Der erste Stealth-Fighter: Unsichtbar ins Gefecht Lockheed
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Unsichtbar ins Gefecht: Die Lockheed F-117A Nighthawk

Lockheed F-117A Nighthawk Der erste Stealth-Fighter: Unsichtbar ins Gefecht

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Die F-117A Nighthawk war Anfang der 1980er Jahre das erste in Serie gebaute Stealth-Flugzeug der Geschichte – und eine der außergewöhnlichsten Konstruktionen aller Zeiten. Obwohl offiziell im Ruhestand, fliegen einige der Stealth-Jets noch immer. Und immer öfter.

In den 1970er Jahren steckten die US-Militärs erstmals namhafte Summen in die Entwicklung von Jagdbombern, die unbemerkt vom Gegner in dessen Luftraum eindringen konnten. Der in Vietnam notwendige, enorm aufwendige Schutz durch Störflugzeuge und "Wild Weasel" zur Unterdrückung der Luftabwehr sollte damit entfallen. Im Auftrag der militärischen Forschungsbehörde DARPA machten sich Lockheed und Northrop 1975 an die Konzeption von Flugzeugen mit extrem geringer Radarrückstrahlfläche – ein tausendstel oder weniger gegenüber konventionellen Fightern war notwendig.

Nach dem Test von Modellen auf einem Mast in Holloman AFB, New Mexico, wurden die "Skunk Works" von Lockheed als Sieger des XST-Wettbewerbs (Experimental Survivable Testbed) ausgewählt. In aller Eile entstanden in Burbank unter dem Codenamen "Have Blue" zwei kleine Versuchsmuster. "Die Stealth-Anforderungen diktierten alles", erinnerte sich später Ben Rich, damals Chef der Skunk Works. So entstand ein Flugzeug, wie es noch keines zuvor gegeben hatte. Die äußere Form setzte sich ohne Ausnahme aus in alle Richtungen geneigten ebenen Flächen zusammen. So wurde sichergestellt, dass einfallende Radarstrahlen nicht zum Sender zurückgeworfen werden. Die damaligen Computer ließen den Ingenieuren keine große Wahl, denn nur durch die facettenartige Form hatte man überhaupt eine Chance, die Radarrückstrahlfläche in akzeptablen Zeiten zu kalkulieren.

Silver Stealth Celebration
USAF
Auf die konventionelle Zellenstruktur wurden aufwendig radarabsorbierende Beschichtungen aufgetragen.

Die ersten Testflüge

Am 1. Dezember 1977 startete Lockheeds Cheftestpilot Bill Park zum Erstflug mit Have Blue Nr. 1001. Ort des Geschehens war Groom Lake, eine Basis innerhalb der geheimnisumwitterten Area 51 in Nevada. Die Tests mit beiden Flugzeugen zeigten eindeutig das Potenzial der Stealth-Technologie, so dass es keine Frage war, eine Serienversion in Auftrag zu geben.

Auch bei der F-117A zeigten die Skunk Works ihre Qualitäten. Nur 31 Monate nach der Auftragserteilung im November 1978 hob das erste von fünf Versuchsmustern am 18. Juni 1981 mit Hal Farley im Cockpit ab. Einige Modifikationen, zum Beispiel am V-Leitwerk, waren nötig, bevor die F-117A 1982 in Serie ging. 59 Maschinen wurden bis Juli 1990 an die US Air Force übergeben. Die versteckte ihre neueste Errungenschaft jahrelang auf der Basis Tonopah und dementierte trotz aufkommender Spekulationen, dass es ein solches Stealth-Flugzeug überhaupt gab.

USAF
Auch die Wärmeabstrahlung der F-117A wurde minimiert – mit breiten, flachen Schubdüsen, damit sich der Strahl schneller mit der Umgebungsluft vermischt.

Fast immer unsichtbar

Den ersten – angesichts fehlender Luftabwehr eigentlich nicht notwendigen – Einsatz absolvierte die F-117A im Dezember 1989 über Panama. Ihren großen Auftritt hatte die Nighthawk dann im Golfkrieg 1991. Ein Großteil der Flotte war vor Ort und führte die ersten Schläge gegen die am besten verteidigten Ziele in Bagdad. Filme der Infrarot-Zielkameras, die den präzisen Einschlag von Bomben in Hochhäusern zeigten, gingen auf CNN um die Welt. Etwa 1300 Einsätze mit 1600 Zieltreffern standen bis Ende der Kämpfe schließlich zu Buche, ohne dass eine F-117A verloren ging.

Den einzigen Abschuss einer Nighthawk gab es Jahre später bei den NATO-Luftschlägen über Ex-Jugoslawien. Die genauen Umstände sind bis heute geheim, doch ließ die USAF durchblicken, dass man wohl zu oft die gleiche Route benutzt hatte und die Luftabwehrstellungen somit vorgewarnt waren.

USAF
Nur eine Nighthawk wurde abgeschossen, bei den NATO-Luftschlägen über Ex-Jugoslawien musste sie dran glauben.

Der ewige "Untote"

Mit der 2006 abrupt angekündigten Außerdienststellung des schon legendären Präzisionsbombers wollte die US Air Force nach eigenem Bekunden eine Milliarde Dollar sparen, zumal mit der F-22 Raptor ein neuer leistungsstarker Stealth-Fighter im Dienst stand. Verschrottet wurden die rund 50 noch vorhandenen F-117 aber nicht, vielmehr wurden sie in Tonopah eingelagert. Seither wurden einige Maschinen immer wieder geflogen, sogar in Nahost. Seit Anfang 2021 dürfen die F-117 wieder offiziell in der Luft betankt werden. In letzter Zeit kommen die Nighthawks vermehrt bei Übungen der USAF als Aggressoren zum Zug. Dort simulieren sie gegnerischen Stealth-Kampfflugzeuge. Ganz offiziell tauchten zum Beispiel im September 2021 zwei F-117 am Fresno Yosemite International Airport auf, um mit F-15C/D des 144th Fighter Wing zu trainieren.

US Air Force
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Technische Daten Lockheed Martin F-117A Nighthawk

Allgemeine Angaben:
Besatzung: 1
Antrieb: 2 x General Electric F404-GE-F1D1
Schub: 2 x 48 kN

Abmessungen:
Länge: 20,08 m
Höhe: 3,78 m
Spannweite: 13,20 m
Flügelfläche: ca. 85 m2

Massen:
Leermasse: ca. 13 400 kg
Waffenlast: 2270 kg
Kraftstoff: 10 600 l
max. Startmasse: 23 815 kg

Flugleistungen:
max. Fluggeschwindigkeit: ca. 1040 km/h oder Mach 0.9
Marschgeschwindigkeit: 670 – 910 km/h
Dienstgipfelhöhe: 13 715 m
Startstrecke: 1890 m
Landestrecke: ca. 2250 m
max. Einsatzradius: ca. 1050 km mit voller Waffenzuladung

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