F-16V statt Super-Gripen für Peru? Das ist noch nicht klar

„Prozess noch nicht finalisiert“
F-16V statt Super-Gripen für Peru?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 23.03.2026
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Peru hat schon den dritten Präsidenten binnen eines halben Jahres – was sich auf die Entscheidungsfreude der Regierung in Bezug auf neue Kampfjets nicht besonders förderlich auswirkt. Nachdem die Regierung von Ex-Präsidentin Dina Boluarte zunächst stark für die Saab Gripen E aus Schweden optiert hatte, favorisierte ihr Nachfolger im Amt, José Jerí, als ausdrücklicher Unterstützer Donald Trumps plötzlich die Lockheed Martin F-16V. Allerdings wurde auch Jerí, wie zuvor Boluarte, inzwischen als Staatschef wieder abgesetzt. Seit dem 18. Februar amtiert jetzt José María Balcázar als Interimspräsident – bis Ende Juli wieder neu gewählt wird.

Am 20. März hatte das Portal SA Defensa gemeldet, der neue Amtsinhaber spreche sich ebenfalls, wie sein Vorgänger Jerí, für die F-16 aus – und damit gegen Saab und seine Super Gripen. SA Defensa bezieht sich auf ein Fernsehinterview von Balcázar mit dem Sender Exitosa, in dem der Präsident ausführte, er werde die von seinem Amtsvorgänger mit den USA getroffene Vereinbarung zum Kauf "moderner Kampfjets" erfüllen. "Ich muss das fortsetzen, denn es ist eine bereits entschiedene Situation", so Balcázar wörtlich.

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"Prozess ist noch nicht abgeschlossen"

Allerdings scheint der vermeintliche Deal mit Lockheed Martin doch noch keiner zu sein – zumindest veröffentlichte das Büro des peruanischen Präsidenten am Folgetag des Interviews, also am 21. März, über seinen X-Account eine Stellungnahme, in der es zur Kaufabsicht eines neuen Fighter-Musters für die peruanische Luftwaffe heißt: "Der Prozess, der unter der ehemaligen Präsidentin Dina Boluarte begann, wurde unter der Regierung des ehemaligen Präsidenten José Jerí fortgesetzt und dauert auch unter unserer Regierung an. (...) Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Sobald er abgeschlossen ist, erfolgt eine öffentliche Bekanntmachung gemäß den geltenden Bestimmungen, die während des gesamten Prozesses strikt eingehalten wurden."

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Was gilt denn jetzt?

Nun könnte es einerseits sein, dass Präsident Balcázar im Gespräch mit dem Sender Exitosa – bewusst oder unbewusst – die Unwahrheit gesagt hat und die peruanische Regierung in der Tat noch keine finale Entscheidung für ein neues Kampfflugzeug getroffen hat. Immerhin wurde bereits unter Ex-Präsident Jerí eine solche Entscheidung nicht vor April 2026 erwartet.

Möglich ist allerdings auch, dass sehr wohl bereits eine fixe Vereinbarung mit den USA und Lockheed Martin existiert, diese aber noch nicht kommuniziert werden sollte – und Staatsoberhaupt Balcázar sich im Live-Interview schlichtweg verplappert hat. Die Reaktionen einiger Kommentatoren auf X und auch auf dem Youtube-Kanal von Exitosa fallen mehrheitlich entsprechend wutentbrannt aus. Von "Verrat" ist dort wiederholt die Rede – und dass man Balcázar deshalb direkt wieder seines Amtes entheben solle. Jedenfalls kommen die USA in den Kommentarspalten nicht sonderlich gut weg. "Der Kauf von F-16 würde bedeuten, die nationale Verteidigung an die USA abzugeben", bringt ein Kommentarschreiber die vorherrschende Sicht der Dinge auf den Punkt. "Peru braucht Autonomie in der nationalen Verteidigung." Seiner Meinung nach sei die Dassault Rafale hierfür die beste Kandidatin.

Entscheidung naht (vermutlich)

Ob es am Ende doch noch zu einem Überraschungsentscheid für ein Muster aus Europa kommt und entweder die Rafale oder die von Ex-Ex-Präsidentin Boluarte favorisierte Super-Gripen das Rennen macht, oder ob Lima den F-16V-Deal mit Lockheed Martin offiziell finalisiert, sollte sich bald schon zeigen. Ewig können die Peruaner die Frage schließlich nicht mehr offen lassen – wenngleich sich das Land seit jeher parallel auch die Debatte leistet, ob neue Kampfflugzeuge für Perus Zukunft überhaupt Priorität haben.