Zertifizierungstests für PD-8 abgeschlossen: Triebwerk für „Russisches Biest“ und Superjet

Triebwerk für SJ-100 und „Russisches Biest“ Be-200
Zertifizierungstests für PD-8 abgeschlossen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 15.05.2026
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Erstflug des Jakowlew (Suchoi) Superjet mit russischen PD-8-Triebwerken.
Foto: UAC (OAK)

Der russische Staatskonzern Rostec hat nach eigenen Angaben alle Zertifizierungstests für das Strahltriebwerk Awiadwigatel PD-8 abgeschlossen.

Das PD-8 wird bei der Rybinsker Tochtergesellschaft ODK-Saturn entwickelt und soll in verschiedenen Flugzeugmustern zum Einsatz kommen, die Russland derzeit "russifiziert", da seit Beginn des Ukraine-Kriegs der Import kritischer Teile nicht mehr möglich ist.

Laut Unternehmensangaben umfassten die Tests unter anderem Versuche unter Vereisungsbedingungen in der Region Archangelsk, einen 150-Stunden-Dauertest beim maximalen Schub von acht Tonnen, einen simulierten Hageleinschlag sowie Belastungstests mit Vogelschlag, Wassereintrag und einem simulierten Schaufelbruch. Die Triebwerke kamen dabei auf eine Gesamtlaufzeit von rund 6.590 Stunden.

Die Zulassungsdokumentation soll nun der russischen Luftfahrtbehörde Rosawiazija zur Prüfung vorgelegt werden.

In erster Linie soll das Triebwerk den russischen Passagierjet Jakowlew Superjet SJ-100 antreiben. Der Superjet wird damit das erste moderne "rein-russische" Flugzeug mit Strahlantrieb sein, das es zur Zertifizierung geschafft hat. Die russische Fluggesellschaft Aeroflot rechnet bereits mit der Lieferung des neuen Musters. Noch in diesem Jahr sollen die ersten kommerziellen Flüge stattfinden.

Das Triebwerk soll neben SJ-100 auch das Amphibienflugzeug Berijew Be-200 antreiben und damit das französisch-russische PowerJet SaM146 (Superjet) und das russisch-ukrainische Progress D-436 (Be-200) vollständig ersetzen.

Be-200: Produktion seit Jahren weitgehend blockiert

Die Berijew Be-200 trägt den Spitznamen "Russisches Biest" und ist ein strahlgetriebenes Amphibienflugzeug, das sowohl von Wasser als auch von Land aus operieren kann.

Als Löschflugzeug konzipiert, fasst der Rumpftank bis zu zwölf Tonnen Wasser, die sich beim Überflug über eine Wasseroberfläche in rund 18 Sekunden wieder auffüllen lassen.

Eine Berijew Be-200 der russischen Marine im Flug.
NATO Air Command

Seit der Erstzulassung 2003 wurden nur wenige Exemplare gebaut. Nach der Annexion der Krim 2014 entstanden, aufgrund der Abhängigkeit vom Antrieb Progress D-436, nur noch eine bis zwei Be-200.

Von den bislang rund 20 produzierten Exemplaren sind weltweit schätzungsweise 15 im Einsatz. Die meisten davon fliegen beim russischen Katastrophenschutz, andere bei der russischen Marine. Vereinzelt wurden Be-200 auch nach Aserbaidschan und Algerien exportiert.

Mit dem nun weitgehend abgeschlossenen Zertifizierungsprogramm des PD-8 könnte die Produktion der Be-200 wieder in Fahrt kommen. Eine Serienproduktion für das Flugzeug wird frühestens ab 2028 angestrebt. Dazu müssen Zelle und Produktionsanlagen angepasst werden.

Nachfrage nach Löschflugzeugen gibt es unterdessen weltweit. Aus der Türkei, verschiedenen asiatischen Staaten und Lateinamerika soll Interesse an der Be-200 signalisiert worden sein.