Chinas Kampfjet-Produktion ist voll auf Expansionskurs – und wird schon bald die aller anderen Länder übertreffen. Zu diesem Schluss kommt der US-Analyst J. Michael Dahm, Senior Fellow am Mitchell Institute for Aerospace Studies in Washington, D.C. Für seine Analyse nutzte Dahn unter anderem kommerziell erhältliche Satellitenbilder, die laut Dahm einen massiven Ausbau der Produktionskapazitäten in den Flugzeugwerken Shenyang und Chengdu zeigen. "Chinas Bestand an Kampf- und Angriffsflugzeugen wird in den nächsten fünf Jahren deutlich anwachsen", schlussfolgert der China-Spezialist aus seinen Beobachtungen.
Der chinesische Staatskonzern AVIC werde "ab dem nächsten Jahr" in der Lage sein, "jährlich 300 bis 400 Kampfjets der vierten und fünften Generation" für die einheimischen Luftstreitkräfte herzustellen. Ein großer Teil entfalle dabei auf die beiden Stealth-Fighter Chengdu J-20 und Shenyang J-35(A), erläutert Dahm weiter. Für Erstere habe AVIC gerade erst die Fabrik in Chengdu massiv erweitert, nach Dahms auf Satellitenbildern beruhenden Berechnungen um etwa 278.700 Quadratmeter. Allein fünf Produktionslinien für die J-20 seien nun in Chengdu im Betrieb – ausreichend für mindestens 100 neue J-20 jedes Jahr.
Chinas Kronjuwel J-20
Andere Schätzungen gingen gar von bis zu 120 neuen J-20 jährlich aus, ergänzt das britische Fachportal Flight Global – und nennt als Beispiel eine Analyse des Royal United Services Institute (RUSI) vom 8. Januar 2026.
Die J-20, deren erste Exemplare bereits seit rund einem Jahrzehnt im Dienst stehen, gilt als Chinas Pendant zum US-Superfighter F-22 Raptor von Lockheed Martin, dürfte diesem gegenüber jedoch technisch unterlegen sein. Dennoch bildet die J-20, der man nachsagt, sie basiere auf dem nie in Serie gegangenen Kampfjet-Entwurf MiG 1.44 aus Russland, bereits heute die Speerspitze der chinesischen Luftwaffe. Einen Export der J-20 schlossen die Chinesen stets aus, weshalb die erwähnte Erweiterung des Fertigungsvolumens voll und ganz den einheimischen Streitkräften zugutekommt.

Die Chengdu J-20 flog erstmals im Jahr 2011 und ging 2017 offiziell in Dienst. Seither verließ eine deutlich dreistellige Anzahl die Werkshallen in Chengdu.
Shenyang J-35(A) auch für Exportkunden
Etwas anders verhält es sich mit dem zweiten Stealth-Muster der Chinesen, der aus dem Prototyp FC-31 entwickelten Shenyang J-35(A). Die J-35 gilt, nicht nur des Namens wegen, als Chinas Antwort auf die Lockheed Martin F-35 und soll ausdrücklich auch für Exportkunden angeboten werden. Gebaut werden zwei Versionen, die für den Flugzeugträger-Einsatz optimierte Marineausführung J-35 und die landgestützte J-35A, die bei der Airshow China in Zhuhai im November 2024 ihr Publikumsdebüt feierte.
Mutmaßlich zur Ausweitung der J-35-Produktion baute AVIC in Shenyang eine komplett neue Fabrik mit (geschätzt) 370.000 Quadratmeter Produktionsfläche und einer eigenen, 3600 Meter langen Start- und Landebahn. Auch beim Hubschrauberhersteller Changhe stehen die Zeichen auf massiver Expansion: Hier soll die Kapazität durch den Bau einer 93.000 Quadratmeter großen Erweiterung der Fabrik um rund 30 Prozent erhöht werden.
Massiver Ausbau allerorten
Insgesamt erweitere AVIC die Produktionsfläche für neue Kampfflugzeuge und -hubschrauber um mehr als 743.000 Quadratmeter, rechnet Analyst Dahn zusammen. Das sei für sich genommen "mehr als der gesamte F-35-Produktionskomplex in Fort Worth, Texas".
Dort lieferte Lockheed Martin im vergangenen Jahr eigenen Angaben 191 F-35 aller drei Varianten aus, von denen einige allerdings bereits 2024 fertiggestellt und mangels Lieferfreigabe zunächst auf dem Werksgelände geparkt worden waren.
Unterdessen liefert die bestehende AVIC-Montagelinie in Shenyang weiterhin auch Kampfjets der vierten Generation – etwa die Muster Shenyang J-15 und J-16, ihres Zeichens Derivate der russischen Suchoi-Jets Su-33 und Su-30.

Auch konventionlle Kampfjets wie die für den Einsatz auf dem neuen Flugzeugträge Fujian optimierte Shenyang J-15T werden in China weiter gebaut.
Größte Kampfjet-Flotte der Welt
Wenn China seine neuen Produktionskapazitäten voll ausschöpft, wird es laut Dahm bis 2029 über die größte Kampfflugzeugflotte der Welt verfügen. Möglicherweise werde Peking jedoch einen Teil der Produktion für Export-Slots reservieren. Dennoch werde der Serienbau neuer Kampfjets für die einheimischen Luftstreitkräfte durch die beschriebenen Expansionsprogramme einen massiven Aufschwung erleben.
Darüber hinaus investiert China gemäß Analysten wie J. Michael Dahm auch massiv in zukünftige Kampfflugzeugprojekte. Kampfjets der sechsten Generation werden bereits seit geraumer Zeit erprobt, namentlich die (inoffiziell) als J-36 und J-50 bezeichneten Muster, von denen seit 2024 immer wieder Fotos und Videos durch die sozialen Medien geistern.

In Erprobung befindliche Zukunfts-Kampfjets wie die dreistrahlige J-36 (Foto) und die kleinere J-50 könnten ebenfalls bald in Serie gehen.
Investition in Zukunfts-Kampfjets
Satellitenbilder des Anbieters Planet Labs dokumentieren laut Dahm, dass China einen als Testbasis genutzten, abgelegenen Fliegerhorst in der Provinz Xinjiang, im vergangenen Jahr massiv erweitert habe. "China hat die Größe dieser abgelegenen Testbasis praktisch verdoppelt, was uns einen Hinweis darauf gibt, wohin die Reise mit Tests und Evaluierungen sowie der zukünftigen Flugzeugentwicklung gehen könnte", erläutert der US-Analyst.
Die neuesten Satellitenbilder deuten nach Dahms Erkenntnissen überdies darauf hin, dass nördlich des bestehenden Flugzeugwerks in Chengdu rund 20 Hektar Land gerodet wurden. Dieses zuvor von der Sichuan-Universität genutzte Areal könne perspektivisch für den Serienbau eines neuen chinesischen Kampfflugzeugs der sechsten Generation herangezogen werden – oder aber auch für den weiteren Ausbau der J-20-Fertigung am Standort Chengdu, so Dahm.





