Wenn eine Rakete aus dem Orbit zurückkehrt, ist es für gewöhnlich eine kontrollierte, aufrechte Landung. Das verbraucht allerdings viel Treibstoff. Nayuta Space entwickelt deshalb ein anderes Konzept.
Die Xuan Niao-R ("Schwarzer Vogel") soll beim Wiedereintritt in die Atmosphäre zunächst fallen und anschließend von vier großen aerodynamischen Steuerflächen stabilisiert werden.
Dann soll die Rakete mit drei Triebwerken abbremsen und schließlich mit sechs kleinen Schubdüsen auf die Seite kippen und horizontal landen. Für die Landung braucht es also kein Fangsystem.
Im Kern ist es der Ansatz, mit dem SpaceX seinen Starship-Oberstufenprototypen erprobte – wobei sie horizontal zur Erde fielen und sich kurz vor der Landung aufrichteten, um senkrecht und von den Triebwerken gebremst aufzusetzen. In China ist die Xuan Niao-R nach Unternehmensangaben die einzige Rakete, die konsequent auf dieses Prinzip setzt.
Die erste Stufe trennt sich vom Rest der Rakete, fällt zunächst ohne Antrieb, wird durch vier große Steuerflächen geführt, zündet dann drei Triebwerke für den Hauptbremsschub und kippt schließlich mit sechs kleinen Schubdüsen seitlich und kann horizontal landen.
Gegenüber einer klassischen aufrechten Landung soll das Treibstoff sparen. Das wiederum ermöglicht den Transport größerer Nutzlasten oder die Verwendung einer kleineren Rakete. Das spart für die Betreiber Kosten.
Für die Entwicklung des "Schwarzen Vogels" hat Nayuta gerade eine sehr frühe Finanzierungsrunde abgeschlossen. Wie viel Geld das Unternehmen genau eingenommen hat, wurde nicht veröffentlicht. Die Serie-A-Runde steht noch aus.
Riesige Ruder für die Landung
Das sichtbarste Merkmal der Xuan Niao-R sind ihre Steuerflächen. Mit rund drei Metern Flügeltiefe sind es nach Angaben von Nayuta Space die größten Raketensteuerflächen, die je in China gebaut wurden.
Beim Wiedereintritt wird die erste Stufe mit hohem Anstellwinkel geflogen, um maximalen Luftwiderstand zu erzeugen. Je mehr aerodynamische Bremswirkung, desto weniger Treibstoff wird für das spätere Bremsmanöver gebraucht.

Das Design soll Treibstoff bei der Landung sparen, erfordert aber auch hochwertigeren Hitzeschutz und zusätzliche Stützstrukturen.
Dabei wirken gewaltige Kräfte auf die Steuerflächen ein. Die Ruder müssen gleichzeitig präzise steuern und extreme aerodynamische Lasten aushalten.
Durch zusätzliche Stützstrukturen und ein umfassendes Hitzeschutzsystem ist das Trockengewicht der Rakete höher. Inwiefern sich das mit der Treibstoffersparnis bei der Landung ausgeht, wird sich in den ersten Flugtests zeigen. Durch die Belastung beim Wiedereintritt könnte zudem häufigere oder teurere Wartung nötig sein. Das hätte zwangsläufig Auswirkungen auf die Wiederverwendbarkeit.
Bei den jüngsten Tests des Unternehmens haben alle Steuerungssysteme funktioniert. Bis zum Erstflug, derzeit geplant für 2027, müssen allerdings noch eine Reihe von Tests durchgeführt werden. Der Zeitplan kann sich also deutlich nach hinten verschieben.
Tests im Laufe des Jahres
Die Produktion der Xuan Niao-R läuft seit Oktober 2025. Zu Jahresbeginn zeigte Nayuta Space erste Segmente des Demonstrators. Ende Januar folgten mehrere Treibstofftanks und Strukturbauteile.
Für den Rest des Jahres 2026 plant Nayuta Space mehrere entscheidende Tests. Unter anderem sind statische Zündversuche der zweiten Stufe, Windkanalversuche zur Vermessung des aerodynamischen Profils sowie Flugversuche mit skalierten Demonstratoren geplant.
Vollständig ausgebaut soll die Xuan Niao-R rund 70 Meter hoch sein. Die erste Stufe wird von 13 Triebwerken mit je 70 Tonnen Schub angetrieben, die zweite Stufe von einem Triebwerk mit rund 80 Tonnen Schub. Beide Stufen verbrennen Flüssigmethan und Flüssigsauerstoff.
Nayuta Space prüft zudem, ob auch die zweite Stufe wiederverwendbar gemacht werden kann, wahrscheinlich mit einem ähnlichen Landeverfahren.





