Fliegendes Kanonenboot gegen Kamikaze-Drohnen: M28 Skytruck als "Gunship"

Polnische M28 als „Gunship“
Fliegendes Kanonenboot gegen Kamikaze-Drohnen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 27.03.2026
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PZL M28 Skytruck - Vom Transportflugzeug zum Anti-Drohnen-Gunship?
Foto: Patrick Zwerger

Der Vergleich ist zwar abgedroschen, aber moderne Kampfjets mit teuren Lenkwaffen gegen Drohnenschwärme einzusetzen, wirkt buchstäblich, wie mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Die Stückkosten von Einweg-Kampfdrohnen wie der iranischen Shahed-136 und der russischen Version Geran-2 stehen in keinem Verhältnis zum Preis der auf sie abgefeuerten Luft-Luft-Raketen, deren Stückzahlen außerdem begrenzt sind – von den verursachten Flugstundenkosten der Kampfjets ganz zu schweigen.

Der polnische Flugzeughersteller PZL Mielec hat sich deshalb eine Idee überlegt. PZL schlägt vor, polnische Transportflugzeuge vom Typ M28 Skytruck mit Bordkanonen und Raketenwerfern auszustatten, um sie auf diese Weise zu fliegenden Kanoenbooten gegen Drohnen aufzurüsten. Inspiration dazu fanden die Polen bei einem Projekt aus der Ukraine. Dort wurde eine zivile Antonow An-28 für die Drohnenjagd mit einer M134 Minigun versehen – und sorgte im Februar für Schlagzeilen, weil sie zum Star eines Fernsehberichts des französischen Senders TF1 avancierte. Mehr als 150 Drohnenabschüsse reklamierte die Besatzung der Antonow zu diesem Zeitpunkt bereits für sich.

PZL M28 Skytruck - Vom Transportflugzeug zum Anti-Drohnen-Gunship?
Patrick Zwerger

Feuerfähigkeit in alle Richtungen

Die von PZL gebaute M28 Skytruck basiert ebenfalls auf der An-28, bringt also ähnliche Voraussetzungen mit. Im Vergleich zum ukrainischen Vorbild planen die Polen allerdings mit einer deutlich umfangreicheren Bewaffnung. So sieht das "Gunship"-Upgrade für die M28 für die Seitentüren links und rechts insgesamt zwei M134-Miniguns mit Kaliber 7,62 Millimeter vor, die pro Minute jeweils 3000 bis 6000 Schuss abfeuern können. Für die Laderampe am Heck ist die Montage eines schweren Maschinengewehrs mit Kaliber 12,7 Millimeter eingeplant.

Ferner nennt PZL als mögliche Bewaffnung je einen 70-Millimeter-Raketenwerfer links und rechts unter den Tragflächen sowie optional zwei im Bereich des Hauptfahrwerks montierbare 20-Millimeter-Kanonenbehälter. Ein, wie beim Kampfhubschrauber, vom Cockpit aus gesteuertes 12,7 Millimeter-MG komplettiert das Arsenal, sodass das M28-Gunship buchstäblich in alle Richtungen auf Drohnen feuern kann. Zudem sollen ein Nachtsichtgerät und ein elektrooptischer Sensor als Zielerkennungs- und Feuerleitsystem den Einsatz zu jeder Tages- und Nachtzeit möglich machen.

PZL M28 Skytruck - Vom Transportflugzeug zum Anti-Drohnen-Gunship?
PZL

Premiumversion mit Radar und Link-16

In einer weiter verbesserten Variante kalkuliert PZL darüber hinaus mit dem Einbau eines Bordradars, mit dem die M28 feindliche Kamikazedrohnen über größere Distanzen frühzeitig erfassen kann.

In dieser Ausbaustufe sollen ferner eine Schnittstelle für die Kommunikation über Link-16, den Stanard-Datenlink der NATO, Satellitenkommunikation, das Freund-Feind-Erkennungssystem M5 sowie ein störungsresistentes INS/GPS-Navigationssystem im Portfolio Einzug halten. "Dadurch kann die M28 als Teil eines integrierten Luftverteidigungssystems operieren", schreibt das polnische Portal defence24, das zuerst über die Gunship-Pläne von PZL berichtete.

Umsetzung "sehr schnell" möglich

Aktuell befindet sich die polnische Kanonenboot-Idee nach Herstellerangaben noch in der Konzeptphase. Allerdings lasse sich das Projekt "sehr schnell umsetzen, da es im Gegensatz zu einer Neukonstruktion keine vollständige Zertifizierung erfordert", betont PZL-Generaldirektor Janusz Zakręcki gegenüber defence24. "Bestehende Flugzeuge können beispielsweise innerhalb weniger Wochen mit großkalibrigen Maschinengewehren nachgerüstet und anschließend für neue Missionen eingesetzt werden", so Zakręcki weiter.

Falls entsprechende Nachfrage seitens des Militärs besteht, sei PZL "bereit, die Integration bestehender Flugzeuge und die Produktion neuer Flugzeuge zügig aufzunehmen."