Neue F-35 wohl ohne Radar:"Blinde" Stealth-Jets für die US Air Force?

„Blinde“ Stealth-Jets für die Air Force?
Lockheed Martin liefert F-35 wohl ohne Radar aus

ArtikeldatumVeröffentlicht am 12.02.2026
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F-35 am Boden von vorn
Foto: US Air Force

Offiziell ist es nicht bestätigt, aber dementiert hat es auch niemand: Laut einem Bericht des US-Portals Defense Daily, der sich auf eine anonyme Insiderquelle stützt, liefert Lockheed Martin neue F-35A an die US Air Force aktuell ohne Radar aus – und zwar schon seit Juni 2025. Anstelle des Radars finden sich in der Nase der brandneuen Stealth-Fighter lediglich Ausgleichsgewichte, die die richtige Balance der Flugzeuge sicherstellen sollen.

Grund dafür sind laut Defense Daily Verzögerungen beim neuen F-35-Radar AN/APG-85 von Northrop Grumman. Dieses hätte bereits ab Fertigungslos 17 seinen Weg in die Tarnkappen-Kampfjets finden sollen, komme "nun aber möglicherweise erst später, in der Charge 20, die in den nächsten zwei Jahren ausgeliefert werden könnte." Die seit Juni 2025 an die US Air Force übergbenenen F-35A besäßen allerdings bereits die neue Halterung für das AN/APG-85 – und die sei mit dem bislang in der F-35 verwendeten Vorgängerradar AN/APG-81 nicht kompatibel, weswegen die derzeit aus der Montagehalle in Fort Worth (Texas) rollenden Exemplare eben ganz ohne Radar geliefert würden.

Altes Radar passt nicht auf neue Halterung

Für die F-35 ausländischer Kunden gilt das angeblich nicht, diese Jets werden aktuell noch mit dem AN/APG-81 produziert. Wie Defense Daily schreibt, sind bislang ausschließlich neue F-35A für die US-Luftwaffe betroffen. Eine Doppelhalterung, die sowohl das APG-81 als auch das APG-85 aufnehmen kann, würde laut Insiderinformationen zwei Jahre bis zur Einsatzreife benötigen.

Die Entwicklung und Erprobung des APG-85 verzögert sich derweil aufgrund von Problemen bei der Kühlung und Leistungsaufnahme. "Das APG-81 unterscheidet sich stark vom APG-85, und daher ist die Auslieferung des Flugzeugs in der aktuellen Konfiguration mit einem APG-85-Radar anstelle eines APG-81-Radars eine Herausforderung", kommentierte der US-Politker Rob Wittman aus Virgina, der für die Republikaner im Repräsentantenhaus sitzt, die Problematik gegenüber Defense Daily. Entscheidend für die Montage in der Flugzeugnase seien bauliche Veränderungen am Schott der F-35: "Man darf nicht vergessen, dass die Schottwandkonfiguration die Ausrichtung des Radars in Bezug auf die Antennenanordnung ermöglicht, und die Ausrichtung der Antennenanordnung ist für die Funktionsweise des Radars von entscheidender Bedeutung", so Wittman.

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Keine konkreten Aussagen

Der US-Abgeordnete, zugleich Vorsitzender im Ausschuss für taktische Luft- und Landstreitkräfte des Repräsentantenhauses, wollte im Gespräch nicht bestätigen, dass Lockheed Martin aus diesem Grund tatsächlich "blinde" F-35A ohne Radar ausliefert. Er wissen zwar "alles" darüber, doch das sei geheim. "Ich kann keine Aussage zum Zustand der Flugzeuge machen, da müssen Sie sich an die Air Force, den Kunden, wenden und dort nachfragen", gab Wittman sich bedeckt. Die USAF wiederum ließ über eine Sprecherin lediglich verlauten: "Aus Gründen der Programmsicherheit schützen wir alle weiteren Informationen mit verstärkten Sicherheitsmaßnahmen."

US Air Force

Andere F-35A als "Blindenhunde"

Für die Einsatzstaffeln, die seit Juni mutmaßlich mit den radarlosen F-35A beliefert werden, ergeben sich dadurch im Betrieb diverse Herausforderungen. Nutzlos, das stellt auch die anonyme Quelle von Defense Daily klar, sind die Maschinen jedoch nicht: F-35 ohne Radar "sind in der Lage, zu fliegen, solange sie von anderen F-35 begleitet werden, die datenvernetzt und mit dem APG-81 ausgestattet sind", und ihre Informationen über Daten-Links mit den radarlosen Jets teilen.

Salopp formuliert: Ohne eigenes Radar kann die F-35A im Flug zwar selbst nicht sehen. Solange jedoch andere F-35A im Verbund als "Blindenhunde" fungieren, lässt sie sich trotzdem zielführend einsetzen. Sobald das neue AN/APG-85 die Serienreife erlangt, dürften die zunächst nur mit Ausgleichsgewichten versehenen Exemplare trotzdem schnellstmöglich Radare nachgerüstet bekommen.

Tornado ADV Prototyp
British Aerospace

"Blue Circle"-Tornados als historisches Beispiel

Dass neue Kampfjets wegen Entwicklungs- und Produktionsverzögerungen ohne Radar in Dienst gehen, ist im Übrigen nichts, was in der jüngeren Luftfahrtgeschichte einmalig wäre. So erhielt etwa die Royal Air Force in Großbritannien in den 1980er Jahren den Panavia Tornado in der Abfangjägervariante ADV (F.2) zunächst ohne das für dieses Muster vorgesehene Foxhunter-Radar AI.24 von GEC-Marconi. Stattdessen wurden die ersten ADV-Tornados mit leeren Radomen produziert, was jedoch den Schwerpunkt der Jets veränderte und die Flugstabilität beeinträchtigte. Als Antwort darauf stopften die Briten Betonblöcke in die Tornado-Nasen, die das Gewicht des fehlenden Radars simulierten. Britische Piloten gaben den so präparierten Flugzeugen den Spitznamen "Blue Circle" in Anlehnung an die bekannte Zementmarke.