Der Telegram-Kanal "Fighterbomber" war der erste, der ein Bild der "neuen" Tupolew Tu-160M verbreitete. Die undatierte Aufnahme zeigt die Tu-160 mit der Seriennummer 08-04 – genannt Pjotr Deinekin, nach dem einstigen Oberbefehlshaber der russischen Luftwaffe – bei einem Testflug, mutmaßlich im Raum Kasan.
Der Mach 2 schnelle Riesenbomber, NATO-Codename "Blackjack", ist auf dem Foto nur teilweise lackiert: Seitenleitwerk, Lufteinlässe und Heckkonus heben sich in gelber Grundierung vom Rest des ansonsten weißen Flugzeugs ab. Seit mindestens 2020 lag die "Pjotr Deinekin" im Hangar des Flugzeugwerks Kasan unterm Messer und erhielt dort das Upgrade auf den neuen Standard Tu-160M. Jetzt scheint sie fertig zu sein.
Damit verfügt Russland nun über mindestens zehn "Blackjack"-Bomber der neuesten Ausführung – sieben modernisierte Bestandsflugzeuge und drei in Kasan neu hergestellte Exemplare. Das Modernisierungs- und Neubauprogramm für das größte und mit 275 Tonnen Startmasse schwerste Kampfflugzeug der Welt scheint kontinuierlich weiterzulaufen, wenn auch mit recht bescheidener Schlagzahl.
Im Kampfeinsatz gegen die Ukraine
So erhielt die russische Luftwaffe 2024 vier Tu-160M, darunter zwei Neuflugzeuge. 2025 kamen ein neu gebautes und ein modernisiertes Exemplar hinzu. Die Gesamtzahl der russischen "Blackjacks" dürfte zwischen 18 und 20 Einheiten liegen. Davon sollen allerdings nur sieben für Kampfeinsätze zur Verfügung stehen, während der Rest sich nach Recherchen des OSINT-Kanals AviVector in unterschiedlichen Test-, Wartungs- oder Modernisierungsphasen befindet.
Für Kampfeinsätze gegen die Ukraine nutzt Russland laut AviVector die Bomberstützpunkte Engels-2 in der südwestlichen Oblast Saratow und Ukrainka im Fernen Osten.
"Weißer Schwan" mit tödlicher Mission
Die Tupolew Tu-160 ist als strategischer Langstreckenbomber konzipiert und kann auch mit Nuklearwaffen bestückt werden. Die maximale Zuladung liegt bei 45 Tonnen. Zwei drehbare Waffenträger im Bombenschacht bieten unter anderem Platz für bis zu zwölf Ch-55-Marschflugkörper mit einer Reichweite von 3000 Kilometern. Zum künftigen Arsenal gehört auch die neu entwickelte Ch-BD, deren Reichweite auf bis zu 6500 Kilometer geschätzt wird.
Im Zuge der vom Flugzeugwerk Kasan verantworteten Modernisierung auf den neuen Standard Tu-160M erhalten die "Blackjacks" neben strukturellen Arbeiten ein digitales, automatisiertes Cockpit mit neuer Navigations- und Kommunikationssuite und neuer Flugsteuerung. Ein zeitgemäßer Autopilot, ein neues Radarsystem, neue Waffenkontroll- und erweiterte Selbstschutzsysteme gegen aktuelle Bedrohungslagen zählen ebenfalls zum Upgrade-Paket. Auch für das Feld der elektronischen Kampfführung ist die Tu-160M künftig gerüstet.
Dazu erhält der in Russland "Weißer Schwan" genannte Bomber effizientere Triebwerke des Typs Kusnezow NK-32-02. Wie die einst speziell für die Tu-160 entwickelte Ursprungsversion des Nachbrenner-Turbofans leistet auch die neue Serie 2 bis zu 245 kN Schub. Allerdings soll sie dabei deutlich weniger Kerosin verbrauchen und die Tu-160 damit über 1.500 Kilometer weiter fliegen lassen als bisher. Erreicht wird dies durch optimierte Verdichter- und Turbinenschaufeln.

Die Tu-160M kann bis zu 45 Tonnen Waffenlast tragen. Zur Hauptbewaffnung zählen Marschflugkörper mit großer Reichweite.
Neustart der Serienproduktion
Zur Unterscheidung von den modernisierten Bestandsflugzeugen firmieren die in Kasan neu gebauten "Blackjacks" gemeinhin als Tu-160M2. Für die Wiederaufnahme der Serienproduktion in Kasan mussten die Russen umfassende Vorbereitungen ergreifen – angefangen von der Digitalisierung der Konstruktionsunterlagen bis hin zur Wiederbelebung längst ad acta gelegter Fertigkeiten. Dazu zählt zum Beispiel das Vakuumschweißen großer Titanstrukturen. Jede Tu-160 besteht gewichtsmäßig zu rund einem Drittel aus Titan – ein Rekordwert! Allein der zentrale Kasten für die Aufnahme der Schwenkflügel wiegt sechs Tonnen und benötigt 140 Meter Schweißnähte.
Rund 200 Unternehmen sind an dem militärischen Großprojekt beteiligt, die Mehrzahl davon gehört zum Staatskonzern Rostec.

2024 erhielt Russlands Luftwaffe vier "Blackjacks": zwei modernisierte Tu-160M und zwei neu gebaute Tu-160M2.
Bis zu 50 neue "Blackjacks"?
Insgesamt umfasst das aktuelle Vorhaben, neben der Modernisierung aller 16 im Dienst stehenden Tu-160, die Herstellung von vorerst zehn, womöglich gar bis zu 50 Exemplaren des neuen Produktionsstandards M2. Inwiefern sich die neu gebauten "Blackjacks" von den modernisierten Bestandsmaschinen unterscheiden, ist nicht bekannt.





