine Northrop P-61B Black Widow. Sie wurde Ende der achtziger Jahre auf private Initiative hin in Indonesien geborgen. Seit 1991 wird sie in Reading in einen flugfähigen Zustand gebracht. Der Fortschritt bei dem Wiederaufbau des zweimotorigen Nachtjägers ist langsam, denn er ist abhängig vom jeweiligen Spendenaufkommen und der Verfügbarkeit von einer gewissen Zahl an qualifizierten ehrenamtlichen Helfern. Dennoch erkennt man bei den bereits fertiggestellten Teilen, welches Flugzeug dort entsteht.

Im Museumshangar geht es recht eng zu, die Flugzeuge sind dort dicht an dicht geparkt. Eine Rutan VariEze hängt sogar kopfüber an der Wand. Die flugfähigen Maschinen parken natürlich in der Nähe der beiden großen weißen Hangartore, damit sie bei Bedarf leicht herauszuziehen sind.

Im Hangar sind auch viele kleine Exponate wie der MG-Turm einer B-29 oder verschiedene Bomben ausgestellt. Die Museumssammlung umfasst insgesamt über 50 Fluggeräte, darunter viele klassische Einmots wie Piper L-21 Super Cub, PA-22 TriPacer, Auster Autocrat, ERCO Ercoupe, Cessna 150, Piper PA-38 Tomahawk oder eine Fairchild 24-A. Einige dieser Flugzeuge sind – selbst wenn sie nicht mehr fliegen dürfen – in einem bemerkenswert guten Zustand.

Mit der Custer Channel Wing CCW-5 besitzt das Mid Atlantic Air Museum ein weiteres Unikat. Das Flugzeug mit den unkonventionell geformten Tragflächen wurde 1964 in einer Kleinserie gefertigt und sollte dank einer sehr kurzen Startstrecke vor allem als Buschflugzeug zum Einsatz kommen. Jedoch war dem Muster kein Erfolg beschieden, und von dem Typ überlebte nur das Exemplar in Reading.

Auf dem asphaltierten Vorfeld vor dem Museumshangar stehen die großen Exponate. Das allererste Flugzeug des Museums, eine R4D-6 der US Navy (eine navalisierte DC-3) ist noch in einem sehenswerten Zustand. Ebenso eine Lockheed P-2 Neptune und eine Sikorsky HH-52 Seaguard in den Farben der US Coast Guard. Aber bei den anderen Fluggeräten im Static Display hat der Zahn der Zeit merklich genagt.  Ein Kolbenmotor-Verkehrsflugzeug vom Typ Martin 4-0-4 sowie eine Fairchild C-119 Boxcar benötigen in naher Zukunft die Aufmerksamkeit der Restauratoren. In geradezu erbarmungswürdigem Zustand fristen die Piasecki H-21B Shawnee und eine der ersten Republic P-84B Thunderjet ihr Dasein. Wenn die P-61 Black Widow sich eines Tages in die Luft erhebt, wartet auf die Restauratoren des Mid Atlantic Air Museum auf jeden Fall noch jede Menge weitere Arbeit.

Einmal im Jahr, Anfang Juni, veranstaltet das Museum ein „WWII-Weekend“ genanntes Fly-in, zu dem viele Warbirds und historische Militärfahrzeuge kommen. Dann verwandelt sich der Platz in einen Feldflugplatz aus lange vergangener Zeit. 

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 05/2014

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