Es ist offiziell, der Iran hat eine erste Chengdu J-20 aus China erhalten. Allerdings keine originale, sondern ein Modell des Stealth-Kampfjets, ungefähr im Maßstab 1:48. Chinas Militärattaché im Iran, Hu Xiao, überreichte die Miniatur-J-20 kürzlich als Geschenk an Irans Luftwaffenchef, Brigadegeneral Bahman Behmard. Anlass waren die Feierlichkeiten zum Tag der iranischen Luftwaffe am 8. Februar in Teheran.
Iranische Medien überschlagen sich seither mit Spekulationen, welche Symbolkraft wohl hinter dem Präsent aus dem Reich der Mitte stecken könnte. Schließlich scheint es für die Kommentatoren ausgeschlossen, dass man in derlei Kreisen das Modell eines bestimmten Flugzeugmusters "einfach so" verschenkt.
Einzelne Berichte legten konkret dar, der Iran habe ein umfassendes Rüstungsgeschäft mit Peking vereinbart, das den iranischen Streitkräften moderne Ausrüstung aus China verspreche. Darunter seien, neben Flugabwehrsystemen des Typs HQ-9 und JY-14-Radaranlagen, auch "Kampfflugzeuge der fünften Generation vom Typ J-20" sowie J-10C-Kampfjets. Im Gegenzug solle der Iran Rohöl im Wert von rund zwei Milliarden US-Dollar nach China exportieren.

Die Chengdu J-20 gilt als bester Kampfjet aus China - für den Export ist der Stealth-Fighter eigentlich nicht gedacht.
Die J-20 ist nicht für den Export bestimmt
Tatsächlich geisterten bereits im vergangenen Jahr Gerüchte durchs Internet, wonach Teheran mindestens mit chinesischen J-10C, womöglich aber auch mit J-20-Stealth-Jets für die iranische Luftwaffe rechnen könne. Während ein möglicher Verkauf der konventionellen J-10C an den Iran noch halbwegs realistisch anmutete (schließlich bietet China dieses Muster offiziell für den Export an), schien es allerdings objektiv so gut wie ausgeschlossen, dass die Chinesen den Persern tatsächlich auch ihren Top-Fighter J-20 anbieten würden.
So hatte Peking in der Vergangenheit immer wieder durchblicken lassen, die J-20 sei, ähnlich wie die F-22 Raptor aus den USA, allein für die Nutzung durch die eigene Luftwaffe vorgesehen und man verfolge mit dem Tarnkappenjäger keinerlei Exportambitionen. Daran dürfte sich bis heute nichts Gravierendes geändert haben, zumindest deutet objektiv nichts darauf hin. Beobachter merkten ergänzend dazu an, dass China statt der J-20 deshalb die kleinere Shenyang J-35A für Exportkunden ins Schaufenster stelle.

Im Gegensatz zur J-20 will China die neuere, kleinere J-35A (Foto) wohl auch an internationale Kunden verkaufen.
"Manchmal ist ein Schreibtischmodell eben nur das"
Hat also der chinesische Militärattaché bei den Feierlichkeiten in Teheran einfach nur das falsche Modell im Handgepäck gehabt? Vielleicht... Der israelische Analyst Tal Inbar riet jedenfalls dazu, nicht allzu viel in das Gastgeschenk für den iranischen Luftwaffenchef hineinzuinterpretieren: "Manchmal ist ein Schreibtischmodell eben nur das. Erwarten Sie nicht, dass wir jemals eine echte J-20 im Iran sehen werden."
Mit dieser Einschätzung dürfte Inbar aller Wahrscheinlichkeit nach Recht behalten – und zwar nicht allein deshalb, dass China die J-20 bislang vom Exportgeschäft ausgeklammert hat (und dies wohl auch weiter tut). Schließlich müssten die Iraner für ein Stealth-Muster der fünften Generation nicht nur die Flugzeuge beschaffen. Auch die gesamte Peripherie für den Betrieb der Jets hinsichtlich Logistik und Infrastruktur bedürfte umfassender Investitionen, die nicht nur viel Geld, sondern auch Jahre an Zeit in Anspruch nähmen.
Zudem scheint China gemäß Medienberichten skeptisch, was die Infiltration des iranischen Militärs durch Agenten des israelischen Geheimdiensts Mossad angeht. Im chinesischen Militär kursiere der Witz, "Kampfjets an den Iran zu verkaufen, ist, als würde man Israel Baupläne geben", zitierte im September des vergangenen Jahres das Portal Eurasian Times aus chinesischen sozialen Medien. Womöglich auch aus diesem Grund ist bislang offenbar nicht einmal ein Abkommen zum Kauf von J-10C-Kampfjets durch Teheran zustande gekommen.
Modell-Präsent als Symbol an Washington?
Gänzlich ohne Symbolkraft und Hintergedanken dürfte das geschenkte J-20-Modell trotzdem nicht sein. Wenngleich es beinahe ausgeschlossen scheint, dass die iranische Luftwaffe jemals Chinas besten Fighter fliegen wird, zeigt die demonstrativ zur Schau gestellte Geschlossenheit zwischen chinesischen und iranischen Militärs, dass Teheran international womöglich weniger isoliert ist, als man in Washington D.C. denkt.
Und, abgesehen davon, schön anzuschauen ist so eine J-20 auf dem Schreibtisch auf alle Fälle...





