Das US-Zentralkommando (CENTCOM) dementiert lautstark: Kein einziger US-Kampfjet sei vom Iran abgeschossen worden – auch nicht die F/A-18E, gegen die das Korps der iranischen Revolutionsgarden einen Raketentreffer für sich reklamiert. Allerdings: Es hat auch gar niemand behauptet, die Super Hornet sei abgeschossen worden. Noch nicht einmal die Iraner kolportierten das – sie sprechen lediglich von einem Treffer, nicht von einem Abschuss.
Videoaufnahmen, sie sollen aus der Hafenstadt Tschahbahar stammen, scheinen den Treffer tatsächlich zu zeigen. Aus mehreren Perspektiven ist zu sehen, wie die US-amerikanische F/A-18E einen Tiefflugangriff vollzieht, während vom Boden aus ein Geschoss auf sie abgefeuert wird. Kurz darauf sieht man direkt am Flugzeug eine Explosion – begleitet von lauten Jubelrufen am Boden, wie ein zweites Video festhält.
Bei dem Geschoss handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit um eine Boden-Luft-Rakete, abgefeuert aus einem tragbaren, schultergestützten Flugabwehrsystem (MANPAD). Deutlich ist auf den per Smartphone aufgenommenen Video-Clips zu sehen, wie die Rakete von unten auf den Navy-Kampfjet zufliegt. Aber trifft sie ihn tatsächlich auch?
Verfehlt um Haaresbreite
Auf den ersten Blick scheint das der Fall – im Zuge der zu sehenden Explosion sieht es sogar so aus, als würden Teile der F-18 weggesprengt. Die Flugbahn des Fighters, der in einer Linkskurve abdreht, die er bereits zuvor eingeleitet hatte, verändert sich durch den vermeintlichen Treffer jedoch nicht.
Ein aus einem anderen Blickwinkel gefilmtes Video schafft Klarheit: Die iranische Rakete trifft die Super Hornet wirklich nicht, verfehlt sie stattdessen um Haaresbreite und explodiert in einem langgezogenen Feuerball direkt neben dem Flugzeug. Für den Piloten war das offenbar pures Glück, scheint er doch keinerlei Abwehrmaßnahmen gegen die heranfliegende Rakete unternommen zu haben. Ein Treffer im Heckbereich hätte mutmaßlich den Verlust des Flugzeugs nach sich gezogen.
Fragile Lufthoheit für die Angreifer
Auf dem zusätzlichen Video ist auch die Anfangssequenz des Luftangriffs zu sehen, bei dem die F/A-18 – deutlich hör- und sichtbar – eine Salve aus ihrer 20-Millimeter-Bordkanone M61A2 Vulcan Richtung Erde abfeuert. Einerseits zeigt dies, dass die USA (und Israel) zumindest in diesem Bereich der iranischen Küstenlinie rund um Tschahbahar im Südosten die Lufthoheit für sich beanspruchen. Andererseits belegt der iranische Beschuss gegen die Super Hornet aber auch, dass diese Lufthoheit, sofern objektiv überhaupt vorhanden, fragiler Natur ist – und gerade tieffliegende Kampfflugzeuge jederzeit ins Visier mobiler Flugabwehreinheiten und MANPADs geraten können.
Trotz dieses Umstands ist bislang jedoch wirklich kein bestätigter Abschuss eines US-Kampfflugzeugs im iranischen Luftraum dokumentiert. Zumindest diesbezüglich hat das CENTCOM mit seiner eingangs zitierten Aussage recht.





