Per Lkw-Schwertransport kam die Mikojan MiG-29 kurz vor Ostern, im Schutz der Dunkelheit, zurück an ihre alte Wirkungsstätte. Beim damaligen Jagdgeschwader 73 "Steinhoff" am Fliegerhorst Laage in Mecklenburg-Vorpommern war der legendäre Sowjet-Fighter – ein Erbe der Luftwaffe der DDR – zwischen 1994 und 2003 im Dienst gestanden. "Die MiG-29 ist zurück in Laage", schrieb das Bundeswehr-Landeskommando am 8. April offiziell auf seiner Facebook-Seite – illustriert durch zwei Fotos, die den teildemontierten Jet vor einem Hangar das Geschwaders "Steinhoff" zeigen.
Mit der Anlieferung der MiG, die aus Polen nach Laage transportiert wurde, "kehrt ein echtes Stück Standortgeschichte zurück", so die Bundeswehr auf Facebook weiter. Aufmerksame Kritiker bemängelten sogleich, dass das herangekarrte Flugzeug weder Triebwerke noch Schubdüsen besitzt. Diese sollen allerdings bald nachgeliefert werden, sodass die MiG-29 optisch ihr originales Erscheinungsbild zurückerhält. Dagegen wird das weitgehend leergeräumte Cockpit dauerhaft verwaist bleiben: Fliegen wird die ausrangierte MiG nämlich nicht mehr.
MiG-29-Doppelsitzer als Sockelflugzeug
Stattdessen plant die Luftwaffe, die geschichtsträchtige "Fulcrum" (so der NATO-Codename für die MiG-29) zeitnah vor Ort als "Gate Guard" auszustellen. Spätestens zum Tag der Bundeswehr am 6. Juni soll sie in dieser Rolle tageslichttauglich präsentabel sein.
Bei der zum Sockeldienst auserwählten Maschine handelt es sich um die MiG-29GT mit der ehemaligen Bundeswehr-Kennung 29+25 – einen als MiG-29UB ("Fulcrum-B") in der UdSSR gebauten Doppelsitzer, der (wie die anderen Ex-DDR-MiGs) nach der Wende im Auftrag der Luftwaffe auf NATO-Standard umgerüstet wurde. 2003 wechselte er ins Inventar der polnischen Luftwaffe. Dort erhielt das Flugzeug die Kennzahl 4123 und war bis mindestens 2021 bei der 41 Eskadra Lotnictwa Taktycznego auf dem Fliegerhorst Malbork (Marienburg) aktiv.

Der zum Straßentransport teildemontierte MiG-29-Doppelsitzer nach seiner Ankunft aus Polen in einem Hangar des Taktischen Luftwaffengeschwaders 73 "Steinhoff".
"Fulcrum" bei der Luftwaffe
Die Bundeswehr hatte 1990 insgesamt 24 MiG-29 in ihr Arsenal übernommen, die zuvor beim NVA-Jagdgeschwader 3 in Preschen eingesetzt worden waren. Bei der wiedervereinigten Luftwaffe kamen sie unter das Kommando des neu formierten Jagdgeschwaders 73 "Steinhoff" und blieben zunächst in Preschen (Brandenburg), bevor sie 1994 auf den Fliegerhorst Laage vor den Toren Rostocks umzogen.

Die deutsche Luftwaffe übernahm nach der Wiedervereinigung 24 MiG-29 aus DDR-Beständen, ließ sie auf NATO-Standard umrüsten und flog sie bis 2003.
Für einen Euro nach Polen
Mit Einführung des Eurofighter endete für die Relikte des Kalten Krieges, die bei ihren Piloten anhaltend beliebt waren und auch in Übungsszenarien mit NATO-Verbündeten zu bewährten Sparringspartnern avancierten, der Dienst unter deutscher Flagge. 2003 verkaufte die Bundesrepublik ihre MiGs – alle bis auf eine – zum symbolischen Preis von einem Euro nach Polen. Das einzige in Deutschland verbliebene Exemplar fand seine letzte Ruhe auf dem Gelände des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Berlin-Gatow.
MiG-29 mit Flugvorführung in Laage?
Dort fliegt die MiG-29 noch bis heute, wenngleich nicht mehr allzu lange. Womöglich könnte am 6. Juni zum Tag der Bundeswehr in Laage jedoch auch eine fliegende polnische MiG-29 am Himmel zu bestaunen sein. Hinter den Kulissen wird daran jedenfalls gearbeitet, wie zu vernehmen ist. 7
Da Polen seine letzten MiGs zeitnah außer Dienst stellen (und womöglich in die Ukraine weiterreichen) möchte, wäre es wohl das letzte Mal, dass die Silhouette der MiG-29 über Mecklenburg-Vorpommern auftaucht.





