Mi-24-Kampfhubschrauber: "Fliegende Panzer" landen für immer

„Fliegende Panzer“ kamen aus der DDR
Ungarn schickt Mi-24-Kampfhubschrauber in die Rente

ArtikeldatumVeröffentlicht am 16.02.2026
Als Favorit speichern

Der Abschied kam auf Raten, war längst eingeläutet – und ist offiziell noch nicht final bestätigt. Dennoch sieht alles danach aus, als hätte am 4. Februar auf dem Fliegerhorst Szolnok, rund anderthalb Autostunden südöstlich von Budapest, der letzte Einsatzflug einer ungarischen Mil Mi-24 stattgefunden. Damit endet die Ära des legendären Sowjet-Kampfhubschraubers in Ungarn, nach beeindruckenden 48 Jahren, beinahe schändlich unauffällig durch die Hintertür. Den "letzten scharfen Schuss" einer Mi-24 hatten die Ungarn noch im Oktober des vergangenen Jahres vergleichsweise groß verkündet.

Die Laufbahn der berühmten "Hind" in Ungarn begann am 26. Juli 1978 mit der Übernahme der ersten Mi-24D aus der UdSSR. Bis zu 39 Mi-24 unterschiedlicher Versionen waren bei den ungarischen Streitkräften zur Hochzeit Ende der 1980er Jahre zeitweise gemeinsam im Einsatz. Zuletzt gab es offiziell noch acht, die (theoretisch) fliegen konnten, allesamt Mi-24P, erkennbar an der doppelläufigen 30-Millimeter-Kanone auf der rechten Bugseite. Allerdings traten nicht alle davon wirklich in Erscheinung. Beim letzten Schießen im Oktober kam lediglich die Mi-24P mit der Kennung 334 zum Zug. Sie war es auch, die am 4. Februar den letzten Flug einer ungarischen Mi-24 absolvierte.

Mil Mi-24 der ungarischen Luftwaffe in Aktion.
Ungarsisches Verteidigungsministerium

Mi-24 aus DDR-Beständen

Die zum Ende noch (mehr oder weniger) aktiven Mi-24P stammen aus dem Konvolut von etwa 20 Hubschraubern, die sich die Ungarn 1995 aus Deutschland beschafft hatten und die zuvor bei der Nationalen Volksarmee der DDR geflogen waren. Die bereits erwähnte Mi-24P 334 etwa war bei der NVA mit der taktischen Nummer 415 unterwegs und erhielt nach der Wiedervereinigung der DDR mit der Bundesrepublik das Bundeswehr-Kennzeichen 96+44. Sie ist Baujahr 1989.

Mil Mi-24 der ungarischen Luftwaffe in Aktion.
Karl Schwarz

Generalüberholung in Russland

Die ungarischen Mi-24 überlebten nach dem Ende des Warschauer Pakts die Wirren der Wendezeit, Ungarns Neuorientierung Richtung Westen, den ungarischen NATO-Beitritt 2004 und diverse wirtschaftliche Engpässe. Allerdings durchlief der Betrieb der Kampfhubschrauber in dieser Zeit schwierige Phasen.

So waren 2016 alle noch verfügbaren Mi-24 in Ungarn praktisch stillgelegt – erst mit Beginn eines großangelegten Überholungsprogramms 2018, in dessen Zuge acht Hubschrauber per Lufttransport durch die russische Luftwaffe zum 419. Flugzeugreparaturwerk nach Sankt-Petersburg geflogen und dort für mindestens sieben weitere Dienstjahre fit gemacht wurden, feierten die Kampfhubschrauber ihre Wiederauferstehung.

Aufnäher "Mi-24 reloaded" von 2017 aus dem Flugzeugmuseum Szolnok.
Patrick Zwerger

Das Ende der ungarischen Mi-24

Diese Dienstjahre sind nun allerdings vorüber. Zwar könnten die ungarischen Mi-24 nach inoffiziellen Angaben noch eine Weile weiterfliegen, doch die Ersatzteilversorgung und der technische Support aus Russland sind mit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 und den darauf folgenden westlichen Sanktionen faktisch zum Erliegen gekommen. Der Betrieb der Mi-24 war daher in jüngerer Vergangenheit zunehmend schwieriger geworden.

Mil Mi-24 der ungarischen Luftwaffe in Aktion.
Ungarsisches Verteidigungsministerium

Airbus-Hubschrauber als Nachfolger

Gleichzeitig nahmen mit den Airbus-Mustern H225M und H145M zwei neue Hubschraubertypen in Szolnok ihren Dienst auf. Diese können die Mi-24 zwar als Kampfhubschrauber nicht in vollem Umfang ersetzen, gelten bei den Ungarn aber als legitime Nachfolger für die Mi-24 und die ebenfalls noch in Szolnok in ungarischen Diensten stehende Mi-17. Auch deshalb, weil sich sowohl H145M als auch H225M vergleichsweise schwer bewaffnen lassen. Unter anderem hat Ungarn für die beiden Airbus-Typen 70-Millimeter-Raketen geordert.

Szolnok bleibt einzige Hubschrauberbasis

Die letzten von insgesamt 16 bestellten H225M erreichten ihre neue Heimat im Juli 2025, von der H145M erhielt Ungarn 20 Exemplare, von denen das letzte 2021 übergeben wurde.

Mit dem Ende der Mi-24P in ungarischen Diensten – und der ebenfalls anstehenden Ausmusterung der Mi-17 – prägen ab sofort nur noch moderne Airbus-Helikopter das Gesicht des 86. Hubschrauber-Regiments in Szolnok, wo die ungarischen Mi-24 im Jahr 2004, nach der Umstrukturierung der Geschwader und der Schließung des Fliegerhorsts Szentkirályszabadja am Balaton, zusammengezogen worden waren.