Der Flugzeugfriedhof Davis Monthan in der Wüste Arizonas sollte 2021 zur letzten Station im Flugzeugleben der B-1B Lancer mit der Hecknummer 86-0115 werden. Als eine von 17 B-1B war sie von der US Air Force zur Ausmusterung vorgesehen. Damals trug der Bomber den Taufnamen "Rage" und war Teil eines besonderen Quartetts innerhalb der 17 überschüssigen B-1B: Vier Bomber nämlich ließ die Air Force so konservieren, dass man sie im Fall der Fälle mit vertretbarem Aufwand wieder flott bekommen kann.
Im Jargon der für den Flugzeugfriedhof zuständigen 309th Aerospace Maintenance and Regeneration Group (AMARG) nennt sich dieser Lagerungszustand "Type 2000". Flugzeuge, die nach den Kriterien dieser Kategorie eingemottet werden, dienen außerdem als mögliche Reserve für den Ersatzteilbedarf der aktiven Flotte.
Auch der B-1B "Rage" drohte ein Schicksal als Spenderflugzeug. Doch dann kam alles anders. Anstatt den eingelagerten Bomber der Ersatzteilversorgung zuzuführen, meldete das Air Force Global Strike Command vor rund zwei Jahren Bedarf für eine Reaktivierung an. Und so verließ die 86-0115 im Juli 2024 Arizona auf dem Luftweg und flog nach Oklahoma auf die Tinker Air Force Base. Dort verschwand sie in den Hangars des Oklahoma City Air Logistics Complex, um sich einer Depotwartung samt Avionik-Update zu unterziehen.

Die frisch generalüberholte B-1B rollte Ende Februar 2026 erstmals aus dem Hangar für einen Testflug - noch ohne neues Lackkleid.
Aus "Rage" wurde "Apocalypse II"
Fast zwei Jahre später nun ist das Flugzeug wieder bereit für neue Aufgaben: Am 22. April verließ die B-1B die Tinker Air Force Base und kehrte zurück in die aktive Bomberflotte. Ab sofort steht sie beim 7th Bomb Wing auf der Dyess Air Force Base in Texas im Dienst.
Im Zuge der Generalüberholung in Oklahoma tauschten die zuständigen Techniker nicht nur über 500 Teile an der B-1B aus. Seit der offiziellen Wiederauferstehung trägt der Schwenkflügler auch einen neuen Taufnamen, denn aus "Rage" wurde "Apocalypse II". Damit möchte der 7th Bomb Wing nach eigenen Angaben an die B-24J Liberator "Apocalypse" und deren Crew erinnern, die im Pazifikkrieg 1942 über Burma abgeschossen wurde.

Der reaktivierte Bomber heißt jetzt "Apocalypse II". Name und Noseart sollen an eine 1942 abgeschossene B-24J Liberator erinnern.
Nicht die erste Wiederauferstehung
Die B-1B mit der Hecknummer 86-0115 ist nicht die erste Lancer, die nach ihrer Ausmusterung 2021 wieder reaktiviert wurde. Zuvor kehrte bereits die 85-0081 (Taufname "Lancelot") aus der Wüste zurück. Sie ersetzt eine Schwestermaschine, die am 20. April 2022 auf dem Stützpunkt Dyess AFB einen Triebwerksbrand erlitt und aus dem Verkehr gezogen wurde.
Die "Apocalypse II" wird in Dyess voraussichtlich die Schwestermaschine 86-0126 ersetzen, die wegen umfassender Strukturreparaturen bei Boeing in Palmdale (Kalifornien) bis auf Weiteres außer Gefecht ist. Prämisse der US-Luftwaffe ist es, die aktive Lancer-Flotte konstant bei 45 Exemplaren zu halten.

Mehr als 200 Mitarbeiter waren auf der Tinker AFB an der Reaktivierung der "Apocalypse II" beteiligt. Im Zuge der Strukturarbeiten wurden rund 500 Teile ausgetauscht.
Zwei B-1B noch in Reserve
Bei der AMARG verbleiben indes noch zwei der vier reaktiverbaren B-1B: die 85-0066 und die 85-0077. Insgesamt lagern in Davis-Monthan aktuell noch gut 25 B-1B in unterschiedlichem Zustand, die allerdings primär als Ersatzteilspender dienen und teilweise bereits stark gefleddert wurden. Fliegen werden diese Exemplare aller Voraussicht nach nie mehr.





