in Kooperation mit
Verteidigungsministerium Niederlande
13 Bilder

Airbus A330 MRTT: Neue Tanker für die NATO

Airbus A330 MRTT Neue Tanker für die NATO

Seit dem Sommer fliegt der Tankerverband in Eindhoven mit seinen beiden ersten Airbus A330 MRTT. Bis 2024 sollen acht Maschinen ausgeliefert sein, von denen drei bei der Luftwaffe in Wahn stationiert werden. Ein Blick auf die künftige Tankerflotte der NATO.

Auch die Corona-Pandemie konnte das MMF-Projekt (Multinational MRTT Fleet) der NATO nicht stoppen. Mit nur leichtem Verzug landete der MMF1-Tanker nach seiner dreiwöchigen Abnahmeprozedur im Airbus-Werk in Getafe bei Madrid am 30. Juni auf der Hauptbasis der neuen Flotte im holländischen Eindhoven, wo auch das European Air Transport Command seine Heimat hat. MMF2 stand bereits im Mai für die Kundenchecks bereit und traf schließlich Mitte August in Eindhoven ein. Nummer drei ist für November avisiert, Nummer vier dann für Anfang 2021. Der Rest soll bis 2024 folgen. Zudem gab es bis vor Kurzem noch Optionen für drei weitere A330 MRTT, falls sich weitere Länder dem Programm anschließen sollten. Eine davon wurde im September zum Festauftrag umgewandelt, nachdem Luxemburg entschied, seine Beteiligung an der Tankerflotte auszuweiten.

Luftwaffe
Im Cockpit sitzen gemischte Crews, die ihre Ausbildung bei Airbus in Sevilla erhalten.

European Defence Agency

Colonel Jurgen van der Biezen, Kommandeur der Multinational MRTT Unit (MMU) konnte es nach Übergabe der ersten A330 MRTT kaum erwarten, die Einsatzflüge mit dem neuen Tanker und Transporter zu beginnen. Vorerst musste aber noch die Ausbildung der Crews fortgesetzt werden, bevor Ende August mit der Betankung deutscher Eurofioghter der operationelle Betrieb anlief. Damit wird zugleich eine lange bestehende Lücke bei den europäischen Luftstreitkräften geschlossen – die Initiative der European Defence Agency für das MMF-Programm datiert aus dem Jahr 2011.

MMF-Programm

Sechs Länder sind unter Federführung der Niederlande am MMF-Programm beteiligt. Sie finanzieren Beschaffung und Betrieb entsprechend ihrer gebuchten Flugstunden. Zu verteilen gibt es mit neun Flugzeugen 9900 Stunden pro Jahr, von denen sich die Luftwaffe mit 5500 den Löwenanteil gesichert hat. Deshalb werden drei der A330 MRTT auf der FOB (Forward Operating Base) in Köln Wahn stationiert. Eine soll dort (wie derzeit eine A310 MRTT der Flugbereitschaft) ab Ende 2021 rund um die Uhr für MedEvac-Flüge bereitstehen. Neben Deutschland nehmen die Niederlande 2000 Stunden ab (als Nachfolge ihrer beiden KDC-10), Luxemburg 1200 (zuvor 200), Belgien 1000, sowie Norwegen und die Tschechische Republik je 100.

Luftwaffe
Im Cockpit sitzen gemischte Crews, die ihre Ausbildung bei Airbus in Sevilla erhalten.

Rolle als Tanker

Die A330 MRTT können dabei flexibel genutzt werden. In ihrer Rolle als Tanker sind sie in der Lage, Flugzeuge aller Art sowohl über den Ausleger am Heck als auch über zwei Schlauchsysteme unter den Tragflächen mit Kraftstoff zu versorgen. Bei Bedarf finden bis zu 267 Soldaten in der Kabine Platz, dazu kommen noch 45 Tonnen Fracht im Unterflurbereich. Und für die bereits erwähnte Repatriierung von Kranken und Verwundeten lassen sich sechs Intensivbetten und 16 Krankentragen installieren.

Optimierung der A330-MRTT-Ausrüstung

Mit dem Beginn der Lieferungen an die NATO hat Airbus seit Dezember 2009 jetzt 43 A330 MRTT an acht Kunden übergeben, 19 weitere Flugzeuge stehen noch im Auftragsbuch. Dies sichert die Arbeit in Getafe für etwas über drei Jahre, denn bis zu fünf Flugzeuge können pro Jahr umgerüstet werden. Ein "optimierter Prozess" hat die Zeit für die Ausstattung und die Abnahmetests (45 Tage inklusive Lackierung) der aus Toulouse überführten "grünen" A330 auf neun Monate reduziert. In dieser Zeit müssen 16 000 verschiedene Komponenten installiert und rund 50 Kilometer neue Kabel (aufgeteilt auf 450 Kabelbäume) verlegt werden.

Airbus
Kameras und Signallampen am Rumpf des Airbus A330 MRTT.

HoloLens von Microsoft

Airbus wendet für die Umrüstung nun ein Taktverfahren an, bei dem das Flugzeug nur dann zur nächsten Station weitergereicht wird, wenn keine Arbeiten offen sind. Für mehr Effizienz nutzen die Techniker vermehrt HoloLens von Microsoft, die die Anweisungen für die notwendigen Handgriffe vor den Augen einspiegelt. Bis zu 50 Prozent der Aufgaben sollen künftig auf diese Weise durchgeführt werden, so der Hersteller, besonders im Bereich Elektrik- und Hydraulikinstallation.