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Technologie-Konzept

Bells Luftkissen-Landegerät

Im Januar 1968 berichtete die FLUG REVUE über eine Entwicklung von Bell Aerosystems. Ein Luftkissen sollte Starts und Landungen unabhängig von der Beschaffenheit des Untergrunds ermöglichen, ganz gleich ob auf dem Wasser oder an Land. Wir veröffentlichen den Artikel im Wortlaut.

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Die Firma Bell Aerosystems hat vor kurzem ein neues Landegerät erfolgreich vorgeführt, das auf dem Prinzip des Luftkissens beruht. Die Entwicklung dieses Gerätes, das konventionelle Flugzeuge von harten, glatten Start- und Landebahnen unabhängig machen soll, wurde bereits 1963 eingeleitet. Mit dem neuen Landegerät (Air Cushion Landing Gear) können Flugzeuge auf Schlamm, Sand, Wasser, Schnee und Eis starten und landen. Gegenüber anderen Luftkissenkonstruktionen kann dieses neue Landegerät nach dem Start völlig an dem Rumpf des Flugzeuges angeklappt werden. Das wird durch Ablassen der Luft aus dem aufblasbaren Wulst bewirkt.

Das Gerät wurde von Desmond Earl, dem Projekt-Direktor von Bell, entwickelt. Die Versuchsflüge wurden mit einem LA-4 Lake Amphibium durchgeführt. Das Auf- und Abblasen der Luftkissenwülste wird durch ein von einem kleinen Vierzylindermotor angetriebenes Achsialgebläse vorgenommen. Dieses Gebläse ist im hinteren Rumpfende eingebaut. Durch Schlitze im Rumpf kann die komprimierte Luft entweder in den Wulst geleitet oder über Bord abgeblasen werden. Nachdem der Wulst aufgeblasen ist, tritt Luft aus Hunderten von Düsen an seiner Unterseite aus. Die aus den Düsen des ringförmigen Wulstes austretende Luft bildet ein Luftkissen, das das Flugzeug etwa 25 mm über dem Boden hält.

Besonderes Material

Unabhängig vom Untergrund sollte das Luftkissen Starts und Landungen ermöglichen. Foto und Copyright: Bell Aerosystems

Bell Aerosystem hat für den Wulst ein besonderes Material entwickelt. Es besteht aus Schichten von Nylongewebe, zwischen denen Lagen aus Gummi eingebettet sind. Dieses Material streckt sich, wenn es aufgeblasen wird, in der Breite um das Dreifache, in der Länge dagegen überhaupt nicht. Bei einer Landung wird das Gerät zunächst aufgeblasen, dann wird die Vorwärtsgeschwindigkeit des Flugzeugs durch die Verstell-Luftschraube verringert, während die Maschine bereits vom Luftkissen getragen wird. Für die endgültige Verzögerung wird die gerillte Unterseite des Wulstes mit dem Boden in Berührung gebracht. Die Rillen sorgen für die notwendige Reibung, um das Flugzeug zum Stillstand zu bringen, und um ein nicht erwünschtes Gleiten zu verhindern. Da der Wulst elastisch ist, passt er sich der Bodenkontur an und kann Unebenheiten von 5 bis 10 cm leicht überwinden. Es ist somit möglich, auf einem grob planierten Boden zu landen. Da das Gewicht des Flugzeuges über eine große Fläche verteilt ist, ist nur ein geringer Druck erforderlich, um es vom Boden abzuheben. Bei großen Flugzeugen muss das Fahrgestell hohe Lasten aufnehmen und in den Rumpf oder die Tragflügel abführen. Bei diesem neuen Gerät sind die Kräfte stark verringert.

Die Verwendung des Bell-Gerätes bringt auch eine Erhöhung der Sicherheit mit sich. Bei der Landung braucht nicht auf Seitenwind geachtet zu werden. Auf dem Wasser kann der Wulst im aufgeblasenen Zustand das Flugzeug für unbegrenzte Zeit schwimmfähig machen. Damit kann mit diesem Landegerät jedes Flugzeug in ein Amphibium verwandelt werden. Abgesehen von kleineren Beträgen, die aus Regierungsquellen stammen, wurde der größte Teil der Ausgaben für die Entwicklung dieses Gerätes von der Firma Bell getragen. Kürzlich erhielt Beil einen Auftrag von der US Air Force für Bodenversuche mit dem neuen Landegerät an einer C-119 Flying Boxcar.

FLUG REVUE Ausgabe 01/1968

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