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Douglas A 26B Invader fliegt in Deutschland

Besser als neu Eine ganz besondere Invader ist zurück am Himmel

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Ende September 2021 konnte in Bremgarten die seltene, komplett überarbeitete Douglas A-26B On Mark Marketeer erstmals wieder abheben. 22.000 Stunden Arbeit stecken in dem Schmuckstück, das seine Piloten nach dem Erstflug in höchstem Maße begeistert zurückließ.

Eine normale Douglas A-26 ist schon etwas Besonderes in Europa. Wenn man dann sogar eine seltene On Mark Marketeer in der Luft sieht, ist das etwas ganz besonders Besonderes. Dies konnte man Ende September in Bremgarten erleben, als die N500MR der Tina Fly GmbH erstmals wieder in der Luft war. Vorausgegangen war eine 22.000 Stunden dauernde Überholung der schnellen Maschine.

Bei der N500MR, die seit 1995 in Griechenland flog, handelt es sich um eine umgebaute Invader, die nach ihrer Dienstzeit bei der US Air Force zum Verkauf freigegeben wurde und im weiteren Verlauf zur Marketeer umgebaut wurde. Die Firma On Mark Engineering war auf den Umbau von "surplus" Douglas A-26 spezialisiert. Zum einen wurden militärische Varianten für COIN-Einsätze (Aufstandsbekämpfung) modifiziert, zum anderen erfolgten Umbauten zu Geschäftsreiseflugzeugen. Diese wurden unter der Bezeichnung "On Mark Marketeer" und "On Mark Marksman" geführt. Letztere besaß sogar eine Druckkabine. Die stark gepanzerte militärische Variante wurde als "Counter Invader" bezeichnet. Von den zivilen Varianten stellte On Mark etwa 50 Stück her. Der Umbau auf die zivile Nutzung war aufwändig. So wurde der Bombenschacht verschlossen, das Flugzeug entmilitarisiert und ein Boden eingezogen, dazu gab es edle Innenaustattungen nach Kundenwunsch. Es wurde für das Rumpfwerk ein aufwändiger Rundspant entwickelt und eingezogen, wodurch ein großzügiger Passagierraum für maximal sechs Fluggäste entstand. Der Rundspant ersetzt fortan den früher durchgehenden hinteren Holm des Tragflügels. Die Kabine wurde natürlich schallisoliert, erhielt Fenster und für den bequemen Einstieg eine Einstiegstreppe, die sich elektrisch ausfahren lässt.

Szene

Die N500MR wird grundlegend überholt

Die N500MR wurde im Jahr 2019 von Tina Fly Gmbh mit Sitz in Eschbach erworben und einen Monat später auf den Flugplatz Bremgarten (EDTG) überführt. Martina Paul, welche die kaufmännische Leitung von TinaFly GmbH innehat, koordinierte die nun folgenden Restaurierungsarbeiten, Fluggerätmechaniker Felix Ohlhoff und Jiri Fliger übernahmen die Projektverantwortung. Das Flugzeug wurde komplett entlackt, um Schäden am Rumpf- und Tragwerk optimal prüfen zu können. Die elektrische Anlage nebst Avionik wurde überholt, auch wurde der komplette Innenausbau mit feinsten Materialien neu aufgebaut. Mit im Boot war JF Aircraft Services; Jiri Flieger und sein Team zeichneten verantwortlich für die komplette Erneuerung der Avionik, Cockpitaustattung und die Steuerungselemente. Flieger hat, in seiner Funktion als FAA-Prüfer, am Ende der Arbeiten auch das gesamte Flugzeug abgenommen. Die Invader erhielt zwei überholte, neuwertige Pratt&Whitney R2800 CB-3 mit je 2.400 PS von Anderson Aeromotive Inc.. Den Abschluss bildeten dann die Polierarbeiten, welche von Airglace Aviation ausgeführt wurden.

Ende September fliegt sie

Nach rund 22.000 Stunden Arbeit konnte das Flugzeug Ende September 2021 endlich den ersehnten Erstflug nach Restaurierung antreten. Der 20-minütige Erstflug verlief ohne besondere Vorkommnisse, jedoch mit einem total euphorischen Testpiloten. Lukas Meier hatte sich der Aufgabe angenommen. Er verfügt über große Flugerfahrung mit P-51 Mustang, Pilatus PC9 und Bombardier Challenger. Beim Flug mit der A-26 blieb Meier ob der Leistung und des Flugverhaltens der Invader aber trotzdem die Spucke weg. Nach dem Flug fragte er seinen Copiloten Achim Meier: "Möchtest Du in Deinem Leben jemals noch was anderes fliegen?"