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Rimowa baut Junkers F 13

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Das erste Ganzmetall-Verkehrsflugzeug der Welt wird wieder gebaut. Nach modernsten Fertigungsstandards baut die neu gegründete Rimowa Flugzeugwerke AG in Dübendorf die legendäre Junkers-Einmot ab sofort wieder flugfähig in Serie.

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Rimowa baut Junkers F 13

Für diese Nachricht hatte sich Dieter Morszeck, Chef des Gepäckherstellers Rimowa und alleiniger Sponsor des Projekts F 13, die passende Bühne gesucht: Auf der EAA-Convention in Oshkosh, Wisconsin, dem weltberühmten Amateurflugzeugbauer-Treffen in den USA und der größten Luftfahrtveranstaltung des Landes, gab der Kölner Unternehmer, schon  im Angesicht der ersten neu gebauten, flugfähigen F 13, sein jüngstes Vorhaben bekannt: „Der Wiederaufbau der ‚Urmutter‘ aller Verkehrsflugzeuge war schon lange mein Traum, und ich bin sehr froh, dass er endlich Wirklichkeit wird“, sagte Morszeck in Oshkosh. „Da mich dieses Flugzeug außerordentlich begeistert und ich eine Nachfrage am Markt sehe, haben wir bereits zum Roll-out die Rimowa Flugzeugwerke AG in der Schweiz gegründet. Hier werden wir die F 13 in Serie bauen.“ Die Junkers F 13 ist nicht „irgendein“ Oldtimer. Vielmehr war sie als robustes, erstes Ganzmetall-Verkehrsflugzeug der Welt ein Wegbereiter des Flugzeugbaus und der modernen Passagierluftfahrt.  Stolze 330 Stück wurden seinerzeit gebaut und in alle Welt exportiert. Die F 13 flog in China und Russland, in Finnland und Südamerika und in den USA, wo sie als „Junkers-Larsen“ für den US-Markt mit Sternmotor endmontiert wurde. Genau diese, noch heute neu verfügbare, aber gegenüber den typischeren Reihenmotoren wesentlich weniger bekannte Original-Antriebsvariante hat Rimowa nun ausgewählt, um den F 13-Nachbau anzutreiben.

 Das neue Flugzeug wird nach Schweizer BAZL- und europäischen EASA-Regeln gebaut und zugelassen und ist auf den Flugbetrieb nach Sichtflugregeln bei Tag ausgelegt, sofern keine Vereisungsbedingungen herrschen. Damit entstehen, fast 100 Jahre nach dem Erstflug 1919, wieder flugfähige F 13. Dagegen lässt sich keines der heute noch fünf erhaltenen Originalflugzeuge noch einmal flugfähig restaurieren. Eine wesentliche Rolle beim Neubau spielt die renommierte Schwarzwälder Firma Kaelin Aero Technologies GmbH aus Oberndorf am Neckar. Ihr 28 Jahre junger Gründer und Eigentümer, Dominik Kälin, lernte das Flugzeugbauer-Handwerk bei Pilatus in der Schweiz. Seine unabhängige Firma mit neun Mitarbeitern ist auf weltweite Reparaturen von Flugzeugen spezialisiert. Der Neubau von Komponenten nach Luftfahrtstandards gehört dabei zum täglichen Brot. Auch für die Schweizer „Super Connie“ fertigte Kälins Unternehmen bereits anspruchsvolle Strukturteile. Die neue Junkers F 13 entstand aus 2600 Bauteilen, die mit 35 000 Nieten zusammengehalten werden. Sie verbinden auch die charakteristischen Wellblech-Aluminiumplatten mit dem Rohrgerüst des Rumpfes. Die Endmontage findet am Schweizer Flugplatz Dübendorf statt, direkt neben den Experten der Ju-Air, welche die Schweizer Ju 52 betreiben.

Um die kompletten Konstruktionspläne für die F 13 zu gewinnen, recherchierte Rimowa aufwendig in Archiven in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und der Schweiz. Entscheidend war aber die vom Pariser Luftfahrtmuseum in Le Bourget gebotene Möglichkeit, ein dortiges F-13-Ka-Originalflugzeug ausführlich per Laser zu vermessen, um die Daten in moderne Konstruktionssoftware zu übertragen. Besonderheit der Pariser F 13: Das Flugzeug war nie in der Luft, und der Flügel weist noch heute die unveränderten Werksmaße auf. Völlig neu dagegen ist nun das Spornrad statt des einst serienmäßigen Hecksporns. Es wurde nötig, weil die F 13 heute vorwiegend von festen Startbahnen aus eingesetzt wird, nicht mehr von Flugfeldern aus Gras, wie einst üblich. Die Maße für die Konstruktion des gebremsten Hauptfahrwerks wurden dagegen von einer in Schweden erhalten gebliebenen Junkers W 34 abgenommen. Junkers verwendete typenübergreifend Baugruppen mit eng verwandten Details und Maßen. Deswegen passt das W-34-Fahrwerk auch an die F 13. Die heutigen, kleineren Räder stammen von einer North American T-6 mit einem Redline-Bremssystem.

