Peru braucht dringend neue Kampfjets, aber bei der Beschaffung geht es nicht voran. Interimspräsident José María Balcázar hat entschieden, die finale Vergabe eines der größten Rüstungsaufträge in der Geschichte des Landes nicht mehr selbst zu unterzeichnen. Das soll stattdessen die künftige Regierung übernehmen.
Für ein Übergangskabinett sei es schlicht unangemessen, die neue Regierung durch eine derart weitreichende finanzielle Verpflichtung zu binden, begründete er den Schritt.
24 Kampfflugzeuge für 3,5 Milliarden Dollar
Konkret geht es um die Anschaffung von 24 Kampfflugzeugen des Typs F-16 Block 70/72. 20 einsitzige und vier zweisitzige Maschinen sollen es werden. Außerdem soll noch eine Boeing KC-135 beschafft werden.
Das Gesamtvolumen des Vorhabens wird auf rund 3,5 Milliarden US-Dollar veranschlagt. 2024 plante die Regierung unter Präsident Dina Boluarte, die Summe durch Staatsanleihen zu finanzieren. An der folgenden Ausschreibung beteiligten sich Lockheed Martin, Saab und Dassault.
Ein Jahrzehnt der Suche nach neuen Jets
In Südamerika liefern sich die großen internationalen Hersteller ein knappes Rennen. Brasilien und Kolumbien haben sich beide für die Saab Gripen E/F entschieden. Chile setzt hingegen bereits auf (ältere) F-16, und Argentinien hat zuletzt 24 gebrauchte Exemplare aus dänischen Beständen übernommen. In Peru war die Entscheidung lange unklar und steht ohne Kaufvertrag auch noch immer nicht fest.
Balcázar ist der achte Staatschef Perus innerhalb eines Jahrzehnts. Das Parlament hatte ihn im Februar als Nachfolger eines Interimspräsidenten ins Amt gewählt, der seinerseits bereits nach vier Monaten wegen Korruptionsvorwürfen abgesetzt worden war.
Am vergangenen Sonntag wählten die Peruaner einen neuen Präsidenten. Ein klares Wahlergebnis gab es allerdings nicht, denn keiner der 35 Kandidaten erzielte eine absolute Mehrheit.
Am 28. Juli wird dann der neue Präsident das Amt übernehmen und soll dann über die Kampfjet-Beschaffung entscheiden. Dass das nicht einfach sein wird, zeigt allein schon die Tatsache, dass alle Vorgänger andere Kampfjets im Auge hatten.
Unter Ex-Präsidentin Dina Boluarte galt zunächst die schwedische Saab Gripen E als Favorit. Ihr Nachfolger und Unterstützer der Trump-Regierung José Jerí schwenkte dann auf die F-16 von Lockheed Martin um. Auch er wurde abgesetzt, bevor eine Entscheidung fiel.
Angeblich Zeremonie abgesagt
Als der aktuelle Interimspräsident Balcázar im März in einem Fernsehinterview andeutete, er werde die von Jerí mit Washington getroffene Vereinbarung zum F-16-Kauf fortführen, folgte tags darauf eine offizielle Gegendarstellung aus seinem eigenen Büro: Der Prozess sei "noch nicht abgeschlossen". Ob hinter den Kulissen längst eine fixe Abmachung mit Lockheed Martin existiert, ist nicht bekannt.
Peruanischen Medienberichten zufolge war eine Unterzeichnungszeremonie bereits terminiert und wurde kurzfristig wieder abgesagt. Der US-Botschafter in Lima soll öffentlich davor gewarnt haben, bilaterale Interessen zu gefährden. Balcázar wies die Kritik zurück und betonte, dass der Kauf als solcher nicht infrage gestellt werde.





