Das russische Verteidigungsministerium ist auf seiner Webseite und auch in den sozialen Medien, namentlich auf Telegram, generell recht mitteilsam. Dass die Russen am 17. März ein Video veröffentlichten, das zwei mit Kinschal-Hyperschallraketen bewaffnete MiG-31K beim Übungsflug über dem Japanischen Meer jenseits der russischen Südostgrenze zeigte, werten manche Analysten aber dennoch als "kaum versteckte Drohung" an Japans Ministerpräsidentin Sanae Takaichi vor deren Staatsbesuch bei US-Präsident Donald Trump in Washington.
Die beiden MiGs, die vermutlich vom Fliegerhorst Jelisowo auf der Halbinsel Kamtschatka gestartet waren, "vollführten einen planmäßigen Flug im Luftraum über den neutralen Gewässern des Japanischen Meeres", schrieb das Verteidigungsministerium zu den Filmaufnahmen. Während des Fluges trainierten die MiG-31-Crews auch das Betanken in der Luft und zapften Kerosin-Nachschub aus einer Iljuschin Il-78.
Das Ministerium betont, die Mission der beiden russischen MiG-31K sei "in strikter Übereinstimmung mit den internationalen Regeln für die Nutzung des Luftraums" erfolgt.
MiG-31 mit Hyperschallrakete
Die MiG-31K ist die Spezialversion des legendären, bis zu 3000 km/h schnellen Sowjet-Abfangjägers MiG-31, die für das Abfeuern der berüchtigten Luft-Boden-Rakete Ch-47M2 Kinschal optimiert wurde. Jede MiG-31K kann an einer zentralen Aufhängung am Rumpf eine der fast acht Meter langen Riesenwaffen mitführen. Die Kinschal war lange ein Mythos, im Ukraine-Krieg kam sie erstmals in größerem Umfang zum Einsatz. Seither streiten sich Experten über ihre Wirksamkeit.
Die Ukrainer behaupteten wiederholt, sie hätten mit Patriot-Flugabwehrbatterien mehrere Kinschals vom Himmel geholt. Wirklich belegt ist das allerdings nicht. Auch dass die Kinschal angeblich gar keine Hyperschallrakete sei, sondern lediglich mit drei- bis vierfacher Schallgeschwindigkeit fliege, war aus der Ukraine zwar zu hören, bleibt aber ohne handfesten Beweis – während die Russen wenig überraschend die Durchschlagskraft ihrer Rakete loben.

Die MiG-31K ist für den Einsatz der Ch-47M2 Kinschal (deutsch "Dolch") optimiert. Im Fernen Osten nutzt Russland den Fliegerhorst Jelisowo als MiG-31-Basis.
Eine Drohung an Japan?
Wie dem auch sei, Eindruck macht das wuchtige Ungetüm noch immer – erst recht, wenn man es unter eine MiG-31 schnallt, deren Silhouette schon für sich genommen Aufsehen erregt.
Dass das Verteidigungsministerium in Moskau Videoaufnahmen der jüngsten Übungsmission mit Kinschal-MiGs über dem Japanischen Meer publizierte, werten manche Beobachter daher als kaum verhohlene Drohbotschaft an die japanische Regierung, deren Chefin Takaichi am Donnerstag im Weißen Haus weilte.
So zitiert die englischsprachige South China Morning Post den aus Sankt Petersburg stammenden Professor Jakow Zinberg, der an der Kokushikan-Universität in Tokio zu internationalen Beziehungen doziert, Moskau reagiere "sehr sensibel" auf Ereignisse im Nahen Osten, und der Zeitpunkt der MiG-31-Übungen sei in diesem Zusammenhang keine große Überraschung. "Das ist eine kaum verhüllte Drohung an Japan, sich nicht in die Angelegenheiten mit dem Iran einzumischen und insbesondere keine Einheiten der Selbstverteidigungsstreitkräfte in die Region zu entsenden, selbst wenn Trump Takaichi dazu drängt, Truppen zu schicken", so Zinberg. "Ich denke, wir können dies getrost als Botschaft interpretieren, dass sie nicht zu weit gehen sollte."
"Moskau will Japan damit warnen"
James Brown, Professor für Internationale Beziehungen mit Schwerpunkt auf russischen Angelegenheiten am Tokioter Campus der Temple University, sieht das ganz ähnlich – und ruft auch die "russische Frustration" darüber in Erinnerung, dass Japan sich an den gegen Russland gerichteten westlichen Sanktionen im Zuge des Ukraine-Krieges beteiligt. "Diese Flüge sind ein Signal dafür, dass Japan nichts unternehmen sollte, was Russland verärgern oder provozieren könnte, da dessen Streitkräfte über beträchtliche Fähigkeiten verfügen", sagte Brown. "Moskau will Japan damit warnen, vorsichtig zu sein, sonst drohen Konsequenzen."
Der Tokioter Professor erwähnte in diesem Zusammenhang auch die Aktivitäten eines russischen Lenkwaffenzerstörers der Udaloy-Klasse, der wenige Tage vor dem Übungsflug der beiden MiG-31K in relativer Nähe zur japanischen Insel Yonaguni in der Präfektur Okinawa durchs Japanische Meer fuhr. Auch dies sei "Teil eines umfassenderen Musters von Signalen", die Russland an Japan sende, konstatierte Brown gegenüber der South China Morning Post.





