Geht sie am Ende doch in Serie, die Il-96-400M? Wohl eher nicht. Der Iljuschin-Vierstrahler ist zwar das modernste Großraumflugzeug in Russlands Portfolio und zweifellos eine beeindruckende Erscheinung.
Zugleich ist die Il-96-400M mit ihren vier PS-90A1-Turbofans aber technisch so hoffnungslos im Hintertreffen, dass bislang nicht eine einzige Fluggesellschaft so etwas wie Interesse an dem "neuen" Widebody bekundet hat – weder in Russland noch irgendwo sonst auf der Welt. Und das, obwohl gerade für russische Airlines der Betrieb mit westlichen Airlinern wie Boeing 777 oder Airbus A330 und A350 aufgrund der Sanktionen mit immer schwieriger wird.
Schon der Zusammenbau der Il-96-400M zog sich über Jahre wie im Schneckentempo dahin. Der Jungfernflug am 1. November 2023 in Woronesch wurde in Russland zwar als nationales Ereignis gefeiert – seither verschwand die große, modernisierte Schwester der kommerziell ebenfalls gefloppten Il-96-300 allerdings weitgehend von der Bildfläche. Abgesehen von gelegentlichen Testflügen rückte die Il-96-400M jedenfalls kaum mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit.
Il-96-400M über Jakutsk
Das änderte sich allerdings in der vergangenen Woche, als die Silhouette der Il-96-400M plötzlich in Russlands fernem Osten auftauchte. Insbesondere aus Jakutsk meldeten regionale Medien vermehrte "Sichtungen" des großen Flugzeugs mit dem Kennzeichen RA-96115.
Auch ein Exemplar der kleineren Il-96-300 drehte über der Hauptstadt der Republik Jakutien seine Kreise – was den Pressedienst des Flughafens Jakutsk auf Nachfrage zu einer entsprechenden Stellungnahme veranlasste: "Aufgrund zahlreicher Anfragen aus den Medien und der Öffentlichkeit teilen wir Ihnen mit, dass die Flüge der Prototypflugzeuge Il-96-300 und Il-96-400M, die über Jakutsk gesichtet wurden, geplant sind", so die Staatsholding.

Il-96-400M (rechts hinten) und Il-96-300 (Nasenspitze links) testen derzeit gemeinsam vom Flughafen Chabarowsk aus.
Was wurde in Ostrussland getestet?
Gelandet sind die Jets in Jakutsk allerdings nicht, stattdessen nutzten sie den Luftraum über der Stadt und deren Einzugsgebiet lediglich als Testareal. Auf seinem hauseigenen Telegram-Kanal schob das russische Flugzeugbau-Konsortium UAC (OAK) nach, die beiden Iljuschins hätten gemeinsam für Flugtests auf den Flughafen Chabarowsk verlegt. Von dort aus würden Iljuschin-Spezialisten mit der Il-96-400M und der Il-96-300 "eine Reihe von Flügen vollführen, um die Funktionsweise der neuen Bordausrüstung und der modernisierten Flugzeugsysteme zu bewerten."
Was die Tests konkret zum Inhalt haben, verriet UAC nicht. Auch welche Il-96-300 die größere Il-96-400M vor Ort begleitet, blieb offiziell unklar. Es dürfte sich allerdings um die 1992 gebaute Maschine mit der Kennung 96007 handeln, die zunächst für Aeroflot im Passagierdienst flog, ab 2015 vier Jahre in Woronesch eingelagert war und seit 2019 als fliegendes Testlabor in Schukowski bei Moskau stationiert ist.

Während die älteren Il-96 für den Betrieb mit drei Mann im Cockpit ausgelegt sind, lässt sich die modernisierte Il-96-400M wohl mit nur zwei Mann einsetzen.
Quo vadis Il-96-400M?
Was perspektivisch mit der Il-96-400M passiert, bleibt indes weiter nebulös. Über das Dasein als Testträger wird sie bis auf Weiteres wohl nicht hinauskommen. Als Passagierflugzeug in Serie gehen dürfte sie, wie eingangs schon erwähnt, vermutlich nie. Dafür ist das Muster zu veraltet, die Resonanz der Airlines zu marginal und die Produktionskapazität im WASO-Flugzeugwerk von Woronesch mutmaßlich zu gering.
Noch nicht einmal im ursprünglichen Programm der russischen Regierung für die einheimische Zivilluftfahrt aus dem Frühsommer 2022 kam die Il-96-400M vor. Dort war stattdessen der Bau von zwölf Il-96-300 bis Ende 2030 vermerkt.
Für dieses technisch noch staubigere Flugzeug gingen seitdem aber ebenfalls keine kommerziellen Aufträge ein. Einziger Abnehmer ist die Spezialflugstaffel der russischen Regierung, dank der die (homöopathische) Fertigung in Woronesch schon vor 2022 auf Sparflamme aufrechterhalten werden konnte.





