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Mit der Tupolew Tu-95 durch die Nacht

Bomber-Training Mit der Tupolew Tu-95 durch die Nacht

Als vor über 60 Jahren die ersten Tupolew Tu-95 zur russischen Luftwaffe stießen, waren selbst die Väter ihrer heutigen Piloten teils noch nicht geboren. In der Region Saratow übten junge Flieger nun den Einsatz bei Nacht mit dem alten Turboprop-Schlachtschiff.

Wie viele Generationen von Piloten haben die Tu-95 der russischen Fernfliegerkräfte in ihrem Flugzeugleben schon gesehen – und wie viele werden sie noch sehen? Noch von Stalin beauftragt und seit 1956 im Dienst, ist die Tu-95 für Russland das, was die B-52 Stratofortress für die USA verkörpert: ein fliegender Dinosaurier, der auf Jahrzehnte noch unverzichtbar bleiben wird – weil es zu ihm keine Alternative gibt.

Mehr noch als die Stratofortress fasziniert die Tu-95 dabei mit ihrer rustikalen Urtümlichkeit. Allein die vier Kusnezow NK-12-Turbinen, die jeweils ein gegenläufiges Propellerpaar antreiben, sind eine Klasse für sich – technisch wie akustisch. Jeder der Motoren entfesselt 15.000 infernalisch dröhnende PS. Das bis heute stärkste Turboprop-Triebwerk, das je in Serie gefertigt wurde, beschleunigt die Tu-95 auf über 900 km/h – und macht den Bomber damit zum schnellsten Propellerflugzeug am Himmel. Dass die Tu-95 wegen ihres Antriebs auch ein riesiges Radarecho entsendet und kilometerweit zu hören ist? Geschenkt!

Neue Version für neue Piloten

250 Tu-95 diverser Varianten wurden einst in der Sowjetunion gebaut. Rund ein Drittel davon hat alle Modernisierungen über sich ergehen lassen und steht auch heute noch im Einsatz. Standardversion ist derzeit die Tu-95MS, optimiert für den Einsatz von Marschflugkörpern. In den kommenden Jahren sollen die verbliebenen Maschinen auf den neuen Standard MSM hochgerüstet werden – mit neuen Propellern, verbessertem Triebwerk und runderneuerter Avionik samt Phased-Array-Radar. Piloten, die heute ihre Ausbildung auf dem Turboprop-Monster erhalten, werden früher oder später in den Genuss der neuen Variante kommen. Am grundsätzlichen Layout ihres Fluggeräts wird sich allerdings wenig ändern: Der Duft der alten Zeit wird sie beim Einstieg durch die Bodenluke weiterhin empfangen.

Russisches Verteidigungsministerium
Nachts sind alle Bomber grau - aber diesen erkennt man trotzdem: Eine Tu-95MS landet nach ihrem nächtlichen Trainingsflug auf der Militärbasis Engels.

Erster Nachtflug mit dem Turboprop-Monster

In der russischen Oblast Saratow absolvierten junge Bomber-Crews jüngst eine Reihe von Trainingseinsätzen mit der Tu-95MS bei Nacht. Es seien ihre ersten Nachtflüge auf dem Muster gewesen, teilte das russische Verteidigungsministerium mit. Vom Militärflugplatz Engels aus starteten sie spätabends in der Dämmerung, volführten mehrere Touch-and-go-Manöver und übten die nächtliche Interaktion in der Luft mit der Flugleitung am Boden. Dabei erhielten sie Unterstützung von erfahrenen Instruktoren. Am Boden arbeiteten derweil Ingenieure und Techniker an Standards für die Wartung und Vorbereitung der Flugzeuge für wiederholte Flüge in festgelegten Zeitabständen. Insgesamt habe man während der Nachtschicht etwa zehn Einsätze absolviert, heißt es aus Engels.