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Boeing B-52 "Wise Guy" demnächst zurück im Dienst

Boeing B-52 „Wise Guy“ 10 Jahre auf dem Friedhof - bald zurück im Dienst

Mitte 2019 holte die US Air Force eine längst stillgelegte Boeing B-52H aus dem Koma – als Ersatz für eine abgestürzte Schwestermaschine. Nun hat das Flugzeug namens "Wise Guy" die finale Phase der Regeneration durchlaufen – und nimmt in Kürze seinen Dienst auf.

Irgendjemand an Bord musste es damals schon geahnt haben: Bevor die Crew der "Wise Guy" im Jahr 2008 ihren B-52-Bomber nach dem letzten Flug in die Wüste von Arizona seinem Schicksal überließ, kritzelte ein Besatzungsmitglied mit schwarzem Filzstift schnell noch eine Botschaft auf das Flight Deck. Gerichtet war sie an die Kameraden der Aerospace Maintenance and Regeneration Group (AMARG), die das stillgelegte Flugzeug in ihre Obhut nahmen: "AMARG, das ist 60-034, eine kalte Kriegerin, die von den dunkelsten Tagen des Kalten Krieges bis zum globalen Kampf gegen den Terror über Amerika gewacht hat. Passt gut auf sie auf...., bis wir sie wieder brauchen."

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Diese Botschaft hinterließ eines der Crew-Mitglieder nach dem vermeintlich letzten Flug der "Wise Guy" im Jahr 2008 im Cockpit.

Ende als Teilespender

Die AMARG, zu Hause in Tucson, Arizona, ist die zentrale Lagerstätte der US-Streitkräfte für ausrangierte, stillgelegte Flugzeuge und einer der größten Flugzeugfriedhöfe der Welt. Wäre alles nach Plan verlaufen, hätte das Leben der 60-034, so die Seriennummer der "Wise Guy", nach beinahe sechs Jahrzehnten hier geendet. Die "Wise Guy" hätte ihre letzten Tage als Teilespender für andere B-52 gefristet und wäre wohl irgendwann komplett abgewrackt worden. Fliegen, das sollte sie eigentlich nie mehr. Doch es kam anders: Man brauchte sie tatsächlich wieder.

2016 verunglückte eine B-52H beim Start von der Andersen AFB in Guam. Um wieder auf 76 Flugzeuge zu kommen, wurde die "Wise Guy" wieder auf Vordermann gebracht. Foto: USAF

"Bis wir sie wieder brauchen"

Im Mai 2016 ging bei einem missglückten Startabbruch eine B-52H auf der Andersen AFB in Guam in Flammen auf. Das Flugzeug war nicht mehr zu retten – es musste Ersatz her. Die Wahl fiel mehr als zwei Jahre später schließlich auf die "Wise Guy". Obwohl dem Flugzeug zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Triebwerke fehlten und Risse im hinteren Fahrwerk klafften, machte sich ein gutes Dutzend Spezialisten daran, der "kalten Kriegerin" neues Leben einzuhauchen. Sie machten den Bomber wieder komplett, erneuerten Kraftstofftanks und -schläuche, tauschten alte Reifen gegen neue, puzzelten die Schluedersitze zusammen. Im Mai 2019 schließlich stieg die "Wise Guy", nach erfolgreichen Bodentests, erstmals seit zwölf Jahren wieder in den Himmel.

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U.S. Air Force Col. Robert Burgess, Commander der 307th Operations Group, saß persönlich am Steuer, als die „Wise Guy“ („Klugscheißer“) von einer Dreimanncrew nach Louisiana überführt wurde.

"Niedrig und langsam"

Es folgte die Überführung von Tucson auf die Barksdale AFB in Louisiana – "niedrig und langsam", wie die Pressestelle der US Air Force seinerzeit berichtete, und mit ausgefahrenem Fahrwerk. In Barksdale wurden die Systeme der B-52H binnen knapp zwölf Monaten auf den aktuellen Flottenstandard gebracht. Der dritte und letzte Schritt zum Dienst-Comeback erfolgte dann ab April 2020 auf der Tinker AFB in Oklahoma: die "Programmed Depot Maintenance", kurz PDM. Dabei wird die Flugzeugzelle vollständig entlackt, geprüft und repariert und alle elektrischen und mechanischen Systeme einer eingehenden Inspektion unterzogen.

Neue Heimat North Dakota

Auch diesen Prozess, der bei der B-52H etwa alle vier Jahre ansteht, hat die "Wise Guy" nun erfolgreich hinter sich gebracht. Fotos, veröffentlicht auf dem Portal "The Aviationist", zeigen das Flugzeug Mitte Dezember bei einem Testflug. Damit steht einer Rückkehr in den aktiven Einsatzbetrieb technisch wohl nichts mehr im Wege. Stationiert wird der Bomber auf der Minot AFB in North Dakota als Mitglied des 5th Bomb Wing. Demnächst dürfte die "Wise Guy" dort eintreffen – und damit ein neues Kapitel zu ihrer langen Einsatzgeschichte hinzufügen. Bei erst 17.000 Flugstunden im Logbuch beibt schließlich noch Luft nach oben.

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