Privatjet ohne Fenster: Otto Phantom 3500 nimmt die erste Hürde

Privatjet ohne Fenster
Otto Aerospace definiert Design für Phantom 3500

ArtikeldatumVeröffentlicht am 19.05.2026
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Das Grunddesign für den wohl ungewöhnlichsten Bizjet seit Jahrzehnten steht: Otto Aerospace aus Fort Worth in Texas gab in der vergangenen Woche offiziell bekannt, dass die Phantom 3500 die vorläufige Entwurfsprüfung (Preliminary Design Review, PDR) erfolgreich durchlaufen habe. Mit diesem Meilenstein öffnet sich für Otto und den radikalen "Super-Midsize-Jet" die Tür für die Detailkonstruktion – die Konzeptphase ist überwunden. Auch die Planung der Produktion können die Otto-Ingenieure damit in Angriff nehmen.

"Die PDR lieferte eine umfassende Bewertung der Konfiguration, Architektur, Leistung und allgemeinen Designreife der Phantom 3500 über alle Systeme und Strukturen hinweg", kommentierte das Unternehmen in einer Pressemitteilung. "Sie ermöglichte es Otto außerdem, das aerodynamische Design und die wichtigsten Schnittstellen des Flugzeugs festzulegen, wodurch die Ingenieur- und Zuliefererteams die notwendigen Vorgaben erhielten, um die nächste Arbeitsphase zu unterstützen."

Die Entwurfsprüfung erfolgte laut Herstellerangaben in Jacksonville, Florida. Dorthin will Otto Aviation zeitnah auch seinen Firmensitz verlegen.

Fensterloser Rumpf

Mit der Phantom 3500 will Otto Aviation den Markt der Geschäftsreiseflugzeuge revolutionieren. Einen ersten Großkunden gibt es bereits: Flexjet hat im September des vergangenen Jahres 300 Phantom-Jets bestellt.

Optisch fällt das Flugzeug vor allem durch den tropfenförmigen Rumpf, die schlanken, gestreckten Tragflächen und die fehlenden Kabinenfenster aus dem Rahmen. Letztere sollen für die Fluggäste im Inneren durch große Flachbildschirme ersetzt werden, die über Kameras ein umfassendes Bild von der Außenwelt ins Flugzeuginnere transportieren.

Den Verzicht auf Fenster erklärte der damalige Otto-Vizepräsident und jetzige Otto-Chef Scott Drennan im Juni 2025 auf der Paris Air Show damit, dass "Löcher" im Rumpf immer strukturelle Schwachstellen bedeuteten – und dass ein Rumpf ohne Gucklöcher schlichtweg günstiger zu produzieren sei.

Außerdem setzt Otto Aerospace bei der Phantom 3500 im Flug auf eine laminare Luftströmung um die Zelle. Das bedeutet, dass die Luft schichtartig um die Außenhaut strömt, statt zu verwirbeln, was den Luftwiderstand erheblich verringert. Hierfür wiederum müssen Rumpf, Flügel und Leitwerk möglichst glatt bleiben.

Neues Flugzeug-Konzept Otto Aviation Phantom 3500
Otto Aviation

Klimafreundlicher Spar-Jet

Die Phantom 3500 ist ferner für Reiseflüge in großen Höhen konzipiert. Binnen 28 Minuten nach dem Start soll sie auf Flugfläche 510 klettern (51.000 Fuß, 15.545 Meter) und in der dünnen Höhenluft zusätzlich Treibstoff sparen. Dort oben produziere ein Flugzeug wie die Phantom 3500 etwa 90 Prozent weniger Kondensstreifen, so Otto-Mann Scott Drennan seinerzeit in Paris. Das wiederum bedeute einen Segen fürs Klima.

Die tropfenförmige Auslegung des Rumpfes erlaubt Otto Aviation überdies den Einbau einer großzügigen Kabine mit Stehhöhe. "Die Phantom 3500 wird die Art, wie Flugzeuge gebaut werden, revolutionär verändern", ist sich Drennan deshalb sicher.

Neues Flugzeug-Konzept Otto Aviation Phantom 3500
Otto Aviation

Phantom-Erstflug 2027?

Den Übergang von der PDR zur kritischen Designprüfung (Critical Design Review, CDR) wertete der Otto-CEO wenig überraschend als "wichtigen Schritt für unser Team". Damit habe die Phantom 3500 "die Schwelle von einem vielversprechenden Konzept zu einem Flugzeug überschritten, das wir nun bauen und fliegen wollen."

Jetzt gehe es an die endgültige Umsetzung der Pläne – mit dem nach wie vor stehenden Ziel, den ersten Phantom-Prototyp im Jahr 2027 in die Luft zu bekommen. "Wir konzentrieren uns darauf, dieses Flugzeug termingerecht zu bauen und gleichzeitig zu beweisen, dass unser Laminarströmungsflugzeug genau das leisten kann, was wir versprochen haben", unterstrich Scott Drennan.