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Rockwell Space Shuttle: Ein Flugzeug fürs All

Rockwell Space Shuttle Ein Flugzeug fürs All

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Das Space Shuttle brachte das Hubble-Weltraumteleskop in den Weltraum und spielte beim Aufbau der Internationalen Raumstation ISS eine wichtige Rolle. Doch am Ende zahlte sich seine Wiederverwendbarkeit nicht aus – im Gegenteil.

Die Geschichte des Space Shuttle begann im Oktober 1968, noch vor der ersten bemannten Mondlandung, mit Entwürfen der NASA für ein wiederverwendbares Raumfahrzeug. Das große Ziel: Aufbau und Betrieb einer Raumstation, aber auch günstige Satellitenstarts. 1969 gab die US-Raumfahrtbehörde eine entsprechende Studie in Auftrag. Lockheed, Grumman, McDonnell Douglas, North American Rockwell (das Unternehmen ging 1973 in Rockwell International auf) reichten ihre Konzepte ein. Vorläufer waren verschiedene Auftriebskörper wie die X-20 Dyna-Soar, deren Entwicklung Mitte der 1950er Jahre begann und die von 1963 bis 1975 im Flug getestet worden waren.

Wegen der ungünstigen politischen Stimmung und anderer NASA-Projekte, die um das knappe Budget konkurrierten, kam das Vorhaben allerdings jahrelang nicht von der Stelle. Erst das Interesse der US Air Force, die sich für den Transport großer Spionagesatelliten auch ein wiederverwendbares Raumfahrzeug wünschte, brachte ab 1971 Bewegung in das Projekt. Im Januar 1972 erhielt die NASA grünes Licht von Präsident Nixon, und am 26. Juli wurde der Auftrag über Entwicklung und Bau des Space Shuttle vergeben.

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Der Orbiter-Prototyp Enterprise war nie im Weltall, durchlief aber 1977 intensive Boden- und Flugtests. In die Luft gebracht wurde er von einer modifizierten Boeing 747-100.

Vom Baubeginn zum ersten Freiflug in drei Jahren

Zum Zuge kam ein dreiteiliges Konzept, das Space Transportation System (STS). Es bestand aus einem Raumflugzeug (Orbiter Vehicle, OV, das eigentliche Space Shuttle), zwei Feststoffraketen (Solid Rocket Booster, SRB) und einem riesigen externen Treibstofftank (External Tank, ET). Rockwell wurde als Hauptauftragnehmer für Entwurf, Entwicklung, Tests und Evaluierung des Orbiters ausgewählt. Den Auftrag für die Feststoffbooster erhielt Morton Thiokol, der Außentank wurde von Martin Marietta gebaut. Der externe Tank war die einzige nichtwiederverwendbare Komponente, er verglühte nach der Trennung vom Orbiter in der Atmosphäre.

Rockwell begann am 4. Juni 1974 mit dem Bau des ersten Orbiters OV-101 namens Enterprise. Der flug-, aber nicht raumflugfähige Prototyp wurde für eine Reihe von Boden- und Flugtests genutzt, nicht zuletzt, um die Gleit- und Landeeigenschaften sowie die automatischen Flugkontroll- und Navigationssysteme des 100-Tonnen-Kolosses zu untersuchen.

Gut drei Jahre nach Baubeginn, am 12. August 1977, absolvierte die Enterprise den ersten von fünf Freiflügen. Bei dieser Premiere waren die NASA-Astronauten Fred Haise und Gordon Fullerton an Bord. Eine modifizierte Boeing 747-100 brachte die Raumfähre für die Freiflugtests huckepack auf eine Höhe von 5800 bis 7500 Meter und klinkte sie dann im Sinkflug aus. Die Landungen erfolgten auf der Edwards Air Force Base (AFB) in Kalifornien.

Die erste Testmission

Ende März 1979 lieferte Rockwell das erste raumflugfähige Space Shuttle Columbia (OV-102) an die NASA aus – allerdings noch unfertig. Es fehlten mehrere tausend Hitzeschutzkacheln, die Haupt- und Manövriertriebwerke fürs All sowie zahlreiche Sensoren. Es dauerte noch mehr als ein Jahr, bis die Columbia am 12. April 1981 vom Launch Complex 39A des Kennedy Space Centers zum Erstflug in den Weltraum startete. Der fand gleich mit Besatzung statt, ein Novum in der US-Raumfahrt. Der erfahrene Astronaut John Young (unter anderem Apollo 16) und der Neuling Robert Crippen waren die Auserwählten. Die dreitägige Testmission war ein voller Erfolg, und am 14. April gelang Young und Crippen der Wiedereintritt in die Atmosphäre, der antriebslose Anflug und die Landung auf der Edwards AFB wie geplant.

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Den Erstflug absolvierte die Columbia 1981. Der Außentank war damals noch weiß lackiert.

Tödliche Unglücke

Bis 1985 wuchs die Shuttle-Flotte um die Orbiter Challenger (OV-099), Discovery (OV-103) und Atlantis (OV-104). Der Abstand zwischen den Flügen wurde immer kürzer, teilweise starteten zwei Shuttles pro Monat. Am 28. Januar 1986 kam es jedoch zu einer Katastrophe, die das Programm nach 25 erfolgreichen Missionen erschütterte. 73 Sekunden nach dem Start zerbrach die Challenger, weil ein Dichtungsring des rechten Feststoffboosters versagte. Alle sieben Crewmitglieder kamen ums Leben. Die Shuttles blieben daraufhin mehr als zwei Jahre am Boden. Als Ersatz für die Challenger wurde die Endeavour (OV-105) gebaut, sie flog zum ersten Mal im Mai 1992.

Das Challenger-Unglück sollte nicht das einzige tödliche bleiben. Am 1. Februar 2003 zerbrach die Columbia beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre, 16 Minuten vor der geplanten Landung. Wieder starben sieben Astronauten. Heiße Gase waren in die linke Tragfläche eingedrungen, die schon beim Start am 16. Januar beschädigt worden war. Die NASA nahm den Flugbetrieb erst drei Jahre später wieder auf. Doch das Ende war besiegelt: Die US-Regierung beschloss, dass die verbliebenen Shuttles Ende September 2010 außer Dienst gestellt werden sollten. Wegen Verzögerungen bei der NASA erfolgte die Ausmusterung einige Monate später.

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Ein weiterer Zuwachs für die Shuttle-Flotte war die Discovery (OV-103).

Das Ende der Shuttle-Ära

Die Endeavour sollte am 1. Juni 2011 die Shuttle-Ära beenden, doch nachträglich wurde noch ein Frachtflug zur ISS, STS-135, genehmigt. Die Atlantis startete am 8. Juli 2011 zur Raumstation und landete am 21. Juli zum letzten Mal auf der knapp 4600 Meter langen, eigens für die Shuttles gebauten Piste des Kennedy Space Centers in Florida.

Die erhofften Kosten von etwa 15 Millionen US-Dollar pro Start konnte die NASA mit den Space Shuttles nie erreichen. Stattdessen schlug ein Shuttle-Start nach eigenen Angaben mit rund 450 Millionen Dollar zu Buche, unter anderem wegen der aufwendigen Überprüfung und Wiederaufbereitung der Hitzeschutzkacheln und der komplexen Haupttriebwerke. Insgesamt soll das Programm mehr als 200 Milliarden Dollar verschlungen haben.

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Mit der Endeavour sollte die Shuttle-Ära 2011 enden.
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