Als eine von zwei europäischen Nationen nutzt Italien neben der konventionellen Lockheed Martin F-35A Lightning II auch die technisch komplexere – und deutlich teurere – STOVL-Ausführung F-35B. Im Normalbetrieb operieren die zu Kurzstarts und senkrechten Landungen fähigen Spezial-F-35 auf den italienischen Trägerschiffen Cavour und Trieste. Auf Straßen, die durch nordischen Wälder führen, waren sie dagegen noch nie unterwegs.
Das änderte sich am vergangenen Dienstag in Finnland bei der Übung "Imminent Field 26" auf der Staatsstraße 2 nördlich des Dorfes Jokioinen. Dort nutzt die finnische Luftwaffe – wie auch an anderen Orten im ganzen Land – einen Straßenabschnitt als Ausweichlandeplatz und lässt ihre Piloten mit Einsatzmustern wie der F/A-18 Hornet oder dem Learjet 35 regelmäßig Touch-and-go-Manöver trainieren.
Erstmals landeten am 19. Mai auch F-35B der italienischen Luftwaffe auf der finnischen Staatsstraße – was nicht nur für die gastgebenden Finnen eine Premiere markierte, sondern auch für die italienischen Piloten: Auf einer Straße waren sie zuvor nämlich mit der F-35B überhaupt noch nie gelandet, weder in der Heimat noch in Finnland noch sonst irgendwo.

F-35B der italienischen Luftwaffe auf der Staatsstraße 2 in Finnland: Das gab es noch nie.
Italien diskutiert Straßeneinsatz mit F-35
Erst vor wenigen Monaten war in Italien die Debatte aufgeflammt, den Einsatz der italienischen F-35 abseits regulärer Basen zu prüfen und ins Leistungsprofil der Luftstreitkräfte aufzunehmen. Italiens Luftwaffenchef, Generalleutnant Silvano Frigerio, hatte das Thema Anfang Februar bei einem Kongress in Rom erstmals aufs Tapet gebracht. "Wir prüfen die Option von F-35-Landungen auf Autobahnen im Falle von Bedrohungen aus der Luft sowie durch Drohnen", so Frigerio damals. Allerdings benannte der Generalleutnant die Idee ausdrücklich als grobe "Hypothese", die man noch nicht im Detail geplant habe.
Die früher als "Baana" bekannte Übung beim NATO-Partner Finnland bot sich als repräsentative Testkulisse offenbar an, ein wenig Praxisluft zu schnuppern.

Die italienischen F-35B schwebten für die Übung vom finnischen Fliegerhorst Pirkkala aus ein.
Die Spezialvariante der F-35
Mit ihren Kurzstart- und Senkrechtlandeeigenschaften scheinen die F-35B im Grunde wie geschaffen für den dezentralen Einsatz von behelfsmäßigen Stützpunkten. Sie beanspruchen dafür deutlich kürzere Straßenabschnitte als konventionell startende und landende Jets, wodurch sie sich im Zweifelsfall noch flexibler einsetzen lassen.
Möglich wird dies durch eine schwenkbare Schubdüse am Heck und das exklusiv für das Muster konzipierte Rolls-Royce-Lift-System – bestehend aus einem zweistufigen Mantelpropeller hinter dem Cockpit, der über eine Getriebewelle mit dem Haupttriebwerk verbunden ist, sowie zwei Ausgleichsdüsen in den Tragflächen.

Ihre STOVL-Eigenschaften erhält die F-35B durch die nach unten schwenkbare Heckdüse und das komplexe Lift System, das von Rolls-Royce entwickelt wurde.
F-35B als Exotin in Europa
Außer den Italienern fliegt in Europa sonst nur Großbritannien die F-35B, alle anderen Lightning II-Nutzer des Kontinents setzen dagegen auf die F-35A.
Im Gegensatz zu ihrer STOVL-Schwester waren F-35A bereits mehrfach für Straßenlandungen in Finnland zu Gast. So schickte Norwegen 2023 eine Abordnung seiner Stealth-Jets zu "Baana 23", während im Jahr darauf die US Air Force mit zwei F-35A partizipierte. In jenem Jahr nahm auch das Taktische Luftwaffengeschwader 71 "Richthofen" der Luftwaffe an der Übung teil. Erstmals überhaupt landeten deutsche Eurofighter damals auf der Landstraße.
2025 waren es dann die Niederländer, die F-35A in den hohen Norden entsandten.





