Digitales Rollenspiel im Flug
USAF baut F-16 zum fliegenden Simulator X-62 um

Die US Air Force hat eine ältere F-16 ihrer Testpilotenschule zur X-62 umgebaut, die im Flug die Software künftiger Fighter und Drohnen zuschalten kann, während Testpiloten deren Arbeit überwachen und bei Bedarf auf die herkömmliche Bordelektronik der F-16 zurückgreifen können.

USAF baut F-16 zum fliegenden Simulator X-62 um
Foto: USAF

Das Air Force Research Laboratory Strategic Development Planning and Experimentation Office (AFRL) habe den Umbau mit 15 Millionen Dollar finanziert, teilte die US Air Force mit. Die Abteilung Autonomous Aircraft Experimentation Team habe eine stark modifizierte NF-16D der Air Force Test Pilot School unter der neuen Typenbezeichnung X-62 umgerüstet, um die Entwicklung autonom fliegender, unbemannter Flugzeuge zu beschleunigen. Die auch im Rahmen des Forschungsprogramms "Variable In-flight Stability Test Aircraft", Testflugzeug mit variabler Flugstabilität, (VISTA) seit 2001 eingesetzte X-62 könne im Flug die Software künftiger Luftfahrzeuge zuschalten. Damit nehme das Flugzeug auf Knopfdruck deren Flugeigenschaften an. Mit VISTA wurde unter anderem vorab die F-35-Flugsteuerung entwickelt.

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"Skyborg" steuert Drohenschwärme

Zur künftig getesteten Software gehöre das bei der Air Force entwickelte, modulare Steuerungssystem "Skyborg Autonomy Control System" und Software von Industriepartnern. Skyborg soll neuartige, unbemannte und kostengünstige Drohnen in Massenformationen steuern, die bemannte Luftfahrzeuge bei kritischen Einsätzen unterstützen. Seit März 2021 hatte das Autonomous Aircraft Experimentation Team der USAF bereits 16 Testflüge für Skyborg durchgeführt, bei denen Drohnen der Reihen Kratos XQ-58 Valkyrie, UTAP-22 Mako und General Atomics MQ-20 Avenger eingesetzt wurden.

Sandbox verhindert Systemabsturz

Die X-62 lässt ihre fremde Testsoftware in einer sogenannten "Safety Sandbox" laufen, so dass die Regeln der Flugsteuerung fremder Plattformen immer isoliert werden können. Zwei Besatzungsmitglieder an Bord der X-62, darunter ein Pilot, können das Arbeiten des Gastsystems im Flug beurteilen und bei Bedarf eingreifen. Die Testmethode orientiere sich an den Tests der Automobilindustrie bei der Entwicklung autonomer Fahrzeuge.

Verzehnfachtes Entwicklungstempo

Die Flugtests sollen im Herbst beginnen. Dabei fliegt die X-62 selbst nach den Flugsteuerungsregeln einer Drohne neben einer unbemannten Plattform her, mit der sie taktische Sensorinformationen austauscht. Die größten Modifikationen an der X-62 waren ihr VISTA-Simulationssystem, mit der sie die Flugcharakteristik anderer Luftfahrzeuge annehmen kann und ein separates Flugsteuerungssystem für autonome Steuereingaben. Die USAF erwartet, dass sich das Entwicklungstempo verzehnfacht, da man die Software neuer, "Hochrisiko"-Drohnenentwürfe nun schon direkt im Flug beurteilen könne. Die Rückfallebene des manuellen Fliegens ermögliche das viel höhere Testtempo. Die "Sandbox" an Bord der X-62 schalte die Gastsoftware automatisch ab, sobald das VISTA-System an die vorher eingegebenen Grenzen stoße.

Partnerschaft mit Skunkworks und Calspan

Dr. M. Christopher Cotting, USAF Test Pilot School Director of Research, sagte VISTA werde in Zusammenarbeit mit Calspan Corporation und Lockheed Martin Skunkworks betrieben und gewartet. Dazu gehört eine neue Computerarchitektur für Softwaretests autonomer Systeme von Skunkworks. Calspan hat das VISTA-System überarbeitet, das nun ein breiteres Spektrum an Flugeigenschaften und unterschiedliche Kontrollregeln zugleich einspeisen kann. Der Steueralgorithmus für die Flugmodelle lässt sich zu den jeweiligen Softwareentwicklern übertragen, deren jeweilige Testsoftware dann nahtlos in die X-62 passt.

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