Das große Ziel der Kooperation zwischen Leonardo und Baykar Technologies umriss Leonardo-Chef Roberto Cingolani bereits im Juni 2025 auf der Paris Air Show in Le Bourget. Dort deutete Cingolani an, die Baykar-Stealth-Drohne Bayraktar Kızılelma als "loyal Wingman" für das geplante "Welt-Kampfflugzeug" GCAP zu prüfen, an dem Italien, Großbritannien und Japan aktuell gemeinsam arbeiten.
Einen wichtigen Schritt dorthin wollen die beiden Rüstungspartner noch in diesem Jahr vollziehen, wie Cingolani nach Angaben des Fachportals Flight Global am 12. März bei einer Pressekonferenz in Rom bekanntgab: "Wir werden einen Flug mit einem Mutterflugzeug (...) vornehmen, das zwei unbemannte Kampfflugzeuge steuert, die gemeinsam mit unseren Kollegen von Baykar Technologies entwickelt wurden", so der Geschäftsführer des italienischen Konzerns. Als "Mutterflugzeug" komme dabei "unser leichter Jagdbomber", die M-346FA, zum Einsatz.
Welche Baykar-Drohnen der M-346FA konkret bei den Tests als loyale Flügelmänner dienen sollen, verriet Roberto Cingolani nicht. Vom Profil her, und vor allem in Hinblick auf die GCAP-Pläne, kommt aber eigentlich nur die jet-getriebene Bayraktar Kızılelma in Betracht.

Die Leonardo M-346FA ist die leichte Jagdbomber- und Angriffsvariante des Jet-Trainers M-346. Als günstiger Fighter stößt das Muster international auf reges Interesse.
Das Kampfdrohnen-Kronjuwel der Türkei
Die eingesetzten Baykar-Drohnen würden "direkt vom Mutterflugzeug aus gesteuert", unterstrich der Leonardo-Boss. "Der erste Test wird im Geheimen, etwa im April/Mai, stattfinden, und danach wollen wir an die Öffentlichkeit gehen."
Die Stealth-Kampfdrohne Kızılelma gilt technisch als Kronjuwel im Inventar von Baykar Technologies. Der Erstflug eines Kızılelma-Prototyps erfolgte am 14. Dezember 2022. Seither absolvierte das unbemannte Muster ein umfangreiches Testprogramm. Am 25. September 2024 schickte Baykar mit dem Prototyp PT-3 zum ersten Mal eine Kızılelma in geplanter Serienauslegung in die Luft – mit optimiertem Design, türkischem AESA-Radar und umfassender (einheimischer) Avionik, angetrieben vom Nachbrenner-Turbofan AI-322F von Iwtschenko-Progress aus der Ukraine.
Umfangreiche Waffentests mit Kızılelma
Im November 2025 feierte die Kızılelma PT-3 in einem simulierten Gefecht außerhalb der Sichtweite ihren ersten "Luftsieg" – mithilfe der türkischen Luft-Luft-Lenkwaffe Gökdoğan, gegen eine türkische F-16, die als Zieldarsteller diente. Wenig später setzte Baykar mit einem weiteren Kızılelma-Waffentest ein erneutes Ausrufezeichen: Erstmals überhaupt holte ein unbemanntes Fluggerät ein gegnerisches Luftziel mit einer radargelenkten Rakete vom Himmel.
Das von Leonardo und Baykar Technologies gegründete Joint-Venture LBA Systems plant unterdessen die Produktion von Kızılelma-Kampfdrohnen im italienischen Grottaglie. Auch die Baykar-Modelle TB2, TB3 und Akinci sollen im Zuge dessen in Italien gefertigt werden.





