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Boeing

84 Millionen US-Dollar

Air Force One-Handbücher so teuer wie eine F-35

Dass die Dienstflugzeuge des US-Präsidenten schon immer sehr teuer waren, ist kein Geheimnis. Die künftige Air Force One, die Boeing VC-25B, sprengt jedoch jeden Rahmen: Allein die Handbücher für die beiden Jumbo Jets kosten fast so viel wie eine F-35A.

2024 sollen sie in Dienst gehen: Zwei modifizierte Boeing 747-8I werden künftig dem Präsidenten der Vereinigten Staaten als Regierungsflugzeuge dienen – im Volksmund bekannt unter dem Rufzeichen "Air Force One". Die beiden Vierstrahler treten die Nachfolge der alternden VC-25A an, die ihrerseits auf der Boeing 747-200 basieren, von der heute nur noch ein gutes Dutzend Exemplare fliegen. Ursprünglich hatte Boeing geplant, die als VC-25B firmierenden Jumbo Jets komplett neu zu bauen, doch dem aktuellen Präsidenten Donald Trump war das zu teuer. Öffentlichwirksam forderte er eine Revision des Projekts – mit Erfolg: Statt neuer Flugzeuge verwendet Boeing nun in der Wüste abgestellte 747-8I, die für die nicht mehr existente russische Fluglinie Transaero bestimmt waren. Der Umbau der beiden Maschinen hat bereits begonnen – doch auch der ist alles andere als billig: Die Gesamtkosten für die beiden VC-25B werden inzwischen auf 5,3 Milliarden US-Dollar beziffert. Das schließt zwar Hangars, Ersatzteile, Ausbildung und weiteres Equipment mit ein, doch allein der Preis für die beiden Flugzeuge beläuft sich auf rund 4,7 Milliarden US-Dollar. Damit wird die VC-25B zum teuersten Flugzeug, das jemals gebaut wurde.

100 000 Seiten für 84 Millionen Dollar

Angsichts solcher Dimensionen verwundert es wenig, dass auch die Handbücher für die beiden Präsidenten-Jumbos preislich jeden Rahmen sprengen: 84 Millionen US-Dollar erhält Boeing laut Vertrag vom Pentagon zur Ausfertigung der VC-25B-Manuals. Ein mehr als stolzer Preis – selbst wenn man berücksichtigt, dass die Bücher dem Vernehmen nach 100 000 Seiten stark sein werden und neben der gesamten Technischen Dokumentation auch Fluganleitungen beinhalten sollen. Zum Vergleich: Eine Lockheed-Martin F-35A ist derzeit für rund 89 Millionen US-Dollar zu haben – also nur unwesentlich teurer.

Patrick Zwerger
Die beiden Boeing VC-25B sollen ab 2024 die VC-25A ersetzen, die seit 1990 im Dienst stehen.

Zwei ganz besondere 747-8

Natürlich handelt es sich bei den VC-25B nicht um irgendwelche 747-Derivate. Die Jumbos werden aufwendig umgebaut und vollgestopft mit modernster Technik. Schließlich sollen sie als fliegendes Oval Offfice sämtlichen Ansprüchen in puncto Sicherheit, Selbstschutz, Komfort und Kommunikation genügen – und zwar auf lange Zeit. Das verlangt technisch hochkomplexe Systeme und Einrichtungen an Bord, die die beiden Flugzeuge in jeder Hinsicht einzigartig machen. Vieles an den Präsidentenjets unterliegt außerdem der Geheimhaltung. Das treibt die Kosten zusätzlich nach oben. Dennoch ist auch die VC-25B nüchtern betrachtet "nur" eine weiterentwickelte Boeing 747-8. Viele grundlegende Aspekte der Air Force One-Handbücher wird Boeing direkt aus den Manuals für die normale Passagierversion übernehmen können.

Galerie: US-Präsidentenflugzeuge und -hubschrauber

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Zeitplan nicht in Gefahr

Für die Komplettierung der Handbücher hat Boeing laut Vertrag Zeit bis zum 15. Januar 2025. Der für 2024 angesetzte Liefertermin der beiden Jets soll derweil gehalten werden: Das Programm mache gute Fortschritte, durch den derzeitigen Leerlauf in der Verkehrsflugzeugsparte könne Boeing überdies zusätzliches Personal für die VC-25B einsetzen, betonte ein Vertreter der US Air Force Mitte April.