Vom Airbus-Hauptwerk in Toulouse bis in Australiens zweitgrößte Stadt Melbourne sind es Luftlinie rund 17.000 Kilometer. Nonstop schafft das bislang kein Passagierflugzeug am Markt, zumindest nicht mit fast 240 Fluggästen an Bord.
Die wird die erste A350-1000ULR für Qantas zwar auch nicht leibhaftig in der Kabine Platz nehmen lassen, wenn sie sich planmäßig in einer Woche auf ihren ultimativen Nonstop-Härtetest aus Südfrankreich in Richtung Melbourne aufmacht. Dafür führt das zukünftige Qantas-Flaggschiff auf seinem 22-Stunden-Testflug rund fünf Tonnen Messausrüstung mit – und wassergefüllte Röhren auf den Passagiersitzen. Sie sollen die Wärmeabgabe echter Paxe simulieren, damit sich die bordeigenen Klima- und Kühlsysteme unter realen Bedingungen beweisen können.
Gegenüber dem Portal Executive Traveler bestätigte Airbus, dass die noch mit der französischen Testkennung F-WULR fliegende A350-1000ULR am 24. Juli in Melbourne eintreffen soll. Eine genaue Uhrzeit für Start und Landung gibt es allerdings noch nicht. Der maßgeschneiderte Marathon-Airbus für Australiens größte Airline war am 2. Juni zu seinem Jungfernflug gestartet – und befindet sich seither in der Flugerprobung.
A350-1000ULR gegen "Tyrannei der Distanz"
Qantas braucht die A350-1000ULR für das große Vorhaben, Nonstopflüge von Sydney nach London (und von Sydney nach New York) zu absolvieren. Mit dem sogenannten "Project Sunrise" wollen die Australier die "Tyrannei der Distanz" endgültig überwinden, mit der sie sich seit jeher konfrontiert sehen.
Seit 2019 arbeitete Airbus an der Umsetzung des Projekts – und verbaute in sein größtes aktuelles Flugzeug einen zusätzlichen Tank im hinteren Rumpf, der dem Großraum-Zweistrahler 1852 Kilometer zusätzliche Reichweite bescheren soll. Die Gesamtreichweite der A350-1000ULR ist mit maximal 18.500 Kilometer projektiert. Die speziell für diese Ultralangstrecke optimierte Kabine fasst 238 Sitze – darunter 140 in der Economy Class.

Auf die Testcrew der A350-1000ULR wartet ein ultralanger Flug von etwa 22 Stunden Dauer.
Marathon-Test unter Realbedingungen
Während Qantas für den Linienbetrieb auch eine "Wellbeing Zone" einplant, in der sich Fluggäste aller Sitzklassen auf der langen Reise die Beine vertreten können, ist die Kabine der ersten A350-1000ULR F-WULR (MSN 707) auf dem Testflug nach Down Under vollgestopft mit Messtechnik. Mehr als 1000 Sensoren sollen an Bord alle relevanten Parameter aufzeichnen und ein möglichst umfassendes Bild der realen Belastung für Flugzeug, Besatzung und Passagiere auf einem Nonstop-Trip mit 22 Stunden Dauer liefern.

Die Kabine der A350-1000ULR ist mit über 1000 Sensoren ausgestattet. Wassergefüllte Röhren auf den Sitzen simulieren Körpertemperatur und Wärmeabgabe echter Fluggäste.
So steht es um das "Project Sunrise"
Qantas hat von der A350-1000ULR insgesamt zwölf Exemplare bestellt. Die erste Auslieferung an die Airline ist für April 2027 geplant. Dafür ist die zweite A350-1000ULR (MSN 814) vorgesehen, die bereits fast komplett montiert und fertig lackiert ist. Aktuell fehlen dem Twinjet allerdings noch seine beiden Trent XWB-Triebwerke von Rolls-Royce. Auch die nach wissenschaftlichen Erkenntnissen gestaltete Vierklassenkabine harrt noch ihres Einbaus.
Zuvor müssen ohnehin noch einige spezifische Eigenheiten des Innenausbaus zertifiziert werden. Dazu zählen eine neue Luftkühlung für die Küchen, leichtere Kühlschränke für extrem lange Flüge und eine verbesserte Belüftung in der Kabine.
Qantas selbst rechnet aktuell damit, im Oktober 2027 mit den ersten Nonstop-Linienflügen von Sydney nach London zu starten.





