Polen kauft Fighter aus Südkorea - und flirtet mit F-15 KAI

Polen kauft Kampfjets aus Südkorea - und flirtet mit F-15

48 neue Kampfjets Polen kauft Fighter aus Südkorea - und flirtet mit F-15

Polens Streitkräfte rüsten auf – und kaufen im großen Stil in Südkorea ein. Neben Kampfpanzern und Haubitzen soll der Deal auch Kampfjets des Typs KAI FA-50 umfassen. Es geht um 48 Flugzeuge. Der Verteidigungsminister hat derweil schon den nächsten Schritt im Auge.

Eigentlich hätte Polens Verteidigungsminister Mariusz Błaszczak lieber mehr F-16 bestellt. Angesichts der akuten Bedrohung durch Russland will die polnische Regierung die Streitkräfte des Landes kräftig aufrüsten, und zwar lieber gestern als morgen. Für die Luftwaffe wäre die F-16 dabei erste Wahl gewesen. Schließlich fliegen die Polen den US-Dauerbrenner schon seit Jahren, Piloten und Techniker sind mit dem Flugzeug vertraut, die Infrastruktur darauf ausgerichtet. Einzig Hersteller Lockheed Martin sah für einen Deal keine Kapazitäten: "Derzeit besteht aufgrund der Herstellerpolitik keine Möglichkeit, neue F-16 zu beschaffen, da sich Lockheed jetzt auf die F-35 konzentriert", erläuterte Minister Błaszczak im Interview mit dem Portal Defence24. Deshalb sah sich Polen auf dem Weltmarkt nach Alternativen um – und wurde in Südkorea fündig.

KAI
Bei der Entwicklung der FA-50 flossen Elemente aus dem F-16-Programm von Lockheed Martin mit ein.

"Mini-F-16" aus Südkorea

Dort baut Korea Aerospace Industries (KAI) den leichten Mehrzweck-Fighter FA-50. Der basiert auf der als Trainer entwickelten T-50 Golden Eagle, bei der wiederum Lockheed Martin Pate stand. Dieser Hintergrund macht die FA-50 für Polens Luftwaffe interessant, denn die Anleihen, die das Programm bei der F-16 nahm, sind schwer zu übersehen. Südkorea nutzt den T-50-Trainer explizit zur Ausbildung künftiger F-16-Piloten – und auch der polnische Verteidigungsminister weiß: "Ein auf der FA-50 ausgebildeter Pilot braucht nur wenige Stunden, um die F-16 selbständig zu fliegen."

Zwar besitzt Polen mit der italienischen M346 schon ein ganz ähnliches Flugzeug. Dessen Klarstand lässt laut Błaszczak jedoch stark zu wünschen übrig. Dagegen weise die FA-50 im Einsatz bei der Luftwaffe Südkoreas eine Verfügbarkeit von 85 Prozent auf. Die KA-50 sei zudem "vollständig interoperativ mit der Ausrüstung, die wir verwenden" und besitze große Reserven für Modernisierungsmaßnahmen. "Diese Flugzeuge können im Kampf eingesetzt werden, sind aber auch eine perfekte Trainingsplattform", so der Minister weiter.

KAI
Die FA-50 ist auf Erdkampf spezialisiert, lässt sich aber auch anderweitig einsetzen - zum Beispiel als Trainer.

Auslieferung ab 2023

48 FA-50 sollen als Teil eines groß angelegten Rüstungsgeschäfts mit Südkorea, zu dem auch 180 Kampfpanzer K2 Black Panther sowie Panzerhaubitzen vom Typ K9 gehören, die polnische Luftwaffe verstärken. Die Wartung der neuen Jets soll spätestens ab 2026 komplett in Polen erfolgen, Ersatzteile will Polen in Lizenz selbst produzieren. Die ersten Flugzeuge liefert KAI planmäßig schon im kommenden Jahr aus – was ganz im Sinne der Regierung in Warschau ist. Nur eine "gut ausgerüstete Armee" schaffe angesichts der aktuellen Bedrohungslage Sicherheit für Polens Bürger, unterstrich Verteidigungsminister Błaszczak. Diese Sicherheit brauche es aber "nicht in zehn oder 20 Jahren, sondern jetzt."

Boeing
Die F-15 Eagle, hier eine F-15QA für Katar, könnte bei Polens Beschaffungsplänen langfristig eine Rolle spielen. Sie ähnelt in der Auslegung der MiG-29, die Polen aktuell noch nutzt.

F-15, F-35 – oder KF-21?

Dennoch plant Warschau bereits den nächsten Schritt. Und der führt laut Błaszczak langfristig entweder zu weiteren F-35A, von denen Polen bereits 32 Stück bestellt hat – oder zum Kauf der Boeing F-15 Eagle. Für letztere wäre Polen bei einem Kauf der erste Kunde in Europa, obwohl die erste F-15 bereits 1972 zum Erstflug abhob. Sollte sich Polen für die Eagle entscheiden, dürfte die Wahl allerdings nicht auf eine alte Variante, sondern auf die modernste Version F-15EX Eagle II oder ein Derivat davon fallen. Alternativ könnte jedoch auch hier wieder Südkorea ins Spiel kommen – und zwar mit dem neuen Stealth-Fighter KF-21 Boramae. Man beobachte "die Fortschritte unserer südkoreanischen Partner" bei der Arbeit an diesem Projekt sehr aufmerksam, merkte der Verteidigungsminister an.

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