Die Junkers Ju 87, der berühmte Stuka, wurde rund 5950 Mal gebaut, aber flugfähig erhalten blieb nach dem Zweiten Weltkrieg kein einziges Exemplar. Dass sich das zeitnah ändert, daran arbeitet seit 2023 ein Team im Auftrag des American Heritage Museum. An mehreren Standorten in Europa entsteht aus dem Wrack der Ju 87D-5 mit der Werknummer 131587, das 2023 aus einem See in Finnland geborgen wurde, Stück für Stück ein frisches Flugzeug.
Dabei legen die Restaurateure nach Aussage des American Heritage Museum Wert auf "ein außergewöhnliches Bekenntnis zur Originalität", das deutlich über das bloße Erscheinungsbild des Sturzkampfflugzeugs hinausgeht. Vielmehr erstreckt sich der Neuaufbau der Ju 87 auch technisch "auf die Materialien, die originalen Niete, Befestigungselemente, Oberflächen und Herstellungsverfahren, die Junkers während des Zweiten Weltkriegs verwendet hat", so das Museum in seinem jüngsten Status-Update.
Als erste Komponenten hatte das Team das Leitwerk und den Flügel für den Wiederaufbau der Ju 87D-5 in Angriff genommen, die einst mit der Kennung Q9+CH bei der ersten Staffel des Sturzkampfgeschwaders 5 im Einsatz stand.

Nach exaktem Originalvorbild werden Komponenten für die restaurierte Ju 87D-5 neu hergestellt.
Flügel und Leitwerk fast fertig
Dieser Bauabschnitt nähert sich jetzt offenbar seiner Vollendung. Höhen- und Seitenleitwerk sind "bis auf die Eloxierung und die Herstellerstempel nahezu fertiggestellt", schreibt das Museum. Auch die Tragflächen sind demnach weitgehend komplett, müssen sich jedoch "vor der Endmontage sorgfältigen Passproben" unterziehen.
Konkret werden dabei die nach Originalvorbild neu angefertigten Rippen, Holme, Beschläge, Außenhautteile und andere Komponenten "in speziell angefertigten Flügelvorrichtungen montiert und probeweise angepasst, bevor sie wärmebehandelt und eloxiert werden", heißt es im Update des Museums. "So kann das Team die Ausrichtung und Maßgenauigkeit überprüfen, bevor die Strukturen endgültig vernietet werden."

Das Seitenleitwerk des Stuka nähert sich seiner Fertigstellung.
Als nächstes kommt der Rumpf
Nach Vollendung der Arbeiten an Leitwerk und Flügel steht für das Stuka-Großprojekt im kommenden Jahr die Restaurierung von Rumpf und Tragflächenmittelstück im Fokus. Dieser Bereich stellt für die Restaurateure noch einmal eine besondere Herausforderung dar.
Denn als die Ju 87D-5 am 4. April 1944 wegen Treibstoffknappheit auf dem Rückweg von einem Einsatzflug notgedrungen auf dem – zu diesem Zeitpunkt zugefroreren – See landete, war der Sturzkampfbomber zwar noch weitgehend intakt. Allerdings wollten Pilot Walter Ernest und Bordschütze Ernst Zenker ihr Flugzeug mangels Bergungsperspektive unbrauchbar machen – und zündeten kurzerhand eine Handgranate im Cockpit.
Das macht die Wiederherstellung der Areale rund um die Pilotenkanzel nun, mehr als 80 Jahre später, noch schwieriger als es ohnehin schon der Fall gewesen wäre.

Der Neuaufbau der Ju 87 erfolgt streng nach historischen Vorgaben und mit originalen Fertigungsverfahren.
Reverse Engineering
Dazu kommt, dass laut American Heritage Museum kaum mehr originale Werkszeichnungen der Ju 87 vorhanden sind. "Die Restaurierung stützt sich daher auf erhaltenes Originalmaterial, sorgfältige Messungen, dreidimensionale Scans und die Untersuchung von Ju-87-Bauteilen in Museen in ganz Europa, um präzise Konstruktionszeichnungen zu erstellen", heißt es weiter.
Dennoch hält das Team am ausgegebenen Plan fest, für die Auferstehung der Ju 87 akribisch auf Authentizität zu achten. "Ziel ist es nicht einfach nur, einen Stuka zu restaurieren, sondern ihn exakt in den Zustand von 1944 zurückzuversetzen", formuliert es das Museum. Die Restaurierung ziele darauf ab, "die Ingenieurskunst, die Materialien, die Handwerkskunst und die Methoden zu bewahren, die vor über acht Jahrzehnten in den Bau des Originalflugzeugs eingeflossen sind."

Vor Beginn der Restaurierungsarbeiten fertigte das Team umfassende CAD-Unterlagen an, für die sie auch 3D-Scans von in Museen untergebrachten Flugzeugen und Baugruppen vornahmen.
Historische Fertigungsverfahren
Dazu nutzen die Restaurateure spezifische deutsche Fertigungstechniken aus den 1940er Jahren und verwendet beispielsweise spezielle Niete mit 120-Grad-Kopf und aus denselben hochfesten Legierungen, wie sie seinerzeit bei Junkers zum Einsatz kamen.
Die komplexe, Stuka-spezifische Klappen-Querruder-Mischeinheit, die beim Ausfahren der Landeklappen die Querruder absenkte und so die Langsamflugeigenschaften bei Sturzangriffen verbesserte, wird auf Basis eines abgescannten Pendants aus dem Deutschen Technikmuseum in Berlin neu produziert. Auch 3D-Scans der in London im RAF-Museum stehenden Ju 87G-2 flossen in die Datensammlung ein.

So sah das Wrack der Ju 87D-5 nach der Bergung aus dem finnischen See im Jahr 2023 aus.
Stuka-Aufbau in Europa
Die gesamte Restaurierung der Ju 87 erfolgt in Europa, wobei zahlreiche Unternehmen aus mehreren Ländern involviert sind. So etwa auch eine Firma aus dem Umfeld des bekannten, vor einigen Jahren verstorbenen Restaurators Karl Bircsák in Ungarn.
Die praktische Instandsetzung der Struktur findet in Tschechien statt. Der originale Jumo 211-Motor des geborgenen Sturzkampfflugzeugs befindet sich derweil, zusammen mit weiteren Exemplaren, bei RPE in Österreich zur Überholung.





