Weltuntergangsflugzeug der USA in Stuttgart: US Navy schickt E-6B Mercury

US Navy schickt E-6B Mercury
Weltuntergangsflugzeug der USA in Stuttgart

ArtikeldatumVeröffentlicht am 13.05.2026
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Sie basiert auf dem zivilen Jet-Oldtimer Boeing 707, doch mit dessen Technik hat sie nicht (mehr) viel gemeinsam: Die Boeing E-6B Mercury, die am 11. Mai auf dem Flughafen Stuttgart landete und seither auf der US-Basis im Südwestteil des Airports abgestellt ist, gehört der US Navy und dient dieser als fliegender Kommandoposten. 16 Exemplare der ganz in Weiß lackierten E-6 hat die Navy insgesamt im Einsatz. In Stuttgart war seit einigen Jahren keines mehr zu Besuch.

Der Erstflug des Musters datiert auf den 19. Februar 1987. In Dienst ging die Mercury Mitte 1989, im Oktober 1990 erklärte die US Navy die E-6 für vorläufig einsatzbereit. Bemerkenswert ist, dass es sich bei allen 16 Flugzeugen um exklusive Neubauten handelt – durch deren Produktion die Gesamtstückzahl der Boeing 707 und ihrer Derivate seinerzeit die "Schallmauer" von 1000 Exemplaren durchbrach. Als Grundlage diente die zivile Zelle der 707-320B, allerdings ab Werk betrieben durch die moderneren und sparsameren CFM-56-Triebwerke anstelle der ursprünglichen JT3D von Pratt & Whitney.

Die letzte Maschine rollte 1992 aus der Halle.

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Fliegender Gefechtsstand

Heimat der Mercury-Flotte ist die Tinker Air Force Base in Oklahoma, wo sich die 16 Flugzeuge auf insgesamt zwei Staffeln verteilen – die VQ-3 "Ironmen", die vor allem im für Pazifik-Raum operiert, und die für den Atlantik zuständige VQ-4 "Shadows". Aus Oklahoma kam am 11. Mai auch die E-6B mit der Kennung 162784 direkten Weges nach Stuttgart.

Die grundlegende Hauptaufgabe der Mercury-Besatzungen und ihrer Jets ist in beiden Einsatzregionen dieselbe: Im Ernstfall soll die E-6 als fliegender Kommandoposten die Kommunikation mit den strategischen U-Booten der USA sicherstellen – und im schlimmsten Fall den Startbefehl für Atomraketen geben. Diese Rolle brachte ihr die Zuschreibung als sogenanntes "Doomsday Plane" ein – ein Flugzeug für den "Weltuntergang", über das sich im (atomaren) Kriegsfall die Befehlsketten der US Navy aufrechterhalten lassen.

Boeing E-6 Mercury mit ausgefahrenen Schleppantennen
Boeing

Zwei Antennen auf der Kabelrolle

Damit die Signale auch zu den untergetauchten Gefährten durchdringen, verfügt die Mercury über zwei Antennen in Gestalt von ausrollbaren Kabeln. Im Heck ist die kürzere VLF-Antenne (Very Low Frequency) mit einer Länge von rund 1500 Metern untergebracht. Die längere Ausführung mit 8500 Metern befindet sich an der Unterseite des hinteren Rumpfes. Weitere Sensoren und Antennen sind in Behältern an den Flügelspitzen untergebracht. Sämtliche Systeme sind gegen elektromagnetische Impulse wie bei einer nuklearen Explosion abgeschirmt.

Detailansicht Sensoren Boeing E-6 Mercury
Patrick Zwerger

Nebenrolle für die US Air Force

Auch die US Air Force zeigte Interesse an der E-6 Mercury, da ihre als fliegende Befehlsstände verwendeten EC-135 in die Jahre gekommen waren. Daher erhielt die Mercury eine entsprechende Zweitrolle und zusätzliche Ausrüstung, um den bodengestützten Interkontinental-Raketen der USAF den Startbefehl geben zu können. Nach der Installation des Airborne Launch Control Systems (ALCS) bekamen sie die bis heute geläufige Bezeichnung E-6B. Raytheon übergab das erste Exemplar im Dezember 1997. Bis 2003 war die komplette Flotte umgerüstet, bei einem damaligen Stückpreis von 141,7 Millionen Dollar. Optisch ist der kleine "Buckel" auf der Oberseite der Flugzeuge der markanteste Unterschied zur E-6A. Er beherbergt die Antenne für das Satellitenkommunikationssystem MILSTAR.

Bei Northrop Grumman läuft derzeit ein Upgrade der Flotte auf den Block-II-Standard mit modernisierten Kommunikationssystemen. Im Juni 2023 übernahm die US Navy die erste Maschine, bis 2027 sollen alle E-6B umgerüstet sein.