Die Sache birgt jede Menge Sprengstoff: Fliegen "Veteranen" aus den Niederlanden und den USA im Cockpit ukrainischer F-16 in der Ukraine Kampfeinsätze gegen russische Drohnen? Das schrieb Anfang der Woche das französische Geheimdienst-Portal Intelligence Online. Ukrainische Medien griffen den Bericht auf – und so landete die Meldung letztlich auch im deutschen Fernsehen.
Laut Intelligence Online habe die Ukraine "eine Staffel aus ukrainischen, US-amerikanischen und niederländischen Piloten zum Schutz des Kiewer Luftraums zusammengestellt." Die Aufgabe dieser speziellen Staffel, bestehend aus "erfahrenen Veteranen", sei die "Abwehr russischer Marschflugkörper und Drohnen" rund um die ukrainische Hauptstadt. Aufgrund der politischen Brisanz, dass (ehemalige) NATO-Piloten für die Ukraine gegen Russland fliegen, habe man die Einheit "in den vergangenen Wochen unter strengster Geheimhaltung aufgestellt", schrieb Intelligence Online weiter.
Das Team umfasse unter anderem US-amerikanische Piloten mit umfangreicher Kampferfahrung in Afghanistan. Einer von ihnen habe erst kürzlich an Operationen im Nahen Osten teilgenommen und sei anschließend zur Verteidigung der Ukraine abkommandiert worden.
Söldner für sechs Monate
Aus den Niederlanden seien Piloten in die Ukraine gekommen, die ihre Ausbildung "an europäischen Elite-Luftkampfschulen" genossen hätten und auf moderne Abfangtaktiken sowie "Hightech-Luftkriegsführung" spezialisiert seien. Laut Intelligence Online unterschrieben die westlichen Kampfpiloten als Söldner für die Ukraine entsprechende Verträge, befristet auf sechs Monate. Offizielle Dienstgrade innerhalb der ukrainischen Streitkräfte bekleiden sie demzufolge nicht.

Die Ukraine setzt seit August 2024 die aus NATO-Gebrauchtbeständen gelieferten F-16 ein. Maßgeblich kommen sie bei der Abwehr von Drohnen und Marschflugkörpern rund um Kiew zum Zug.
"Tom Cruise ist der Staffelkapitän"
Das Dementi aus Kiew kam am Dienstag postwendend: Das seien alles "lediglich Gerüchte", ließ Jurij Ignat, Kommunikationschef der ukrainischen Luftwaffe, offiziell verlauten. Und zog die Angelegenheit ins Lächerliche, als er nachschob, er habe gehört "Tom Cruise ist der Staffelkapitän" – in Anspielung an den US-Kultfilm "Top Gun" mit Tom Cruise als Pilot "Maverick" in der Hauptrolle.
Die Quelle, die das Gerücht der westlichen Piloten in ukrainischen Diensten in die Welt gesetzt habe, genieße einen "zweifelhaften Ruf", so Ignat weiter. Schon allein deswegen seien die Berichte über die Beteiligung ausländischer Piloten an Kampfeinsätzen über Kiew "fragwürdig". Gegenüber der Nachrichtenagentur Ukrinform fragte Ignat: "Haben Sie von diesem Medium überhaupt schon mal gehört? Ich persönlich habe erst gestern davon erfahren."
Ukraine betont Leistung eigener Piloten
Ignat betonte, dass die Ukraine selbst gut ausgebildete Piloten habe, die sich auf den effizienten Einsatz der seit Sommer 2024 in ukrainischen Diensten stehenden F-16 bestens verstünden. "Heute Morgen waren sie für den Großteil der abgeschossenen Marschflugkörper verantwortlich", erklärte der Luftwaffensprecher. Es sei jedoch auch aufschlussreich, die Reaktion der Russen auf die Meldung von Intelligence Online zu beobachten. "Sie weigern sich weiterhin hartnäckig, an den Erfolg der ukrainischen Piloten und die Entwicklung der Luftstreitkräfte im Bereich der Luftfahrt zu glauben."
Gegenüber Ukrinform präzisierte Ignat zudem, die kolportierte Kampferfahrung in Afghanistan, die einige der von Intelligence Online angesprochenen US-Piloten angeblich besäßen, seien in der Ukraine weitgehend nutzlos, da dieser Konflikt anderen Gesetzmäßigkeiten folge. "Das ist ein ganz anderer Krieg", unterstrich Ignat. In Wahrheit habe die ukrainische Seite ihrerseits den westlichen Partnern "viel an Taktiken für das Agieren unter den heutigen Bedingungen zu vermitteln" und nicht umgekehrt. "Unsere Piloten erzielen Ergebnisse, die Ausländer wirklich überraschen – wie geschickt und effektiv die uns von befreundeten Nationen gelieferten Flugzeugtypen eingesetzt werden können", unterstrich Ignat.

Westliche Kampfpiloten im Cockpit ukrainischer F-16? Möglich wär's - Beweise dafür (oder dagegen) gibt es bislang nicht.
Was stimmt denn jetzt?
Tatsächlich existierten Gerüchte, westliche Kampfpiloten wären mitsamt "ihren" F-16 in die Ukraine gegangen, seien hierfür von ihren eigentlichen Streitkräften aus dem NATO-Raum beurlaubt worden und entsprechend als irreguläre Söldner im Dienste Kiews unterwegs, schon seit Längerem. Belege dafür (oder dagegen) blieben jedoch stets außen vor.
Grundsätzlich wäre die Anwesenheit von Flugzeugführern aus den USA, den Niederlanden und anderen westlichen Staaten nicht überraschend – mangelt es den Ukrainern doch seit Langem an Soldaten und erst recht an einer ausreichend großen Zahl erfahrener Kampfpiloten.
Zudem fehlt auch den im Westen auf F-16 ausgebildeten Ukrainern die Erfahrung im Umgang mit diversen Waffensystemen, wie etwa dem Sniper-Zielbehälter zur präzisen Ortung und Verfolgung beweglicher Luft- und Bodenziele.





