Dänemark fliegt jetzt keine F-16 mehr – nur noch F-35A

Ab sofort nur noch F-35A
Dänemark fliegt jetzt keine F-16 mehr

ArtikeldatumVeröffentlicht am 19.01.2026
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Dänemark fliegt jetzt keine F-16 mehr
Foto: Finnische Luftwaffe

Die Lockheed Martin F-16 Fighting Falcon ist ab sofort nicht mehr bei der dänischen Luftwaffe im Einsatz. Mit einem finalen Formationsflug von vier dänischen F-16 endete am Sonntag, dem 18. Januar, auf dem Fliegerhorst Skrydstrup die über vier Jahrzehnte währende Laufbahn des bewährten Musters bei den Skandinaviern. Die allerletzte Landung einer F-16 in dänischen Diensten gebührte anschließend der noch im alten, hellgrauen Tarnschema lackierten Maschine mit dem Kennzeichen E-008. Die drei ebenfalls am Formationsflug vor der Ostseeküste beteiligten F‑16 – E-018, E-605 sowie der als Fotoflugzeug eingesetzte Doppelsitzer ET-612 – waren kurz vorher in Skrydstrup gelandet. Alle drei tragen bereits die neue, dunkelgraue Have Glass V-Lackierung mit radarabsorbierender Wirkung.

Die F-16, 77 hatte Dänemark insgesamt betrieben, waren ab 1980 die zentrale Säule der dänischen Luftverteidigung. Wie andere europäische NATO-Länder, namentlich Belgien, die Niederlande oder Norwegen, hatte auch Dänemark in der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre die ursprünglich von General Dynamics entwickelte F-16 als Ersatz für den Starfighter F-104 von Lockheed geordert.

Rüstige dänische F-16

Alle dänischen F-16 erhielten in den 1990er-Jahren ein umfassendes Mid-Life Upgrade (MLU) im Depot in Aalborg, das sie technisch auf der Höhe der Zeit hielt. Bis zuletzt waren die Maschinen größtenteils offenbar noch gut in Schuss. Bei seiner Ansprache am 18. Januar anlässlich der Außerdienststellung der letzten Exemplare betonte General Christian Hvidt, der 1980 die erste dänische F-16 nach Skrydstrup gebracht hatte und später zum Kommodore der ortsansässigen Staffel 727 sowie zu Dänemarks Verteidigungschef aufstieg: "Wir sprechen hier nicht über das Alter der F-16, denn sie wurde von den wohl besten Flugzeugtechnikern der Welt gewartet und wird von einigen der besten Piloten der Welt geflogen."

Die letzten dänischen F-16 beim Formationsflug vor der Ostseeküste.
FLVFOT-LR

Ukraine und Argentinien als Abnehmer

Tatsächlich warten auf zahlreiche der aufs Abstellgleis geschobenen dänischen F-16 nun im Ausland neue Aufgaben. 24 Exemplare haben die Dänen beispielsweise an Argentinien verkauft – "in enger Zusammenarbeit mit den USA", wie es seinerzeit aus der dänischen Hauptstadt Kopenhagen hieß. Andere F-16 lieferte Dänemark bereits in die Ukraine.

Die dänischen F-16 wurden zwar in Belgien bei SABCA und bei Fokker in den Niederlanden endmontiert, als Lizenzgeber besitzen aber nach wie vor die USA das letzte Wort bei einer möglichen Weitergabe der Jets. Washington hatte seinerseits im Herbst 2023 grünes Licht für den Verkauf nach Argentinien erteilt. Die ersten sechs Maschinen sind Ende 2025 dort eingetroffen.

Dänische F-16 im Messerflug
Patrick Hoeveler

Konzentration auf die F-35A

Die Dänen wiederum fliegen ab sofort nur noch ein einziges Kampfjet-Muster: die Lockheed Martin F-35A, von der Dänemark zunächst 27 Exemplare bestellt hatte, aber im Oktober 2025 Pläne bekanntgab, diese Zahl um weitere 16 auf nunmehr 43 Flugzeuge zu erhöhen. Die ersten F-35A mit der dänischen Kokarde am Rumpf und der Dannebrog-Flagge am Heck landeten im September 2023 in Skrydstrup. 15 Maschinen waren bis Jahresende 2025 insgesamt dort eingetroffen. Die Ausbildung von Piloten und Technikern auf dem neuen Muster findet hauptsächlich auf der Luke Air Force Base im US-Bundesstaat Arizona statt, wo zu diesem Zweck ebenfalls sechs dänische F-35 stationiert sind.

Drei dänische F-35 im Formationsflug
Dänische Luftstreitkräfte

Furcht vor Abhängigkeit von den USA

Mit dem Stealth-Kampfjet F-35A besitzt Dänemark nun zwar ein hochmodernes Flugzeugmuster, dessen Beschaffung und Betrieb im Land jedoch nicht nur für Begeisterungsstürme sorgt. Vor allem im Zuge des sich zuspitzenden Konflikts um Grönland, das unter dänischer Verwaltung steht, jedoch von US-Präsident Donald Trump als Territorium der USA beansprucht wird, werden in Dänemark die Stimmen lauter, die den Kauf des Tarnkappenmusters von Lockheed Martin als teuren und folgenschweren Fehler einstufen.

Primär geht es dabei um die Furcht, die USA könnten die ungehorsamen Dänen am langen Armn verhungern lassen, sollten diese sich gegen die Übergabe Grönlands an den "Großen Bruder" jenseits des Atlantiks sträuben. Mancher Beobachter hätte vor diesem Hintergrund lieber ein europäisches Muster wie die Saab Gripen E in den Reihen der dänischen Luftwaffe gesehen, anstatt sich durch die Beschaffung der F-35A von den USA und deren Support mit Missionsdaten, Ersatzteilen und Software-Updates abhängig zu machen.

Die ersten F-35A der dänischen Lufstreitkräfte trafen am 14. September in Skrydstrup ein.
Lockheed Martin

Dilemma um Grönland

Der Chef von Airbus Defence and Space, Michael Schöllhorn, hatte im Frühjahr 2025 gegenüber der Tageszeitung Augsburger Allgemeine eine ähnliche Sichtweise vertreten. "Wenn wir das Mehr an Verteidigungsausgaben nutzen, um weiter Produkte von der Stange in den USA zu kaufen, zementieren wir unsere Abhängigkeit", warnte Schöllhorn damals – und fügte hinzu: "Dass das vielleicht keine so gute Idee ist, sehen gerade die Dänen mit ihren amerikanischen F-35-Flugzeugen, falls sie auf die Idee kämen, Grönland zu verteidigen. Die kämen gar nicht bis dahin."