Nach dem (vorläufigen) Ende der Attacken gegen den Iran im Rahmen der Operation "Epic Fury" leckt das US-Militär seine Wunden – und die fallen deutlich umfassender aus, als es mutmaßlich geplant war. Satte 42 zerstörte oder schwer beschädigte Fluggeräte ermittelte der Forschungsdienst des US-Kongresses in einem Bericht, der am 13. Mai veröffentlicht wurde.
Die Analyse stützt sich unter anderem auf bestätigte Angaben aus dem Pentagon, stellenweise aber auch auf Medienberichte. Dennoch verkörpert sie die erste offizielle Quelle in den USA, die das Ausmaß der Verluste fliegenden Geräts von US Air Force, Marine Corps und Navy quantifiziert.
Zahlenmäßig am meisten Federn musste demzufolge die Riege der großen Drohnen lassen: Allein 24 General Atomics MQ-9A Reaper mussten die USA binnen sechs Wochen abschreiben. Bei einem mutmaßlichen Stückpreis von 34 Millionen US-Dollar (Stand 2024) bemisst sich der finanzielle Schaden allein durch diese Verluste auf 816 Millionen US-Dollar. Abgesehen davon wird die MQ-9A seit 2025 nicht mehr gebaut – wenngleich laut Hersteller noch Komponenten für immerhin fünf Exemplare auf Lager liegen.
Dazu verlor die US Navy laut Bericht eine Seefernaufklärungsdrohne vom Typ Northrop Grumman MQ-4 Triton durch einen "Zwischenfall".
Sieben Stratotanker betroffen
Unter den bemannten Militärflugzeugen traf es die Riege der Tankflugzeuge am heftigsten. Ganze sieben Boeing KC-135 Stratotanker weniger hat die US Air Force nach der Operation "Epic Fury" im Inventar – eine KC-135 stürzte nach Kollision mit einer Schwestermaschine über dem Irak ab, die andere musste beschädigt notlanden, wird womöglich aber repariert. Fünf weitere Stratotanker wurden durch iranische Gegenangriffe auf die Prince Sultan Air Base in Saudi-Arabien außer Gefecht gesetzt.
Als Ersatz für die abgestürzte Maschine reaktivierte die Air Force vor Kurzem bereits eine andere KC-135, die auf dem Flugzeugfriedhof Davis-Monthan eingelagert war. Inwiefern die anderen sechs Maschinen wiederhergestellt (oder ersetzt) werden können, bleibt vorerst unklar.
Zerstörung der E-3 Sentry schmerzt
Als besonders empfindlich stuft der Kongresbericht die Zerstörung einer Boeing E-3 Sentry ein, von der die USA lediglich 16 Stück besitzen. Das Frühwarnflugzeug fiel denselben iranischen Attacken auf die Prince Sultan Air Base zum Opfer wie die fünf KC-135 – lässt sich aber definitiv nicht wieder reparieren, weswegen der Bericht von einer möglichen "Fähigkeitslücke" spricht, die unter Umständen "das Risiko in anderen Einsatzgebieten erhöhen" könne.

Vier F-15E Strike Eagle verlor die USAF bei der Operation Epic Fury - drei davon wurden von einer kuwaitischen F/A-18 abgeschossen.
Kampfjets, Spezialflugzeuge, Hubschrauber
Weitere Verlustmeldungen, die in dem Bericht an den Kongress erfasst sind, betreffen
- vier Boeing F-15E Strike Eagle; drei am 2. März über Kuwait durch friendly fire abgeschossen, eine am 5. April über dem Iran.
- eine Lockheed Martin F-35A, beschädigt durch iranische Flugabwehr am 19. März
- eine Fairchild A-10 Thunderbolt II, von iranischem Feuer getroffen und abgestürzt am 3. April
- zwei für Spezialoperationen ausgerüstete Hercules-Transporter vom Typ Lockheed Martin MC-130J Commando II; die Flugzeuge waren am Such- und Rettungseinsatz für die abgeschossene F-15E-Besatzung beteiligt, landeten auf iranischem Gebiet, konnten von dort aus aber nicht mehr starten und wurden daraufhin von US-Soldaten absichtlich zerstört
- Ein Such- und Rettungshubschrauber Sikorsky HH-60W Jolly Green II, beschädigt am 5. April durch iranischen Beschuss vom Boden aus

Eine am Sucheinsatz für die über dem Iran abgeschossene F-15E-Crew beteiligte A-10 wurde durch iranische Flugabwehr getroffen. Der Pilot rettete sich mit dem Schleudersitz.
29 Milliarden US-Dollar
Wie der Bericht direkt eingangs erwähnt, bezifferte der amtierende Pentagon-Finanzchef Jules W. Hurst III die Kosten für die Operation Epic Fury im Rahmen einer Anhörung am 12. Mai auf 29 Milliarden US-Dollar. "Die Zahl der beschädigten oder zerstörten Flugzeuge kann aufgrund verschiedener Faktoren, wie z. B. Geheimhaltung, andauernde Kampfhandlungen und die Zuordnung der Schäden, noch angepasst werden", heißt es weiter.
Es sei außerdem unklar, "wie sich das Ausmaß der Flugzeugverluste auf die Fähigkeit des Verteidigungsministeriums auswirkt, die aktuellen operativen Anforderungen zu erfüllen, die globale Truppenpräsenz aufrechtzuerhalten und auf unvorhergesehene Ereignisse zu reagieren." Besonders im Hinblick auf die "in begrenzter Anzahl vorhandener Plattformen, wie beispielsweise die E-3 Sentry", gelte es für den Kongress dies zu prüfen.

Allein 24 MQ-9A Reaper musste die USAF während der Angriffe gegen den Iran als verloren kennzeichnen. Der Stückpreis der Drohne liegt wohl bei etwa 34 Millionen US-Dollar
Analyse zur Überlebensfähigkeit
Zugleich wertet der Bericht die Verlustmeldungen und die Art ihres Zustandekommens als aufschlussreich für "die Überlebensfähigkeit US-amerikanischer Flugzeuge in umkämpften Gebieten". Daraus lasse sich gegebenenfalls schließen, "ob etwaige Veränderungen der Bedrohungslage eine Anpassung der operativen Konzepte, Taktiken, Techniken, Verfahren oder der Stützpunktstruktur der USA erforderlich machen."
Darüber hinaus könne der Kongress prüfen, "ob die bestehenden Produktionslinien und Lieferketten in der Lage sind, verlorene Flugzeuge innerhalb der für die operativen Anforderungen des Verteidigungsministeriums erforderlichen Zeiträume zu ersetzen." Komme man zu dem Schluss, dass dies womöglich nicht der Fall ist, könne man auf Basis der gesammelten Daten ermitteln, "inwieweit konkurrierende Anforderungen – einschließlich ausländischer Militärverkäufe oder Produktionsengpässe – die Fähigkeit des Verteidigungsministeriums zur Wiederherstellung der Kapazitäten beeinträchtigen."





