Chinas neues Seemonster hebt ab Avic
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Zweite Avic AG600: Chinas neues Seemonster hebt ab

Avic AG600 reloaded Chinas neues Seemonster hebt ab

Der zweite Prototyp der Avic AG600 ist flügge. Das gegenüber dem Erstling deutlich umkonstruierte Amphibium aus China stieg am Dienstag in der südchinesischen Provinz Guangdong zum Jungfernflug auf. Es ist das größte Flugboot der Gegenwart – und das schwerste.

20 Minuten dauerte der erste Ausritt des neuen Prototypen am 31. Mai, dann kehrte er wieder sicher zu seinem Startflughafen Zhuhai zurück. Wie schon beim Roll-out Ende Dezember 2021 präsentierte sich das zweite Exemplar der Avic AG600 an diesem Tag abermals ohne Lack, lediglich gekleidet in gelbe Grundfarbe – dafür jedoch mit der zivilen Kennung B-ODCC am Heck. Im Lastenheft für den Erstflug hakten die Piloten laut Angaben der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua nacheinander Steigflug, Abbremsen in der Horizontalen, Kurvenflug sowie ein simuliertes Durchstartmanöver ab. Das Flugzeug habe sich dabei wie erwartet verhalten. "Alle Systeme blieben während des Fluges in gutem Zustand und funktionierten stabil", heißt es aus China.

"Neu konfiguriertes Modell"

Fotos vom ersten Flug des neuen Seemonsters belegen die teilweise markanten Veränderungen, die Avic bei der zweiten AG600 im Vergleich zum ersten Prototypen vorgenommen hat, und die schon auf Bildern von der Roll-out-Zeremonie andeutungsweise zu sehen waren. Xinhua spricht gar von einem "vollständig neu konfigurierten Modell". So besitzt die Maschine mit der Baunummer 1003 eine neu modellierte Frontpartie mit kürzerer, steiler abfallender Nase, modifizierten Cockpitfenstern und stärker gewölbtem Oberrumpf im Bereich des Flight Decks. Die vordere Tür auf der Backbordseite liegt nun außerdem weiter vorn, deutlich näher am Cockpit. Auch der Schwimmkörper des Amphibiums wurde überarbeitet, ebenso wie das Seitenleitwerk, das im oberen Bereich mutmaßlich eine Verstärkung erfuhr. Darüber hinaus fallen dreieckige Strukturen an den Tragflächenhinterkanten ins Auge, die der AG600 im Flug womöglich mehr Stabilität bescheren. Auch könnten sie Platz für größere Querruder-Aktuatoren bieten.

60 Tonnen Startgewicht

Doch nicht nur optisch, auch was die Leistungsdaten angeht, soll sich die zweite AG600 vom ersten Modell abheben. So nennt Avic für die neue Ausführung ein maximales Startgewicht von 60 Tonnen. Das sind noch einmal sechseinhalb Tonnen mehr als offiziell für die "alte" AG600 zu Buche steht. Damit baut die in China "Kunlong" genannte Viermot ihren Status als größtes und schwerstes Flugboot der Gegenwart weiter aus. Das nächstkleinere Muster aus dem Ausland, die japanischen ShinMaywa US-2, bringt es "nur" auf 45 Tonnen Startgewicht. Die für die AG600 offiziell angegebene Nutzlast von zwölf Tonnen Löschwasser bleibt allerdings unverändert.

Alert5 (CC BY-SA 4.0)
Gegenüber dem ersten Prototypen (Foto) zeigt sich die zweite AG600 stark verändert. Sie soll vor allem für Löscheinsätze optimiert sein.

Optimiert als Löschbomber

Avic betont ausdrücklich, dass die AG600 "in neuer Konfiguration" für Feuerlöscheinsätze optimiert sei. Sie erfülle damit Chinas Bedarf "nach einem großen Löschflugzeug". Ob der Hersteller das Flugboot gegenüber dem seit 2017 fliegenden ersten Exemplar allein deswegen so stark modifiziert hat, ist nicht völlig klar. Bislang war nirgends die Rede davon, dass es mehrere Varianten der AG600 für unterschiedliche Einsatzaufgaben geben solle, die sich optisch unterscheiden. Das neue Design dürfte vor allem den Erkenntnissen geschuldet sein, die man bei Testflügen mit der ursprünglichen Version gewonnen hat.

Die Zulassung der AG600 strebt Avic nach eigenen Angaben bereits für das kommende Jahr an. Zwischen 2024 und 2025 könnten dann "der Brandbekämpfungstyp und der Notfallrettungstyp" des Flugboots auf den Markt kommen, heißt es. Und natürlich wird die AG600 dann beim Militär auch andere Zwecke erfüllen als die jüngst genannten – vom Truppentransport bis zur U-Boot-Jagd.

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