Der Erstflug ist für das Frühjahr 2016 geplant

Die schon weitgehend komplette neue F 13 soll nach ihrer Rückkehr aus den USA im Frühjahr 2016 zum Erstflug starten. Im Idealfall gelingt noch im Sommer 2016 die Zulassung.

Die Serienausführung bietet Platz für vier Passagiere und zwei Piloten oder einen Piloten und einen Mechaniker im Cockpit. Nach nur 200 Metern Startstrecke dürfte der neue Oldie in der Luft sein, denn statt des einstigen BMW IIIa mit 185 PS oder Jumo L5 mit 310 PS arbeitet heute der kräftigere Pratt & Whitney R-985 Mini Wasp mit 450 PS unter der Haube. Die Landestrecke dürfte unter 150 Metern liegen. Die F 13 kann sich noch bei nur 65 km/h in der Luft halten. Die Reichweite wurde mit 563 Kilometern errechnet, die Reisegeschwindigkeit wird mit 176 km/h angegeben.

In Oshkosh wurde nicht nur die Serienfertigung bekannt gegeben, sondern auch bereits der Verkauf eröffnet. Rund 2,2 Millionen Dollar werden für den Neubau fällig. Wie groß die Serie einmal werden könnte, ist noch nicht bekannt. Zwar wurden in Oshkosh noch keine Verträge abgeschlossen, es gab aber bereits mehrere ernsthafte Interessenten, darunter eine traditionsreiche europäische Fluggesellschaft.

Mit der Entscheidung, ein historisches Flugzeugmuster komplett neu aufzulegen und dieses Vorhaben alleine zu finanzieren, hat Rimowa sich für die betriebssichere Variante  entschieden. Wer wollte eine etwaige, hundert Jahre alte Original-F-13 heute noch im Rundflugbetrieb „malträtieren“ und den unersetzlichen Oldie dabei verschleißen? Mit der weitgehend originalgetreuen Neuauflage steht dagegen ein voll einsatzbereites Flugzeugmuster zur Verfügung, dem als Werbeträger im neuen Aluminiumkleid die volle Aufmerksamkeit sicher ist. Wie unter anderem schon bei den jüngsten Me-262-Nachbauten aus den USA erhält die Öffentlichkeit die spektakuläre Gelegenheit, längst vergessen geglaubte Flugzeugmuster noch einmal im Flug erleben zu dürfen. Dieser Ansatz würde sich wahrscheinlich auch für andere Typen lohnen, deren historische Originale zu kostbar und gebrechlich für Flugvorführungen werden.

Technische Daten

Junkers F 13-Nachbau Rimowa

Höhe: 3,50 m
Länge: 9,6 m
Spannweite: 14,85 m
Flügelfläche: 40 m²
Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h Reisegeschwindigkeit: 176 km/h
Landegeschwindigkeit: 87 km/h
Minimalgeschwindigkeit: 65 km/h
maximale Reiseflughöhe: 4000 m
Reichweite: 563 km
Leermasse: 1451 kg
Zuladung: 548 kg
maximale Startmasse: 1999 kg
Benzinverbrauch: 80 l/h
Passagiere: 4
Besatzung: 1 Pilot und 1 Mechaniker oder 2 Piloten

Welterfolg Junkers F 13

Die F 13 war weltweit das erste Ganzmetall-Verkehrfsflugzeug. Foto und Copyright: Junkers

Hugo Junkers hatte seit 1918 von seinem genialen Konstrukteur Otto Reuter einen der späteren F 13 ähnelnden Hochdecker als sicheres und wirtschaftliches Verkehrsflugzeug entwerfen lassen. Die Entwurfsabteilung unter Franz Wilhelm Schmitz entwickelte das Muster zum Tiefdecker J 13 weiter. Die Nummer 13 bezeichnet den 13. Junkers-Entwurf. Der Buchstabe F stand für "Forschungsanstalt".

Am 25. Juni 1919 hob Emil Monz zum sechsminütigen Erstflug ab. Noch am selben Tag startete Monz zu weiteren Flügen und nahm bis zu sechs Personen mit.

Die F 13 konnte fast überall starten, da nur eine kurze Starstrecke nötig war. Foto und Copyright: Rimowa

Das Flugzeug zeichnete sich durch gutmütige Flugeigenschaften und kurze Startstrecken aus. Die endgültige Verkehrszulassung der DVL wurde am 23. Juli 1919 erteilt. Die F 13 wartete mit wegweisenden Details auf: So war sie das erste Flugzeug mit Trimmtank im Heck.

Die F 13 wurde in zahlreichen Versionen und Unterbauarten, auch mit Schwimmern, weltweit exportiert und 330-mal gebaut. End­montagewerke befanden sich auch in Fili bei Moskau und in New York. Die heute wieder neu gebaute Sternmotorvariante der F 13 sollte im Junkers-Typensystem die Bezeichnung F 14 erhalten, diese nur geplante Änderung wurde aber nicht mehr angewendet. Noch Ende der 40er Jahre flogen militärische F 13 in Finnland.

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 07/2015

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