Patrick Zwerger
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A321LR für die Luftwaffe: Ein Hauch von "Military Business Class"

Erste A321LR für die Luftwaffe Ein Hauch von „Military Business Class“

Lufthansa Technik hat heute auf der ILA in Berlin feierlich den ersten von zwei Airbus A321LR an die Luftwaffe übergeben. Bald schon soll das neue Flugzeug seine ersten Einsätze fliegen. Ganz fertig ist es allerdings noch nicht: es fehlt der MedEvac-Rüstsatz.

Truppentransporter, VIP-Flieger, Intensivstation: Für ihre erste neue A321LR hält die Luftwaffe ein breitgefächertes Aufgabenspektrum parat. Um dem gerecht zu werden, hat Partner Lufthansa Technik den fabrikneuen Jet in den vergangenen sechs Monaten mit einer maßgeschneiderten, modular aufgebauten Kabine ausgestattet, die bis zu 18 unterschiedliche Ausstattungsvarianten erlaubt. Das Maximum liegt bei 136 Passagieren. Die Reichweite von 7.778 Kilometern erlaubt problemlos Interkontinentalflüge – sowohl für Delegationen im parlamentarischen Betrieb als auch für Soldaten mit Marsch- und Einsatzgepäck. Für den Einsatz als fliegendes Krankenhaus ist der Einbau neuer MedEvac-Rüstsätze geplant, die den Transport von sechs Intensivpatienten oder zwölf weniger schwer verletzten Personen möglich machen sollen.

Patrick Zwerger
Die erste A321LR der Luftwaffe trägt das Taktische Kennzeichen 15+10 und fliegt bis zu 7.778 Kilometer weit.

MedEvac kommt erst noch

Auch hierfür hat Lufthansa Technik nach eigener Aussage schon zahlreiche technische Vorkehrungen getroffen – und das Flugzeug zum Beispiel schon auf die notwendige Versorgung der Patientenmodule mit Sauerstoff vorbereitet. Was noch fehlt, sind die Rüstsätze selbst. Die sind nämlich noch nicht zugelassen, weder zivil noch militärisch. Damit fällt ein wichtiger Einsatzbereich der neuen A321LR vorerst weg – was vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die letzte A310MRTT kürzlich aus dem Dienst ausschied und die multinational betriebenen A330MRTT für die MedEvac-Rolle ebenfalls noch nicht freigegeben sind, nicht wirklich optimal ist. Zur Kompensation springt vorübergehend ein zweiter Airbus A400M in die Bresche, der in 24-Stunden-Bereitschaft an seinem Heimatstandort Wunstorf parat steht. Wenn alles klappt, wird die A321LR Mitte 2023 übernehmen.

Lufthansa Technik
Die Kabine der A321Lr ist modular aufgebaut, um für ein breites Spektrum an Aufgaben gerüstet zu sein.

"Signal an die Truppe"

Nichtsdestotrotz zeigte sich Ingo Gerhartz, Generalinspekteur der Luftwaffe, bei der symbolischen Übergabe der neuen Maschine heute Mittag auf der ILA in Berlin höchst erfreut. "Für mich steht im Vordergrund, dass der Airbus A321 Long Range im grauen Anstrich ein klares Signal an die Truppe sendet. Die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr freuen sich über den neuen Truppentransporter", so der Luftwaffenchef. Die Kabine sei ein "Upgrade in die Military Business Class", erklärte Gerhartz weiter. Benedikt Zimmer, Staatssekretär im Verteidigungsministerium, unterstrich, dass von der Finanzierungszusage bis zur Auslieferung der A321LR nur zwei Jahre vergangen seien. "Ein Beispiel dafür, wie schnell die Beschaffung marktverfügbarer Produkte laufen kann."

Messe Berlin
Vorerst durften die Offiziellen der Flugbereitschaft nur ein Modell ihres neuen Flugzeugs mit nach Hause nehmen. Das Original flog zurück nach Hamburg.

Bald erste Einsätze

Direkt mitnehmen konnte die Luftwaffe den Neuzugang mit der Taktischen Kennung 15+10 allerdings nicht. Stattdessen fliegt die A321LR zunächst wieder zurück nach Hamburg, denn der bislang zivil zugelassenen Maschine fehlt noch das finale "Go!" in Form der offiziellen militärischen Zulassung. Das sei im Normalfall jedoch nur eine Frage von Tagen bis wenigen Wochen, so Lufthansa Technik-Sprecher Michael Lagemann. Die ersten Flight-, Cabin- und Technik-Crews der Luftwaffe seien bereits durch Lufthansa Technik und Lufthansa Technical Training geschult worden. Damit kann die Flugbereitschaft sofort loslegen, sobald die Behörden grünes Licht geben. "Unser neuer Airbus wird schon bald in Richtung Westen über den Atlantik fliegen, um beispielsweise Wechselcrews der Marine in Lateinamerika abzuholen, er wird unsere Heeres-Kameraden nach Litauen fliegen oder unsere Soldatinnen und Soldaten nach Afrika", erklärte Ingo Gerhartz erwartungsfroh.

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