Wie viele F-16 die Ukraine inzwischen aus dem Westen Europas überreicht bekam, bleibt unklar. Eins ist aber sicher: Flugzeuge aus Belgien sind bislang nicht darunter. Und das, obwohl die Belgier, nach langem Hin und Her, vor knapp zwei Jahren 30 Exemplare zugesagt hatten. Die Zusage wiederum war damals eine Kehrtwende der ursprünglichen Position – gemäß der Belgien der Ukraine keine F-16 schenken könne, weil die Jets am Ende ihrer Lebensdauer seien und man sie überdies noch selber brauche, bis genügend F-35A im Einsatz stünden.
Zumindest den zweiten Teil der Begründung hört man in Brüssel dieser Tage wieder – als Antwort auf die Frage, warum trotz Zusage im Mai 2024 nach wie vor keine einzige belgische F-16 das Land in Richtung Ukraine verlassen hat. "Wir müssen zuerst unseren eigenen Bedürfnissen entsprechen", unterstrich etwa der Generalmajor der belgischen Luftwaffe, Geert De Decker, gegenüber dem flämischen Radio- und Fernsehsender VRT. VRT hatte zuvor beim Verteidigungsministerium in Brüssel angeklopft und nachgehakt, wie es denn nun aussieht mit der Übergabe der 30 F-16 an Kiew.

Die Ukraine hat bereits F-16 aus den Niederlanden und Dänemark erhalten. Außerdem soll Norwegen zeitnah F-16 liefern.
Belgien braucht die F-16 noch
Belgien ersetzt seine F-16-Flotte derzeit Stück für Stück durch fabrikneue F-35A von Lockheed Martin. Laut De Dekker soll dieser Prozess bis 2028 dauern. Die ersten F-35A sind zwar im Oktober 2025 in Belgien gelandet, die Lieferungen setzten jedoch leicht verzögert ein. Bis das neue Muster voll einsatzfähig ist, will Belgien einen Teil seiner F-16 im Dienst halten. Um wie viele Maschinen es dabei geht, ist nicht bekannt.
Der aktive Gesamtbestand der belgischen F-15 belief sich Ende 2025 auf gut 40 Maschinen. Von den bislang 34 fest bestellten F-35A – ein Vertrag für weitere elf ist geplant – hatte Belgien zur selben Zeit elf Stück übernommen, wobei jedoch acht bis auf Weiteres zur Pilotenausbildung in den USA verbleiben.
Ukrainer fliegen belgische F-16 – in Belgien
Generalmajor De Decker machte gegenüber dem Sender klar, das Verteidigungsministerium habe "von Anfang an" betont, "dass die operativen Bedürfnisse der belgischen Luftwaffe selbst Vorrang haben." Außerdem habe Brüssel niemals einen konkreten Liefertermin kommuniziert.
Offenbar fliegen aber trotzdem bereits Ukrainer in belgischen F-16 – nur eben nicht in der Ukraine, sondern in Belgien. Dort werden die ukrainischen Piloten auf das West-Muster umgeschult. "Wir empfangen regelmäßig Gruppen ukrainischer Piloten und Techniker, die hier ausgebildet werden", so Generalmajor De Dekker gegenüber VRT. "Genau dafür nutzen wir diese Flugzeuge. Sie sind also tatsächlich im Einsatz, aber zu Ausbildungszwecken."
Die Ukrainer sind nicht böse drum
Offenbar kommt die verzögerte Lieferung der belgischen F-16 den Ukrainern sogar gelegen – so abwegig das zunächst klingen mag. Denn der ukrainischen Luftwaffe fehlt es schlichtweg an ausreichend Piloten, um die Cockpits ihrer F-16 adäquat zu füllen, weswegen Kiew laut Informationen des ukrainischen Portals Defense Express sogar darum ersucht haben soll, vorerst keine weiteren F-16 mehr zu liefern.
"Ukrainische Offizielle haben offen eingeräumt, dass das Ausbildungstempo hinter dem zurückbleibt, was nötig wäre, um rechtzeitig zur Auslieferung der Flugzeuge genügend Piloten bereitzustellen", schreibt Defense Express dazu.





